Gismo-Graf-Trio im Seidel-Saal
Sensationelle Saitensprünge

Gismo Graf (Gitarre, rechts), Joel "Die Locke" Locher (Bass) und Joschi Graf (Gitarre, links) heizten im Seidel-Saal mächtig ein. Cheyenne Graf (am Mikrofon) steuerte ihre schöne Altstimme bei. Bild: gac
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.11.2016
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Wenn auf dem Bass die Saiten tanzen, die rasende Rhythmusgitarre jedes Schlagzeug überflüssig macht und die Fingerkuppen auf der Solo-Gitarre Rauchzeichen senden - dann ist das Gismo-Graf-Trio in der Stadt. Beim dritten Besuch der Gipsy-Swing-Truppe gab's im Seidel-Saal trotzdem noch ein paar Überraschungen.

Der Trompeter Miles Davis soll Journalisten, die ihn als Jazzmusiker bezeichneten, angeherrscht haben: "Ich spiele keinen Jazz, Mann! Ich mache Musik!" Ähnlich könnte der erst 24-jährige Gismo Graf reagieren, wenn man ihn als Star der Gypsy-Swing-Szene in Deutschland bezeichnet. Denn wenn er mit geradezu unglaublicher Virtuosität die Musik seines großen Vorbilds Django Reinhardt interpretiert, klingt das keineswegs immer nach "Zigeunermusik".

Mächtig Tempo


Die "Danse Norvegienne" zum Beispiel war am Anfang klassisch, fast weihnachtlich staad. Danach zog das Tempo aber mächtig an, und beim furiosen Schluss wurde die E-Saite der Gitarre durch einen raschen Dreh am Wirbel auf C umgestimmt - das gehört nicht zum üblichen Griffrepertoire. Begleitet wurde Graf von seinem Vater Joschi (Rhythmusgitarre), der rasend schnelle Riffs mit schwierigen Barré-Griffen äußerst präzise spielte, und dem großartigen Bassisten Joel Locher. Der bekam immer wieder Gelegenheit zu zeigen, dass der Zupfbass nicht nur als Begleitinstrument taugt, sondern auch solistisch Eindruck macht. Schon beim ersten Stück bekam Locher für eine grandiose Improvisation Zwischenapplaus - und das wiederholte sich noch mehrmals am Abend.

Gismo Grafs Idol ist Django Reinhardt. Bei ihm klangen dessen Klassiker wie "Swing Guitars" oder "Dream of You" dennoch nie wie Cover-Versionen. Manchmal fügte er eigene Improvisationen ein. Eine Eigenkomposition widmete Graf seinem großen Vorbild: "Festival Django". Hier zupfte er nicht nur in berauschender Geschwindigkeit, sondern baute auch Flageolett-Töne ein.

Swing-Klassiker


Auch amerikanische Swing-Klassiker wie "Them There Eyes" und "Joseph-Joseph" kamen in speziellen Graf-Versionen. Eine Überraschung war die zärtliche, zurückhaltende Interpretation des alten Frank-Sinatra-Hits "Fly Me To The Moon". Den Gesangspart übernahm Gismo Grafs jüngere Schwester Cheyenne, die trotz ihrer Jugend mit einer reifen, dunklen Altstimme überzeugte. Nach diesem emotionalen Klassiker folgte als zweite Überraschung ein fetziger Blues-Standard: Jimmy Reeds "Baby What You Want Me To Do" mit Gesang und Rhythmusgitarre von Maximilian Tischler, ansonsten für Licht und Ton verantwortlich.

Danach war die Stimmung am Kochen. Graf wurde beim "Minor Blues" von Django Reinhardt geradezu übermütig und baute in seine Improvisationen ein Thema von Johann Sebastian Bach sowie den "Imperial March" aus dem Film "Krieg der Sterne" ein - der Saal tobte vor Begeisterung. Mit "Made in France", das sie als Funk interpretierten, wollten die Musiker das Konzert beenden.

Die Zuhörer ließen sie aber erst nach fünf (!) Zugaben gehen. Cheyenne Graf sang ein großartiges Liebeslied in Romanes, den Frank-Sinatra-Hit "Live Till I Die" und den Stevie-Wonder-Klassiker "Isn't She Lovely". Diese Stimme würde man auch gerne einmal wieder hören.

WiedersehenBassist Joel Locher kommt schon bald mit dem Andrew-White-Trio wieder nach Sulzbach-Rosenberg. Am 20. Januar um 20 Uhr gastiert die Formation mit dem Programm "A Tribute to Oscar Peterson" im Seidelsaal. (gac)
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