Gesspräch im Literaaturhaus über Ruth Rehmann
Distanziertes Verhältnis zur „Frauenliteratur“

Im Literaturhaus Oberpfalz verhalfen Britta Jürgs und Prof. Werner Jung Ruth Rehmanns Hörspielen zu neuer Beachtung in gedruckter Form, Juliane Schonauer und Lisa Rehmann-Zauner (von links) steuerten familiäre Ansichten und Aspekte bei. Bild: aks
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
05.04.2016
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Von Anke Schäfer

Sulzbach-Rosenberg. Die lebendige verbale Interaktion von Hörspielen zwischen zwei Buchdeckeln konserviert, der sprachmelodischen Fantasie der Leser zu überlassen, ist riskant. Der literarische Mehrwert in Ruth Rehmanns (1922-2016) Werk ermutigte Herausgeber Prof. Werner Jung und Verlegerin Britta Jürgs dennoch zum Buchprojekt "Drei Gespräche über einen Mann und andere Hörspiele von Ruth Rehmann", das sie im Literaturhaus Oberpfalz präsentierten.

Dabei entpuppt sich Jung als profunder Kenner von Rehmanns Schaffen und gleichermaßen freundschaftlich verbundener Begleiter. So entstand auch die Idee, einige der Hörspiele in einem kleinen Auswahlband zu publizieren. Die Tatsache, dass es sich einerseits um Gelegenheitsarbeiten handelt, die aber andererseits Essenzielles der Schriftstellerin preisgeben, macht jedoch Überzeugungsarbeit erforderlich. An dieser Stelle rücken Verlegerin Britta Jürgs vom Berliner "AvivA Verlag" und der wissenschaftliche Leiter des Sulzbach-Rosenberger Literaturarchivs und Gastgeber des Abends, Michael Peter Hehl mit ins Bild: Erstere als Gründerin eines Verlages, der sich programmatisch "Vergessenen Schätzen, literarischen Neuentdeckungen und außergewöhnlichen Frauen" widmet und so gesehen mit den sechs Hörspielen aus den Jahren 1960 bis 1985 das ideale Projekt realisiert hat. Letzterer als langjähriger Hüter des Rehmann-Vorlasses, der Ende Januar zum literarischen Nachlass wurde.

Mit Original-Interview


Daher kann Hehl nicht nur die Publikation mit Material aus den Archivbeständen unterstützen, sondern darüber hinaus die Buchvorstellung mit einem unbearbeiteten Original-Interview bereichern. Darin offenbart Rehmann unter anderem ihre pragmatische Sicht auf die "Gruppe 47", der sie zeitweilig angehörte.

Ihren im sehr familiären Zuhörerkreis anwesenden Töchtern Lisa Rehmann-Zauner und Juliane Schonauer entlocken den Hörspielausschnitten und dem Originalton manches Schmunzeln sowie die eine oder andere Erinnerung aus dem Alltag mit einer schriftstellernden, mitunter alleinerziehenden und als Lehrerin berufstätigen Mutter.

Nur mit Disziplin


Ohne Disziplin wäre es wohl nicht zu stemmen gewesen, und so hat Ruth Rehmann ihre Kreativität zwischen 8 und 14 Uhr kanalisiert. Inspirationen und Ideen waren eher nicht Gegenstand der häuslichen Kommunikation, allenfalls technische Fragen erörtert sie mit den Kindern, zu denen noch ein mittlerweile in New York lebender Sohn zählt.

Auch wenn sie einen durchaus exponierten Status hat, als Verfechterin der "Frauenliteratur" sah Rehmann sich dennoch nicht. Das Verhältnis zu diesem Genre war distanziert, das Interesse an schreibenden Frauen wie beispielsweise Lena Christ hingegen groß.
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