Global Shtetl Band begeistert in der Synagoge
Haus des Gebetes wird zum Haus der Musik

Die Global Sthetl Band verbindet mit ihrer Klezmer-Musik musikalische Traditionen vom Schwarzen Meer bis Kolumbien (von links): Markus Milian Mueller, Daniel Piccon und Bartek Stanczyk. Bild: Helga Kamm
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
04.02.2016
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Das "Haus des Gebetes" wurde einen Abend lang zum Haus der Musik. Dass die Kulturwerkstatt dem Seidel-Saal untreu geworden und mit ihrer letzten Veranstaltung im Januar in die Synagoge gegangen ist, hatte schon einen Grund: Auf dem Programm stand Klezmer-Musik.

Sie nennen sich Global Shtetl Band, und sie machen seit zehn Jahren miteinander jiddische Musik. Ihr Name deutet schon an, wo sie sich zu Hause fühlen: einerseits im "Shtetl" der osteuropäischen Juden, andererseits in jüdischen Gemeinden weltweit. Ihre Musik ist also global, reicht vom Schwarzen Meer bis Kolumbien, verbindet mühelos musikalische Traditionen, ist eine Verschmelzung von Klezmer- und Balkanmusik mit Rumba und Cha Cha Cha, von alten jiddischen Texten mit neuem aktuellen Songwriting.

Ab und zu Luftsprünge


Jüdische Wurzeln hat keiner der Drei. Gitarrist und Sänger Markus Milian Mueller, der Nürnberger Kopf des Trios, beherrscht perfekt die jiddischen Texte, singt im schmeichelnden Sing-Sang dieser Sprache, begleitet auf der Gitarre, moderiert, lacht und ab und zu macht er Luftsprünge. Er schreibt eigene Texte, komponiert und arrangiert.

Bartek Stanczyk kommt aus Lublin, aus dem Osten Polens. Virtuos und einfühlsam spielt er das Akkordeon, manchmal die kleine Melodika. Er bleibt im Hintergrund und ist doch unverzichtbar für den Gesamteindruck der Musik.

Daniel Piccon, der Jüngste, lebt in Neumarkt. Er hat ein großes Schlagwerk mitgebracht, das er perfekt beherrscht. Mit Händen und Füßen schlägt, streicht, klopft, schüttelt und tritt er die einzelnen Teile, erzeugt mit Becken und Trommeln magische Klänge und glänzt mit mitreißenden Solo-Partien.

"Zibn Glezer" Wein


Sie beginnen zwar mit einem Psalm, aber dann folgt weltliche jiddische Musik, und die ist alles andere als gediegen oder trist. Trink- und Liebeslieder, feurige Rhythmen, herzbewegende Texte voller Romantik, karibisches Flair und Geschichten des östlichen Judentums wechseln einander ab, zeigen eine immense Bandbreite des Könnens der drei Musiker. "In droysn shteyta brikele" singt Mueller, will "eine kleine Welle von warmen Gefühlen" bei den Zuhörern erzeugen, fordert auf, "Zibn Glezer" Wein im Leben zu genießen, denn "eines davon könnte das letzte sein", stimmt auch traurige Töne an, bei denen es still wird im Raum.

Die Synagoge hat uns inspiriert.Markus Milian Mueller

Auch die Suite "Tristeza", komponiert und gespielt auf dem kleinen runden Zupfinstrument Zarzula von Daniel Piccon, schwelgt in Molltönen. Dann aber folgt wieder Lebensfreude pur mit Liedern, die problemlos Cartagena mit Odessa verbinden, jiddische und kubanische Kultur vereinen, in denen "La storia del amor" auf Jiddisch zu hören ist.

Stürmischer Beifall


Markus Milian Mueller hat eine wandelbare Stimme, kann gefühlvoll singen oder mit Temperament, seine verbindenden Geschichten erzählen von jüdischem Leben in Osteuropa, er kennt Trink- und Sehnsuchtslieder. Sein Lachen steckt an, animiert das Publikum in der voll besetzten Synagoge zum Klatschen und sogar streckenweise zum Mitsingen. "Die Synagoge hat uns inspiriert", dankt er zusammen mit seinen Bandmitgliedern bescheiden für den stürmischen Beifall.

Zwei Zugaben, ein begeistertes Publikum und ein Abend, der die Synagoge wieder einmal mit Leben, mit jüdischer Tradition erfüllt hat. Ein gelungener Abend!
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