Klang- und Stimmenkonzert im Literaturarchiv in Sulzbach-Rosenberg
Wespe trifft den richtigen Nerv

Zwölf Jahre arbeitete Marcel Beyer an seinem neuen Buch "Graphit". Foto: Bernd Müller
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
20.02.2015
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Es geschieht nicht so oft, dass das Gedicht im Mittelpunkt einer Veranstaltung steht. Doch am Aschermittwoch erlebte diese in vielen Facetten funkelnde literarische Kunstform eine besondere Würdigung. Marcel Beyer und acht Teilnehmer des Schreib-Seminars "Lyrik" gestalteten mit ihren Arbeiten im Literaturarchiv in Sulzbach-Rosenberg ein "Klang- und Stimmenkonzert", das in seiner thematischen Vielfalt, der wuchtigen Sprachdichte und der raffinierten Rhythmik begeisterte.

Der besondere Charme der Räumlichkeiten mit den knarrenden Holzdielen und dem leicht verstaubten Mobiliar bietet den perfekten Rahmen für die moderne Präsentation von Gedichten, wie sie Marcel Beyer in seinem Buch "Graphit" vorlegt, an dem er zwölf Jahre gearbeitet hat. Gegenwart und Geschichte gleichermaßen im Blick, deckt er Zusammenhänge wie Brüche auf, baut Bilder und poliert klarstrukturierte Oberflächen. Seine Sprache ist eckig-geschmeidig, der Vortrag markant. Er nimmt sofort für sich ein, optisch wie akustisch. "Ich muss hinunter in die Dialekte steigen" liest er, und das Auditorium folgt ihm willig, fischt mit ihm nach sonderbaren Worten und freut sich über Plutemann-Fundstücke wie "Plörren, Plünen, Prötel. . .".

Außerdem erfindet der mit vielen hochkarätigen Preisen ausgezeichnete Dichter noch einen "Sprachhund" mit Appetit auf unbekannte Sprachen. Richtig misstrauisch macht sein Gedicht "Wespe komm in meinen Mund". Was anfangs eher unwirklich klingt, stachelt dann aber zum Weiterhören an und bohrt sich giftig in die eigenen Hirnwindungen, ganz nach Beyers fortführenden Worten: "Innen muss die Sprache sein". Und mit Sprache wissen auch die Teilnehmer des Lyrik-Seminars Matthias Dietrich, Roland Scheerer, Lena Mareen Bruns, Barbara Schibli, Nora Zapf, Jennifer de Nigri Simone Schabert und Mara-Daria Cojocaru bestens umzugehen.

In dieser Reihenfolge wechselten sie aufs Podium und lasen aus ihren Werken. Vorgestellt wurden sie von den beiden Experten und Seminarleitern Karin Fellner und Nico Bleutge. Einmal hoben sie die "raffinierte Technik" oder die Alltagsnähe der Gedichte heraus. Ein anderes Mal verwiesen sie auf die überraschenden Szenerien und die musikalische Kraft der Worte. Die Lyrik-Leckerbissen hätten ein vertiefendes Nach- oder Mitlesen verdient, um an den vielen Facetten der Gedanken noch intensiver teilhaben zu können.
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