Kabarett im Kapitol
Zum Sterben schön

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
17.03.2016
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Der Abend war tatsächlich zum Sterben schön. Mit diesem Titel hatte die Katholische Erwachsenenbildung und das Evangelische Bildungswerk ins Capitol eingeladen. Den Vohenstraußern Isolde Baldauf, Karin Thaller, Monika und Bernhard Helmstreit gelang ein Parforce-Ritter auf schmalem Grad.

"Das Publikum ins Jenseits begleiten" war das Ziel des Quartetts zwischen Ernsthaftigkeit und skurrilem Humor. Die Moritat von der "koltn Leich", die das Bier nicht verdunsten lässt, auch wenn sie "den Löffel abgeben muss" eröffnete den schaurig-schönen gut besuchten Kabarettabend.

Der schwierige Part einer Fernsehleiche, bei der - da es ja keine Sprechrolle ist - nicht viel verdient ist, ließ Monika Helmstreit von einer Karriere als Kommissarin oder Pathologin träumen.

Unfallgeräusche


Karin Thaller fragte sich indes, wie sie "die Zeit bis zur Beerdigung bloß rumbringt". Unfallgeräusche leiteten über zum "Du bist bei mir", der die Seelen vereint und "Oh Lord, i seh a Licht" besang eine beinahe erfolgreiche Reanimation. Auch der schwierige Alltag auf Pflege- und Hospizstationen wurde thematisiert. Isolde Baldauf überzeugte mit der "künstlichen Hand". Auch manche gut gemeinte Lüge wurden ernsthaft angesprochen und für Ehrlichkeit und Zeitgeschenke geworben. Auch das Problem der Sedierung wurde eindringlich thematisiert. Sogar die Handpuppe Annette wollte schließlich sterben, da sich die Pflegerinnen im Seniorenstift "tot arbeiten". Recht humorvoll trauerte Angelique um ihren 80-jährigen Liebhaber, der leider vor der Hochzeit "zu früh, wie immer" schlechtes Timing beim Sterben bewies. Bei "Nie wieder Pilze" und über die passende schwarze Essensrestedose bei Beerdigungen schüttelten sich die Besucher vor Lachen.

Abstrus und makaber


Makaber dann wieder das Begrabenwerden einer Lebendigen bei "Lehm auf mich", die ein "Come on, baby, light my fire" vorgezogen hätte. Abstrus war auch der depressive Selbstmörder, der es aus lauter Rücksicht auf andere nie schafft, sich umzubringen.

Das Lachen blieb den Besuchern gänzlich im Hals stecken: bei den "Kollateralschäden" im afghanischen Dronenkrieg der Amerikaner. Im "Mit den Händen am Joystick, muss die Feigheit wohl grenzenlos sein" wurde achselzuckend eine Hochzeitgesellschaft statt einer Gruppe Taliban ermordet. Es blieb nachdenklich bei "Sag mir, wo die Blumen sind?" und "Frau Müller büxt aus".

Standing Ovations


Für ein "dreckiges Leben", in dem man sein Erbe selber durchbringt und der Motivation "Das Leben ist kurz, also lach und tanz, weil du dich doch, wenn du tot bist, noch ausruhen kannst" und einem "Freu dich des Lebens" verabschiedeten sich die Kabarettisten von einem stehend applaudierenden Publikum.
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