Kabarett im Seidel-Saal
Söder-Double wird geliebt

Ob mit oder ohne Gitarre - der Kabarettist und Schauspieler Stephan Zinner erzählte Erlebtes und Gesehenes in packenden Kurzgeschichten, Sketchen und Songs auf der Bühne des Seidel-Saales. Bild. hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
14.12.2015
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Den "Nockherberg-Söder" hat er nicht gemacht, sondern hat von sich selber erzählt und dem, was er bei seinen Mitmenschen sieht und erlebt. Mit seinen Geschichten und Liedern berichtete Stephan Zinner im Seidel-Saal von "Wilden Zeiten", bewies sein Talent als Schauspieler und bot dem zahlreichen Publikum einen äußerst vergnüglichen Abend.

"Vül is net glogn" sagt der Solo-Kabarettist über sein Programm, in dem er über den Alltag und das Leben überhaupt plaudert. Auch über sein eigenes: die Ehefrau aus Dresden - "kann ich nur empfehlen", die drei Kinder, der Camping-Urlaub in Italien, der Pflichtbesuch bei der Esotherikerin, all das kennt auch das Publikum im Saal, kann mitreden, mitleiden, mitlachen. Das vor allem. Denn Stephan Zinner schildert seine Erlebnisse mit Witz und Humor, schlüpft in die Rollen seiner Protagonisten und begleitet sich auch immer wieder auf der Gitarre.

Bergsteiger in Sandalen


Und was gibt es nicht alles in der heutigen "wilden Zeit", das dem gebürtigen Trostberger und Wahlmünchner auffällt, ja sauer aufstößt! Das fängt mit dem Einkaufszettel an, der ihm mitgegeben wird, betrifft das Duell mit dem angegrauten Porsche-Cayenne-Fahrer und seiner russischen Model-Begleiterin und gipfelt bei den Sonntags-Bergsteigern in Plastiksandalen. Er und gleichgesinnte Freunde, so schildert Zinner seine Art von Bergtour, "hocken dagegen gemütlich vor der Hütten, schauen hinauf und sagen: Da war a, da Gipfel.

Herrlich sind die Ausdrücke, mit denen er Zeitgenossen bezeichnet: den Lodenfrey-Nazi, den "unvermeidlichen Schuhbeck", "Smombie", den Smartphone-Zombie und als bayerische Form der Zen-Meditation: "Hinsetzen, a halbe Bier und Goschn haltn".

Bayern-Blues


Er empört sich über den "Nasenbohralarm" bei Amazon, lästert über "putzerfischtechnisch aufgespritzte Lippen" und kann die Esotherik-Freundin seiner Frau nicht ausstehen, in deren Wasserkrug mit Steinen es "grundelt". Dann singt er zur Gitarre: "Manche Sachan sollt ma einfach lassn"; meint in "Nachgebn könna", man solle nicht immer auf seinem Recht bestehen, bringt einen "Worksong" a cappella, einen Bayern-Blues und macht den Hobby-Revolutionär mit der geballten Faust.

Echter Allrounder


Man kennt den 41-jährigen Allroundman als ehemaliges Ensemblemitglied der Kammerspiele und aus diversen Kino- und TV-Filmen, unter anderem aus "Tatort" und der aktuellen BR-Serie "Schleudergang" - und natürlich seit 2006 als Double von Markus Söder beim Bieranstich am Nockherberg. Er macht Lesungen mit Marcus H. Rosenmüller, Kabarett mit Hannes Ringlstetter und ist mit "Wilde Zeiten", seinem dritten Bühnenprogramm solo auf Tour, an rund siebzig Abenden in diesem Jahr.

Im Seidel-Saal liebt ihn das Publikum von Anfang an. Für den stürmischen Applaus nach mehreren Zugaben bedankt er sich mit "Mir hat's a g'falln", sympathisch und nett, einer, der sich selber so beschreibt: Gewicht schwankend, Haarfarbe keine, Hobbys Essen, Trinken, Fußball schauen.

BuchDafür macht er keine Werbung, aber Stephan Zinner kann noch mehr: Sein Büchlein mit einer Sammlung von schrägen Geschichten und ernsten Texten wurde in diesem Jahr herausgegeben. "Flugmango" macht kleine Leute zu Helden des Alltags.
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