Fulminanter Auftakt der 52. VHS-Konzertreihe in Sulzbach-Rosenberg mit Klaus Jäckle und dem ...
Außergewöhnliches Gespür für Dynamik

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
24.10.2014
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Voll besetzter Konzertsaal, ein ungewöhnliches Programm: Die 52. Kammermusikreihe der VHS Amberg-Sulzbach startete mit einem außergewöhnlichen Konzert. Gitarre und Streichquartett ist eine heute nur selten zu hörende Kombination, die aber im 18. Jahrhundert in Europa Furore machte. In Sulzbach-Rosenberg präsentierte der Gitarrist Klaus Jäckle mit den Damen des Fürther "Elisenquartetts" ein Konzert, das die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen animierte. Es erklangen mit den Werken von Boccherini, Castelnuovo und Gershwin "Unikate", die speziell für diesem Abend erarbeitet wurden.

Zunächst stellten sich die Streicher mit dem "Kaiserquartett" von Joseph Haydn vor. Anja Schaller und Maria Schalk (Geigen), Karoline Hofmann (Bratsche) und Irene von Fritsch (Cello) bildeten ein eingespieltes Team, das sich durch Spielfreude, Individualität und Gespür für Dynamik auszeichnet. Die Korrespondenz der Instrumente, denen Haydn stets Raum für "solistische" Themen gibt, prägt den ersten Satz.

"Gott erhalte Franz, den Kaiser" - diese Hymne an Kaiser Franz Josef präsentiert der Komponist in vier Variationen im berühmten 2. Satz so, dass die "unantastbare" Melodie unverändert von je einem anderen Instrument gespielt wird, bis sich die letzte Variation zu einem fast bachschen Choralsatz erhebt. Eindrucksvoll, fesselnd präsentierte das "Elisenquartett" diese Hymne. In Eleganz und Geschmeidigkeit erklangen die weiteren Sätze.

Verblüffende Einheit

Dann die erwarteten "Aha"-Erlebnisse: Klaus Jäckle stellte das "Fandango-Quintett" für Gitarre und Streichquartett vor, eines der Streichquintette, die Boccherni umarbeitete und dem Marquis von Benavente widmete, der ein begeisterter Gitarrist war. In dieser "höfischen" Musik verschmelzen Gitarre und Streicher zu einer verblüffenden Einheit.

Die große Klasse Jäckles zeigte sich dabei nicht nur in seiner spielerischen Brillanz, sondern im Zusammenwirken mit "seinen" Damen. Das Cello erhielt reichlich Gelegenheit zu "Solo-Passagen", im langsamen Mittelsatz glänzte die Gitarre mit wunderschönen Melodiebögen und im "Fandango" prägte spanisches Kolorit die Musik.

Im virtuosem Spiel sah man Tänzerinnen stampfen, waren Castagnetten zu hören, stand das frappierende Gitarrenspiel im Mittelpunkt. Mario Castelnuovo-Tedesco war nach seiner Emigration 1933 nach Amerika dort Filmkomponist und Professor in Los Angeles. Sein "Quintett pour Gitarre et quatuor a'cordes" ist einem exzellenten Gitarristen "auf den Leib geschrieben". Ekstatische Akkorde wechselten mit beweglichen Melodieläufen der Gitarre, die von den Streichern elegant kommentiert wurden.

Den 2. Satz eröffnete die Bratsche mit einer wehmütigen Melodie, die von den Geigen übernommen, von der Gitarre erhöht wurde und eine märchenhafte Stimmung erzeugte. Ein spritziges Menuett leitete über zu einem motorisch drängenden Finale, in dem nicht nur die überragende Gitarre, sondern alle Instrumente ihre Virtuosität ausspielten.

Überraschende Wendungen

Dann folgte Gershwins "Rhapsody in blue" - in einer Bearbeitung durch Jäckle und Richard Whilds, der als Arrangeur und Korrepetitor an der Staatsoper München wirkt. Im Geiste Gershwins integrierten beide in diese Bearbeitung auch andere Charaktere. Die berühmten Themen der "Rhapsody", von der Gitarre vorgetragen und wechselseitig von den Streichern weitergeführt, kamen zum Klingen, die Gitarre wartete mit überraschenden Wendungen der Themen auf. Lyrische, melodiöse Momente brachten Entspannung in die Musik.

Gershwin war stets präsent, seine berühmten Melodiefolgen faszinierten mit ihren Klangkombinationen und in großem Sound steuerte die Musik zu einem fulminanten Schluss. Eine großartige Bearbeitung, begeisternd gespielt, mit Ovationen bedacht.
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