Franz Joachim Behnisch
Erinnerungsplatz für einen Dichter

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
14.03.2016
22
0

Franz Joachim Behnisch, dem 1983 viel zu früh im Alter von 63 Jahren verstorbenen Weidener Schriftsteller, war es nicht vergönnt, die Früchte seines Werkes zu sehen. Jetzt wurde sein umfangreicher Nachlass dem Literaturarchiv in Sulzbach-Rosenberg übergeben.

Seine Lebensgefährtin Ehrentraud Dimpfl hat sein Erbe sorgsam gepflegt. Sie brachte wichtige Werke wie seine Romantrilogie über Berlin und vor allem Behnischs Lyrik posthum zur Veröffentlichung - und gab das Erbe an Simone Lutz weiter, die über Behnisch promovierte. Jetzt hat sie die gesamte literarische Hinterlassenschaft des Autors dem Literaturarchiv überlassen.

Das Ereignis führt am Freitag Menschen im Literaturhaus zusammen, die Behnisch kannten, Lehrer oder Schüler am Weidener Kepler-Gymnasium waren, um im Gespräch und einer Lesung den Autor wieder lebendig werden zu lassen. Veit Wagner aus Weiden war Behnischs Kollege und der aus dem Stiftland stammende Schriftsteller und Filmemacher Werner Fritsch sein Schüler. Behnisch hat als erster die Fähigkeiten von Fritsch erkannt und gefördert. Moderiert wird der Abend von Stefan Voit, Leiter der Kulturredaktion im Medienhaus "Der neue Tag/Amberger Zeitung".

Erfolgreicher "Freigeist"


Wagner erinnert sich an Behnischs Tätigkeit als Gymnasiallehrer in Weiden. Der gebürtige Berliner hatte nach dreijähriger russischer Gefangenschaft sein Germanistikstudium abgeschlossen und 1952 seine Stelle an der damaligen Weidener Oberrealschule angetreten. Behnisch galt als nicht angepasst, als "Freigeist" im Kollegium, war aber in seinen Fächern Deutsch und Geschichte überaus erfolgreich.

In der Schule verfolgt er konsequent das Anliegen, das ihn auch als Autor motiviert: Er setzt der "Historia blutig und feist", die er vor allem in den Romanen "Im Gleisdreieck", "Nicht mehr in Friedenau" und "Eislauf" eindringlich beschreibt, seine eigene Sicht der Dinge entgegen. Er bietet dem Leser mehr als nur eine Geschichte. Die Ereignisse, fokussiert auf das alte Zentrum seiner Heimatstadt Berlin rund um das Gleisdreieck an der Grenze zwischen Kreuzberg und Schöneberg, werden verflochten mit einem präzisen historischen und gesellschaftlichen Hintergrund. Man gewinnt den Eindruck, mehrere Bücher zugleich zu lesen.

Fritsch meint, Behnisch hat mit seinen fantastischen Assoziationen der Literatur einen ganz neuen Weg in die Zukunft gewiesen. Noch beeindruckender als seine Prosa, so sagt Veit Wagner, sei Behnischs Lyrik. Sie macht einen großen - vielfach noch nicht veröffentlichten Teil der umfangreichen Hinterlassenschaft aus.

Kritischer Beobachter


Weiden, wo er immerhin 27 Jahre wirkt, hat er ebenso wie seine Schule auch mit dem unbestechlichen Blick des kritischen Beobachters gesehen. Das literarische Ergebnis dieser Erfahrung ist sein Weiden-Porträt, das unter dem Titel "Grüße aus einer kleinen bundesdeutschen Stadt, grenznah in schöner Umgebung" 1974 in Hans Benders und Walter Höllerers "Akzenten" abgedruckt wird. Fritsch wollte dem Publikum diese Satire nicht vorenthalten. Allerdings freuten sich wohl nicht alle über diese Veröffentlichung, vor allem jene nicht, die unter anderem freilich erwähnt wurden und nun fragten, wer wohl wirklich gemeint sei. Er fällt jedoch nicht schwer, in der kleinen Stadt Waldpreppach Weiden wiederzuerkennen.

Umfangreiches Material


Michael Peter Hehl, Wissenschaftlicher Leiter des Literaturarchivs, zeigt sich erstaunt über den Umfang des Behnisch-Erbes, das nun in den nächsten Jahren erforscht werden muss. Die vielen unveröffentlichten Manuskripte, Tagebücher, Notizen, vor allem auch die Lyrik, werden das Bild des Schriftstellers vervollständigen und seinem Werk den gebührenden Platz zuweisen. Das Literaturhaus zeigt einstweilen einen kleinen Teil des umfangreichen Materials. Darunter befinden sich Zinnfiguren, Schreibmaschine, Tagebücher - und nicht zuletzt seine Totenmaske.
Weitere Beiträge zu den Themen: Veit Wagner (13)Franz Joachim Behnisch (3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.