Glück und Glückseligkeit

Fantastische Kostüme und gute schauspielerische Leistungen ließen die Knorr-von-Rosenroth-Festspiel in Sulzbach-Rosenberg zu einem Erfolg werden. Bild: Stephan Huber
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
13.07.2015
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Barocker Glanz hat am Freitagabend wieder in das Schloss von Sulzbach-Rosenberg Einzug gehalten. Zum dritten Mal gedenkt die Stadt ihres großen Sohnes Christian Knorr von Rosenroth, der als Kanzler des Pfalzgrafen Christian August alles daran setzte, nach dreißig Jahren Krieg Religionen und Kulturen miteinander zu versöhnen.

Bevorzugtes Mittel des europaweit geschätzten Universalgelehrten waren die Stücke, die er für die Familie seines Herrn schrieb. Am Freitagabend wurde das dritte Werk des Dichters aufgeführt, das wie das meiste, das Knorr von Rosenroth verfasst hat, wieder eine Allegorie ist, die das Anliegen, die Menschen schon auf Erden glücklich werden zu lassen, in personifizierten Befindlichkeiten durchspielen lässt, dirigiert und interpretiert von dem Dichter selbst, der seine Figuren durch alle Höhen und Tiefen führt bis zur Reinigung und Aussöhnung.

Sulzbach-Rosenberg war nur eine kleine Residenz unter den zahllosen deutschen Fürstentümern, aber gewiss eine der bedeutendsten. Die Stadt verdankt diesen Ruhm vor allem zwei Männern, die in der Zeit des Barock nach einem überstandenen Dreißigjährigen Krieg die Lehre ziehen wollten aus den schrecklichen Ereignissen, die vor allem auch über die Oberpfalz gekommen waren: Pfalzgraf Christian August machte seinen Herrschaftsbereich zu einer Heimstatt für alle Religionen.

Seine multikulturelle Politik wurde unterstützt und mitgetragen von seinem Kanzler Christian Knorr von Rosenroth, der, als er 1636 - also noch währen des Dreißigjährigen Krieges - alles daran setzte, Wissenschaft und Kunst ebenso zu versöhnen wie die Menschen. Das Stück nun, das am Feitagabend in einer prächtigen Inszenierung im Hof der Residenz zur Aufführung kam, irritiert etwas durch seinen Titel: "Die Vermählung Christi mit der Seele oder Glück und Liebe auf Mallorca". Der erste Teil ist das Anliegen des Stückes, das Zweite das Gleichnis, beziehungsweise die Metapher, die vom Dichter aufgezählten Empfindungen und Zustände anschaulich macht.

Suche nach Glück

Schauplatz der Darstellung ist die spanische Insel Mallorca (Majorica), wo sich ein dramatisches Verwirrspiel entfesselt. Thema ist die Suche nach Glück und Glückseligkeit in dieser Welt. Der Mensch bewegt sich inmitten von Leidenschaft und Liebe, wird begleitet von einem Bündel an Emotionen, Empfindungen und Zuständen wie Eifersucht, Zorn, Lust, Hass. Fadil, der für die Tugend steht, ist auf Mallorca verbannt. Er sucht die vollkommene Gemütsruhe, was ihm Adibe, (Personifizierung der Leidenschaft) verwehrt. Sie ist ihm auf die Insel gefolgt, ebenso die von Fadil verlassene Nasima (die Seele), die dieser am den Freund Mamsuh (der Gesalbte) abgetreten hat. Nasima will Fadil töten, das scheitert aber, das vermeintliche Opfer folgt ihr als Geist.

In der Folge kommt es zu einem Mord. Adibe ersticht Dahar (die Welt). Auch Fadil und Mamsuh bekennen sich schuldig, ein Richterspruch muss her. Schließlich löst sich nach allerlei Irrungen und Wirrungen der Konflikt. Der Verbindung der beiden Paare Mamsuh und Nasima (Christus und Seele) und Fadil und Adibe (Tugend und Leidenschaft) steht nichts mehr im Wege.

Lob für die Kinder

Der Dichter dirigiert zwar das Spiel ordnet an und erklärt die Hintergründe. Die häufigen Wechsel von Zuständen und fantastischen Kostümen fordern jedoch vom Zuschauer erhebliche Aufmerksamkeit. Das Stück ist inszeniert als Singspiel. Viola Blache, Karina Schoenbeck und Florian Götz begeistern in verschiedenen Rollen mit ausgesprochen schönen Stimmen. Die musikalische "Capella Rosa rossa" begleitet mit historischen Instrumenten aus der Barockzeit und schafft dabei eine authentische Stimmung und Atmosphäre. Die Darsteller, Profis ebenso wie die vielen Laien, glänzen in ihren wunderbaren Kostümen und durch ein lebendiges Spiel. Das gilt vor allem für Kinder, die in verschiedenen Rollen mit hübschen Tänzen das Geschehen begleiten.

Insgesamt fügen sich in einer sehr harmonischen Inszenierung die Akteure zu einem schönen Ensemble zusammen und sorgen dafür, dass die Zuschauer ein wirkliches Fest der Sinne erleben.
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