Josef Epp teilt sein Credo zum Glück
Die Wurzeln, die uns halten

"Misstrauen Sie allen, die behaupten, sie hätten ein Rezept für Glück und Gesundheit", warnte Referent Josef Epp seine Zuhörerinnen. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
18.01.2015
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Das wünscht sich jeder Mensch: ein Rezept für Glück und Gesundheit. Gibt es nicht, sagt Josef Epp und warnt vor Ratschlaggebern und Besserwissern. Sein Credo heißt: Impulse geben und Sichtweisen schärfen für das Ziel, nicht unglücklich zu enden.

Stets zu Beginn des neuen Jahres treffen sich die Landfrauen, eingeladen vom Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes, zum Landfrauenfrühstück. Und immer gibt es dabei nicht nur ein opulentes Büfett, sondern auch einen interessanten Vortrag. Im Saal des Gasthofs Heldrich in Forsthof freute sich Kreisbäuerin Britte Trummer dazu über 155 Frauen und als Referent Josef Epp, Lehrer, Klinikseelsorger, gefragter Redner und Autor.

Eigenen Weg erfahren

Sagen, "wie's Leben geht", das will der bodenständige Allgäuer den Frauen. Er selber hat Schicksalsschläge hinnehmen und überwinden müssen, spricht also aus Erfahrung. "Bei Lebenskrisen gibt es kein richtig oder falsch", meint er, "sondern Jeder muss seinen Weg erfahren." Aus seinem Bereich Schule weiß er: Alle wollen glücklich sein, Eltern wie Kinder. Überzogene Erwartungen, instabile Beziehungen und Probleme der Pubertät aber führten zu Enttäuschung, Missverständnis und Unsicherheit auf beiden Seiten. Seine Tätigkeit in der Klinikseelsorge führt ihm vor Augen, wie Krankheit von einem Tag zum anderen das Leben verändern kann. "Bei alten Menschen kommt eins zum anderen, sie realisieren: Ich biege ein in die Zielgerade".

Heilung durch Selbstbestimmung

Fazit: Lebenskrise, die Angst, Wie wird es weitergehen? Nichts hält Epp von der "Kraft des positiven Denkens". Krisen und Erschütterungen könne man nicht vermeiden, es gehe darum, auch mit Tiefschlägen weiter zu leben und damit fertig zu werden. Anhand von Symbolen zeigt er Hilfen für den Weg zu Glück und Gesundheit auf. Der Spiegel helfe dem Menschen, die eigenen Möglichkeiten und Begabungen zu erkennen, aber auch seine Defizite und Schwächen. Sich etwas Gutes tun, sich nicht rechtfertigen zu müssen, sich wohlwollend, wertschätzend zu betrachten - das, so Epp, seien Wege zur Heilung durch Selbstbestimmung.

Zum Nachdenken

"Jeder weiß, wie viel Uhr es ist, wie spät es ist, weiß keiner." Mit diesem eindringlichen Zitat und einer rieselnden Sanduhr zeigte der Referent seinen Zuhörerinnen die Kostbarkeit jedes einzelnen Augenblicks auf. Er rief zu einem achtsamen und bewussten Umgang mit der Zeit auf und regte zum Nachdenken an: "Wie viel Zeit lassen wir uns nehmen und wie viel Zeit nehmen wir uns?" Das Symbol Brief steht im Vortrag Josef Epps für bewusste Kommunikation, für ein Reden miteinander im Zeitalter von SMS, Email und What's App, für Beziehungen pflegen, Austausch von Meinungen und Gefühlen. Auch "die Leichtigkeit des Seins" zählte er zu den wichtigen Dingen. Er ließ Seifenblasen schweben und plädierte für das Spielerische, Überflüssige, das das Leben schön macht: "Wer die Gegenwart nicht genießt hat in Zukunft keine schöne Vergangenheit".

Viele Möglichkeiten

Der Referent provoziert mit Sätzen wie "Hauptsache gesund, stimmt nicht". Er kenne viele Gesunde, die unglücklich seien, erklärte er. Gesundheit und Glück seien vergänglich, Loslassen und Abschied gehörten zum Leben. Was für Epp zählt - und er zeigte als letztes seiner Symbole die Wurzel einer Fichte - sind "die Wurzeln, die uns halten, wenn die Stürme des Lebens kommen", ist das Nachdenken über die Sinnhaftigkeit, das wirklich Wichtige im Leben. "Glück und Gesundheit - gibt es dafür ein Rezept?" - so hieß das Thema des Vortrags. Am Ende, so formulierte es auch Brigitte Trummer in ihren Dankesworten, gab es zwar immer noch kein Rezept zum Glücklichsein, aber viele Möglichkeiten auf dem Weg dahin.
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