Grubenweihnacht weckt Erinnerungen
Zauber im Schaustollen

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
30.11.2016
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Glückauf zum ersten Advent! Lässt sich ein stimmungsvollerer Eintritt in die Zeit der Erwartung vor dem Weihnachtsfest denken, als diese kleine, aber feine Grubenweihnacht am Schaustollen Max?

(lö) Das Licht der Karbid-Grubenlampen, die singenden Bergleute und das flackernde Feuer vereinten sich mit wärmendem Glühwein zu einer Atmosphäre von ganz eigenem Zauber. Im Mittelpunkt des Geschehens eine Heilige, St. Barbara, die mächtige Schutzpatronin aller Bergleute.

Leben eingehaucht


Der Schaustollen Max dringt unterhalb der gleichnamigen Villa (ehemals feudale Wohnstätte von Maxhütte-Generaldirektoren) in den Berg ein. Dem Stiberfähnlein Sulzbach-Rosenberg ist es zu verdanken, dass sich das verzweigte unterirdische Gängesystem - es diente einst als Weinkeller und in den Kriegsjahren auch als Luftschutzbunker - in ein kleines Schaubergwerk verwandelte. Engagierte ehemalige Bergleute und Stiberer sind es nach wie vor, die dem Schaustollen mit Veranstaltungen wie dem Stollenfest oder der Grubenweihnacht Leben einhauchen. Peter Ostermann vom Stiber-Fähnlein und Georg Schaller vom Bergknappenverein organisierten heuer die adventliche Runde am Schaustollen. Dezente Illuminierung setzte die Außengebäude und die kleine Grubenbahn effektvoll ins Licht, als Erzählerin Tanja Weiß, zugleich Vorsitzende des Stiber-Fähnleins, die Feier mit der in Mundart vorgetragenen Legende von der heiligen Barbara eröffnete.

Die Grubenlampen flammten auf, und schon ging es (in zwei Gruppen) in den Schaustollen hinein, wo die Besucher vor Ort nacherleben konnten, wie es früher bei so einer Grubenweihnacht untertage zugegangen ist. Unter den Besuchern waren auch 3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein und der Vorsitzende des Bergknappenvereins, Armin Kraus.

Gemeinsam stimmte man, begleitete von Bergmann Hans Reinhardt auf dem Akkordeon, das Knappen-Lied "Glückauf, Glückauf" an, und Georg Schaller trieb es auch jetzt noch, nach über 40 Jahren, die Tränen in die Augen, als er von der letzten Grubenweihnacht in der Eisenerz-Grube St. Anna berichtete, die er mit seinen Kumpeln um 4 Uhr früh in einem Stollen bei Großenfalz feierte. Vor dem geschmückten Christbaum im Schaustollen hatten sich mit Georg Schaller und Hans Reinhardt auch die Bergmänner Josef Rieder, Heiner Kölbel und Peter Späth aufgestellt, und ehe alle feierlich die "Stille Nacht" anstimmten, ließen die Berichte von Grubenunglücken aus dem Mund von Georg Schaller und Tanja Weiß Schutzengel-Geschichte die Mienen nachdenklich werden.

Für den Hochofen


Glühwein oder heiße Orangenlimo zum Weißbierstollen aus der Bäckerei Fischer bewährten sich dann aber als schnell wirkende Stimmungsaufheller, und so mancher widmete sich vor dem Heimweg interessiert der ausgestellten Grubenlampen und Mineralien. Nicht zu vergessen die Unterschrift auf den Listen "Rettet den Hochofen und die Hochofenplaza", denn in diesem Anliegen waren sich alle einig: Das Andenken an die Epoche der Erzgräber und Hüttenleute muss würdig und eindrucksvoll bewahrt werden. Glückauf!
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