Juste Gelgotaite begeistert in der Christuskirche
„Der Zauber der Oboe“

Garanten für ein starkes Konzert-Erlebnis waren (von links) Oboistin Juste Gelgotaite, Kantor Gerd Hennecke und Sopranistin Stephanie Spörl. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
09.06.2016
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"Die Kunst der Oboe" war das Konzert in der Christuskirche mit der Oboistin Juste Gelgotaite betitelt. Noch besser hätte "Der Zauber der Oboe" gepasst, denn die litauische Musikerin zog mit ihrem berückend schönen Spiel alle Zuhörer in ihren Bann.

Oboe, Gesang und Orgel, das ist eine Kombination, die man selten erleben darf und die hier in Vollendung dargeboten wurde. Dekanatskantor Gerd Hennecke begleitete die Oboistin an der großen Schmid-Weigle-Orgel, und die Sopranistin Stephanie Spörl (Forchheim) ergänzte die beiden bei einigen Werken.

Ohne Anstrengung


Schon beim ersten Stück, Alessandro Marcellos "Concerto d-moll", verzauberte Juste Gelgotaite die Zuhörer mit ihrem vollendet schönen Ton und seelenvoller Gefühlstiefe. Orgel und Oboe umschmeichelten einander, lockten und neckten sich. Die Oboistin, obwohl sehr zierlich, spielte scheinbar ohne Anstrengung. Sie hatte einen unendlich langen Atem und Kraft auch für die anspruchsvollsten Passagen.

Reizvoll war Georg Philipp Telemanns Kantate "Erhalte mich, o Herr, in deinem Werke". Hier kam Spörls warm timbrierte Stimme schön zur Geltung. Johann Sebastian Bachs "Präludium und Fuga e-moll" war sehr beeindruckend. Hennecke baute hier gewaltige Klanggebirge auf.

Die streitbare Fuge mit ihrer ausgeprägten Chromatik und einer Tendenz zur Atonalität wirkte sehr modern, erschütterte das Publikum. Als versöhnliches Zwischenspiel hatte der Organist Bachs "Andante h-moll" eingefügt, das er mit Gelgotaite zusammen darbot. Ein besonderer Höhepunkt war die Choralpartita "Ein feste Burg ist unser Gott" von Charles Callahan, einem zeitgenössischen amerikanischen Komponisten. Callahan setzt sich hier intensiv mit dem Luther-Choral auseinander. Das kraftvolle Lied hat schon seit der Reformationszeit auch andere Komponisten zu Bearbeitungen angeregt. Callahan wechselt seine Deutung, für Orgel gesetzt, mit den Sätzen seiner frühen Vorgänger ab, die Oboe und Gesang miteinbeziehen. Gelgotaite und Spörl agierten gleichsam als Stichwortgeber für Hennecke, der die enormen Möglichkeiten seines Instruments ausschöpfte und alle Register seines Könnens zog. Schließlich setzte er sogar den Zimbelstern ein. Luthers Choral erklang so in ganz unterschiedlichen Interpretationen, mal kämpferisch, dann ergeben, dankbar oder unsicher, tröstend oder zweifelnd. So wurde deutlich, dass die Botschaft der Reformation die Menschen auch heute noch berührt, dass sie immer noch gilt.

Mit der Aria "Laudamus te" schlossen Gelgotaite, Spörl und Hennecke das Konzert ab. Die tief beglückten Zuhörer dankten den Künstlern mit langanhaltendem Applaus.
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