Historisches Feldlager beim Altstadtfest in Sulzbach-Rosenberg
Letzte Rettung Doktor Schnabel

Im Lager der historischen Gruppe Stiber-Fähnlein standen vor prächtiger Stadtmauer-Kulisse die Pest-Plage und 700 Jahre Kaiser Karl IV. im Mittelpunkt. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
28.06.2016
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Die Badestube war an allen Festtagen gut besucht. Bilder: aja (2)

"Die Pest, der schwarze Tod geht um", verkündete Tanja Weiß, Vorsitzende der Historischen Gruppe Stiber-Fähnlein. Im Jahre 1349 kam die Seuche auch in die Oberpfalz und "raffte ganze Familien dahin". Welche Ausmaße diese dramatische Zeit hatte, stellten die Ritter von der Zarg zusammen mit den Stibern szenisch dar.

Von Anja Andraschko

Die Leute waren in Feierlaune: Sie tanzten und sangen ausgelassen mit den Spielleuten von Ammenberg. Nichts trübte ihre Stimmung. Doch plötzlich werden die Menschen krank, sie husten, bekommen dicke Pusteln und werden blasser und blasser. Die Pest, der schwarze Tod, macht auch vor ihnen nicht halt.

Die ersten fallen der Seuche zum Opfer und sterben. Andere versuchen mit Hexenkraut den Tod fern zu halten. Doch nichts hilft. Bis eine große schwarze Gestalt mit langem Schnabel und gläsernen Augen auftaucht: der Pestdoktor. Er entscheidet über Leben und Tod und rettet knapp die Hälfte der Menschen.

Dieser szenische Einstieg sollte dem Publikum vor Augen führen, welch schwierige Regierungszeit Kaiser Karl IV. erlebt hatte. Denn nicht nur das Altstadtfest feierte in diesem Jahr Jubiläum, sondern auch der Kaiser. Deshalb lag der Programmschwerpunkt auf dem "Zeitfenster in die Vergangenheit: 700 Jahre Kaiser Karl IV.".

Karls Leben wurde bei szenischen Geschichten dargestellt. Der Kaiser gehört zu den "bedeutendsten und facettenreichsten Herrschern der böhmischen und deutschen Geschichte." Von der Geburt bis zur Krönung wurde sein Leben aufgezeigt. Er hat sich für die Stadt Sulzbach eingesetzt und ihr sogar zwei Reliquien aus Pilsen gesandt: Einen Knochensplitter des Kopfes von Johannes dem Täufer und ein Fingerglied des Heiligen Burkhard. Doch diese wurden von Pfalzgraf Ottheinrich für ein Fuder Wein verkauft.

Auch eine Gedenkmedaille zum 700. Geburtstag des Kaisers konnte auf dem historischen Altstadtfest erworben werden. Mit einer alten Spindelpresse aus Kastl und einem Stempel, der in mühevoller Arbeit von Daniel Rupp und der Firma Kalkbrenner gefertigt wurde, konnten die Medaillen unter der Aufsicht von Gernot Bock geprägt werden. Schon am ersten Festtag war die auf 150 Stück limitierte Silbermedaille samt Zertifikat ausverkauft. Abgebildet sind darauf das Siegel des Kaisers sowie das alte Stadtsiegel.

Steinbier als Gegenpol


Den Gegenpol zum Reinheitsgebot stellte Stefan "Brauvaricum" Kalkbrenner vor: ein Steinbier. Dieses wird mit einer althergebrachten Technik im Holzkessel gebraut und mit heißen Steinen erhitzt. Durch diesen Vorgang erhält das dunkle Rauchbier seine süße Karamellnote. Es wird nicht mit Malz, sondern mit ungemälztem Getreide und Hopfen gebraut. Für das besondere Geschmackserlebnis sorgen Koriander, Bitterorangenschalen und Guinea-Pfeffer. Neben dem bunten Markt- und Handwerkstreiben konnten sich die Kinder an verschiedenen Märchen erfreuen. Das Feuermärchen beispielsweise war eine Sage aus dem Sulzbacher Raum: "Zigeuner verdienten ihr Brot mit dem Verbrennen von Spinnweben. Das machte einen Bauer aus Königstein neidisch. Er meinte, das könne er auch und fackelte bei dem Versuch seinen Hof ab", erzählte Tanja Weiß.

Während des starken Regens am Samstagabend mussten die Zelte der historischen Vereine evakuiert werden, und es sah zunächst danach aus als würde das Feuerspectaculum ins Wasser fallen. Doch die Feuerleute trotzen dem Wetter und zogen ihre Show verspätet durch. "Es war schon etwas gefährlich, und eigentlich sollte die dritte Ebene wegen Rutschgefahr nicht benutzt werden, doch den Vilseckern war das egal", bilanzierte Daniel Butz von der Feuergruppe Ardere Lilium.

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Weitere Informationen im Internet:

www.onetz.de/1678581
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