Kaiser Karl IV. und seine Beziehungen zu Sulzbach
Im Glanz des Herrschers

Karl IV. auf dem Votivbild des Prager Erzbischofs Johann Ocko von Wlaschim, um 1370 - gemalt von einem unbekannten Künstler. Zu sehen ist das Kunstwerk in der Nationalgalerie in Prag im Agnes-Kloster. Bild: hfz
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
19.05.2016
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Die ganze Goldene Straße ist quasi in Aufruhr.Der 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. wird mit vielen Aktionen, Märkten, Ausstellungen und Messen gefeiert. Auch in Sulzbach hat der Mittelalter-Herrscher seine Spuren hinterlassen.

Größte Bedeutung der unzähligen Veranstaltungen hat sicherlich die Bayerisch-Tschechische Landesausstellung in Prag und Nürnberg. Die SRZ wollte nun von Stadtarchivar Johannes Hartmann wissen, welche Bedeutung Karl IV. für die Herzogstadt hat und ob es auch Schattenseiten gibt?

SRZ: Kaiserlicher Glanz fällt mit dem Jubiläumsjahr auch auf unsere Stadt. Mit Recht?

Johannes Hartmann: Zählt man die belegbaren Aufenthalte Karls IV. hier zusammen, kommt man ungefähr auf ein halbes Jahr. Dass er Sulzbach wählte, hängt sicher damit zusammen, dass es sich um einen bedeutsamen Zentralort und eine der größten Städte handelt, die dazu noch auf der Route von Prag nach Nürnberg - also auf der Goldenen Straße - lag. Die Passage musste mit Burgen, Schlössern und Versorgungsstellen sehr gut gesichert sein.

In welcher Form profitierte Sulzbach vom abendländischen Herrscher?

Karl IV. schuf mit verschiedenen Anordnungen, die als Urkunden im Stadtarchiv liegen, sozusagen die administrativen Grundlagen für den Wohlstand von Stadt und Region. Damit sind in erster Linie die Privilegien 1349 und 1354 für den Erzbergbau und für die Kaufleute die Ausdehnung des zollfreien Handels auf alle Reichsstädte gemeint. Außerdem gab es noch etliche Schlichtungen oder richterliche Erlasse.

Diese Erlasse könnten doch bis in die Gegenwart wirken?

Erzbergbau und Handel haben sicher Wohlstand gebracht. Das imposante gotische Rathaus, die Marienkirche oder die Erweiterungen der Stadt um das Bühlviertel, die Neustadt oder das Bachviertel sind sicher Beispiele direkt aus der Zeit des Kaisers.

Am ehemaligen Gasthof Zur Krone am Luitpoldplatz - dem heutigen Centro - sind der böhmische Löwe und zwei Reichsadler zu sehen. Ein Hinweis auf den hohen Gast?

Die Forscher gehen davon aus, dass Karl IV. dort bei einigen Aufenthalten übernachtete, da die Schlossanlage durch einen Brand beschädigt war. Nach Instandsetzung - es gab dort später eine Kaiser-Stube - wird er sicher wieder in die herrschaftlichen Gebäude umgezogen sein.

Wie lange hielt der am 5. April 1355 zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönte Herrscher seine Hand über Sulzbach?

Von 1353 bis 1373, also 20 Jahre. Danach tauschte er seine Gebiete im "Land zu Baiern" mit den Wittelsbachern gegen die Mark Brandenburg.

Licht und Schatten bei Karl IV.?

Bekannt ist er vor allem durch den Erlass der Goldenen Bulle, die unter anderem das Wahlverfahren des Königs regelte. Andererseits zeigt seine Duldung von Judenpogromen sehr negative Charaktereigenschaften.
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