Idee zum Altstadtfest entstand vor 40 Jahren
40 Jahre Kult und Tradition

Weit ins Land hinaus strahlt das Altstadtfest, und die Sulzbach-Rosenberger freuen sich jedes Jahr mächtig auf die drei tollen Tage rund um den Luitpoldplatz. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.05.2016
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Bürgermeister Hans Göth zapfte von 1976 bis zum Ende seiner Amtszeit jedes Jahr das erste Fassl an. Archivbild: Etzold

Es ist, nach dem Annabergfest, der Sulzbach-Rosenberger liebstes Kind: Das Altstadtfest feiert heuer 40. Geburtstag - obwohl sein Ursprung eigentlich in einem falschen Anlass lag. Denn die 950-Jahr-Feier der Stadt im 1976 hätte eigentlich schon eine 1200-Jahr-Feier sein können.

Die Offiziellen hatten das Jahr 1026 zum Stadtgründungsjahr erklärt, also feierte man 1926 schon pflichtgemäß "900 Jahre Sulzbach-Rosenberg". 50 Jahre später liefen die folkloristischen Festtage am Wochenende 25./26./27. Juni (schon damals drei Tage!), die kulturelle Festwoche folgte vom 9. bis 16. Oktober. Jahrzehnte später ergaben Ausgrabungen, dass die Stadt viel älter ist und schon im 8. Jahrhundert existierte - aber da war es schon zu spät... .

Zuerst skeptisch


Siegfried Binder, damals Leiter des städtischen Verkehrs- und Kulturamtes, bekam nach dem entsprechenden Stadtratsbeschluss den Auftrag, das Fest zu organisieren - es sollten für ihn rund 25 Jahre daraus werden. Im Gespräch mit der SRZ erinnert sich der "Ziwi" an diese Tage: "Wir haben uns damals gedacht, was anderswo geht, müsste doch auch bei uns laufen". Doch zuerst zeigten sich vor allem die Gastronomen etwas skeptisch über diese Idee, sie mussten erst überzeugt werden, mitzumachen. "Später waren sie dann aber recht angetan."

Siegfried Binder sprach Vereine, Verbände und Organisationen an, suchte Musikkapellen jeder Richtung, organisierte Bühnen, Auftritte, Abläufe und das ganze Drumherum. Und das Wetter machte mit, die Feier wurde zum Erfolg. Tausende strömten bei herrlichem Hochsommer durch die Rosenberger Straße und den Luitpoldplatz. Bürgermeister Hans Göth sowie der damalige Hahnbacher Bürgermeister und spätere Landtagsabgeordnete Herbert Falk führten den Festzug vom Stadtturm aus an, es erklangen zum ersten Mal die jedes Jahr heiß ersehnten Worte: "Das Altstadtfest ist eröffnet!"

Tolle Idee entstand


Quasi schon beim Bierbank-Wegräumen gedieh dann am Sonntag überall die Idee: "Das machen wir jetzt jedes Jahr!" Und so startet 1977 das erste offizielle "Altstadtfest", das heuer zum 40. Mal über die Bühne geht. Es entstand ein Festkonzept, dessen Grundzüge bis heute unverändert blieben: Vereine und Organisationen, Schulen und Verbände, Gastronomen und Geschäftswelt beteiligen sich nach wie vor am Festverlauf, die Stadt organisiert alles, und das Wetter spielt (meistens) mit.

Gemeinschaftsgefühl


Das Gemeinschaftsgefühl wuchs enorm. Schließlich hatte Sulzbach-Rosenberg in den 70er Jahren durch die Landkreis-Reform einen massiven Zentralitätsverlust erlitten. Und so entstand ein städtisches Feierkonzept, das eine gelungene Mischung aus Musik und Spiel, Kunst und Schlemmen, Gemütlichkeit und Rambazamba darstellt. Natürlich drei Tage lang, wie es sich gehört, und zwar in einer zusammenhängenden Festmeile.

2001 ging Siegfried Binder in Pension, seitdem organisiert Fred Tischler das Ereignis. Schon vorher hatte er sich einige Jahre um das Musikprogramm gekümmert. Die Gastronomen machten sich für eine Modernisierung des Musikprogramms stark. "Es hat sich viel verändert, aber das Grundkonzept nicht", resümiert er nach 15 Jahren.

Gute Erfahrungen


Auch Tischler blickt auf gute Erfahrungen zurück. "Es gab nie ernsthafte Schwierigkeiten, das Mitmachen liegt den Sulzbach-Rosenbergern im Blut." So ist zum Beispiel die Faschingsgesellschaft Knappnesia von Anfang an dabei wie einige andere Vereine auch, besonders Trachtler.

Als besondere Entwicklungen pickt Tischler die Kindermeile in der Frühlingstraße heraus, aber auch den Kinderflohmarkt am Samstag- und Sonntagvormittag. Der habe sich quasi von selbst so ergeben. Und das ist auch gut so: Das Altstadtfest entwickelt sich gemeinsam mit seinen Besuchern und Betreibern weiter, neue Ideen fließen ein, anderes verschwindet, aber eines ist gewiss: Kein Sulzbach-Rosenberger möchte dieses Fest je wieder missen!

Wir haben uns damals gedacht, was anderswo geht, müsste doch auch bei uns laufen.Siegfried Binder


Mächtig viel ArbeitEs ist schon eine Mordsarbeit, die ganzen Details vorzubereiten. Ein Vierteljahr darf man da schon einkalkulieren. Verträge, Bestellungen, Standbetreiber, Gastronomen, Technik, Logistik, Versorgung, Toiletten, Brandschutz, Vorsorge, Bühnen - alleine letztere sind inzwischen auf sieben angewachsen: Sperber, Ottmann, Rathaus, Luitpoldplatz, Fuchsbeck, Schloss und ab heuer auch im Zwinger neben dem Stadtturm. "Dort treten heuer Line-Dancer auf, Freitag und Samstag spielt Musik", kündigt der Organisator an. Der Aufwand ist ein enormer: "Es sind immerhin 30 Bands an drei Tagen zu verpflichten", erinnert Kulturamts-Leiter Fred Tischler. An Gesamtkosten schätzt er den Aufwand auf rund 50 000 Euro, alleine die Gema will 3000. Zwar kommt ein Teil durch Gebühren wieder rein, aber den Löwenanteil trägt trotzdem die Stadt. Sonst ginge das alles gar nicht. (ge)
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