Han's Klaffl in der Krötensee-Aula
Und Lehrer war er doch gern

Eine Kombination aus Schadensbericht und wehmütigem Rückblick auf "40 Jahre professioneller Bespaßung verhaltensorigineller Schüler" war der Abend mit Han's Klaffl. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
17.10.2016
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Wenn ein Kultur-Abend in der Krötensee-Mittelschule stattfindet, dann ist immer Eile angesagt beim Kartenkauf. Die große Aula war denn auch komplett besetzt, als der Kabarettist Han's Klaffl Rückblick auf 40 Jahre Lehrerberuf hielt und sein "Leben nach dem Gong" beschrieb.

40 Jahre lang unterrichtete "Han's" Klaffl als Gymnasiallehrer Musik. Seit der Rechtschreibreform hat er sich den "Deppenapostroph" in seinen Vornamen gesetzt. Jetzt zieht er Bilanz mit berufsbezogenem Kabarett, tourt mit den Erfolgsprogrammen "40 Jahre Ferien" und "Restlaufzeit" durch das Land und gewährt Einblicke in die pädagogische Subkultur. Den letzten Teil seiner Trilogie "Schulaufgabe: Ein schöner Abgang ziert die Übung" spielt, singt und musiziert er auf der Bühne der Schulaula, gestaltet ein überaus amüsantes Nachsitzen für seine Gäste, darunter naturgemäß viele, die den selben Beruf ausüben.

"Es gibt auch ein Leben nach dem Gong", und sein Ruhestand sei "oberaffengeil", verkündet er zu Beginn. Der Rückblick auf seine Verabschiedung mit einem Büfett - "da fressen sich alle durch" - und den Reden der Kollegen ist ein Feuerwerk an Wortspielen und -verdrehungen.

Doch sein Leben vor dem Ruhestand steckt ihm offenbar noch in den Knochen. Vermiefte Lehrerzimmer, ausredegewandte Schüler und überkandidelte Eltern - mit trockenem Humor nimmt er alles auf die Schippe. Mit ironisch-satirischen Liedern begleitet er seine Monologe und Dialoge mit unsichtbaren Schülern am Klavier und Kontrabass. Er ist Kabarettist, Musiker, Sänger und genialer Schauspieler, der mit einem Schulterzucken, gespreizten Fingern oder verdrehten Augen ganze Geschichten erzählen kann.

Die Opas am schlimmsten


Mit den Unterstufenschülern übt er vergeblich die Kleine Terz, bei der Mittelstufe rutscht in der Pubertät "das Hirn manchmal sehr tief runter", und in der Oberstufe machen ihm die angeblich "Hochbegabten" und noch mehr deren Eltern zu schaffen. Der Janick Fischer und sein Vater Hans, ständig am Stänkern und Beschweren, sind solche Problemfälle, und mehr noch die Großväter, "die schlimmsten, die in die Sprechstunde kommen, vor allem, wenn sie ehemalige Lehrer sind". Wie die Wiener möchte er dann sagen: "Geh sterbn, Oider" - aber er denkt sich's halt nur.

Nach 40 Jahren Schuldienst kennt Klaffl die zeitlos aktuellen Ausreden von Schülern, um nicht am Sportfest teilnehmen zu müssen, ebenso wie die Mails überbesorgter Eltern, zeigt den kompletten Kosmos der Lehrer-Schüler-Klischees auf. Und bei allem, was sich daraus an Situationen ergibt, die vom Alltäglichen bis zum Grotesken reichen, bekommen alle, Schüler, Lehrer und Eltern, liebevoll ihr Fett ab.

Hart nimmt der Kabarettist das Kultusministerium samt G 8 aufs Korn, das Chaos darum habe eine ganze Generation verblödet. Dass Seehofer es nun den Schulleitungen überlasse, einen Konsens zwischen Schülern, Eltern, Lehrern und dem Ministerium herbeizuführen, bringt ihn in Rage: "Er kann keinen Konsens mit sich selber herstellen, der länger hält als einen oder zwei Tage."

Marker immer bereit


Aber: "Mich geht das alles ja nichts mehr an". Mit diesen Worten leitet Klaffl über auf sein Ruhestandsleben mit der täglichen To-do-Liste am Computer, mit Besuchen beim Arzt, im Supermarkt, Baumarkt und am Wertstoffhof. Als Lehrer mit lebenslangem pädagogischen Auftrag hat er immer noch den Permanent-Marker bereit, um die Rechtschreibfehler in der Werbung des Filialleiters zu korrigieren oder den Hausarzt von seiner eigenen Diagnose zu überzeugen.

Freunde macht er sich damit nicht, nimmt Hausverbote gelassen hin. Er hat Jahrzehnte des deutschen Schulalltags er- und überlebt, am Ende aber kommt ein wenig Wehmut durch, wenn er "die Bande" vermisst, den Unterricht und die schöne Zeit. "Dass Schüler mir mal fehlen, hätt' ich nie gedacht", singt er, und das zeigt dem still gewordenen Publikum im Saal, wie gern Klaffl trotz allem Lehrer war.

Zur PersonHans Klaffl, geboren Mitte des vorigen Jahrhunderts, ging in Töging, Oberbayern, zur Schule und hatte einen Klassenkameraden, der später als Peter Maffay Karriere machte. Klaffl war ein schwieriger Schüler, bekam 24 Verweise, wollte aber schon in der zweiten Klasse Lehrer werden. Zur Musik kam er durch seine großen Hände, die gebraucht wurden für den Kontrabass der Schulband. (hka)
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