Klarinettentrio Schmuck begeistert Publikum in Sulzbach-Rosenberg mit großem Repertoire
"Kleiner Harlekin" der Größte

Das Programm des Klarinettentrios Schmuck reicht von Klassik über Jazz bis zur Moderne. Bild: Bernd Müller
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
16.10.2015
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Es ist eine Zugabe, die am Mittwoch für die größte Begeisterung beim "Einstandskonzert" der VHS-Kammermusikreihe Sulzbach-Rosenberg in der Staatlichen Berufsschule sorgt. Sayaka Schmuck, die "Prima inter pares" des Klarinettentrio Schmuck, präsentiert den "kleinen Harlekin" von Karlheinz Stockhausen.

Beim Namen "Stockhausen" erschrecken klassikverwöhnte Besucher zunächst. Wie aber Sayaka Schmuck diesen "Harlekin" auf die Bühne zaubert, ist einfach großartig. Im Harlekin-Kostüm und in pantomimischer Akrobatik, bei dem die quirligen, auch melancholischen Gemütsregungen des kleinen Clowns von der Klarinette parallel mit entsprechenden Tonfolgen charakterisiert werden, bietet sie "Musiktheater" in kleiner, aber faszinierender Form. Hier mischen sich Bravo-Rufe mit euphorischen Beifall. Die Besetzung muss wegen Erkrankung kurzfristig geändert werden. Für Yumi Schmuck springt der erst 27-jährige Sebastian Pigorsch ein, der derzeit an der Musikhochschule Hannover Klarinette studiert und mehrfacher Bundessieger bei "Jugend musiziert" war.

Heikle Passagen

Erstaunlich, wie homogen er sich in das Ensemble einfügt. Sayaka Schmuck und Sebastian Pigorsch (beide Klarinette) und Rumi Sota Klemm (Bassetthorn und Bassklarinette) bilden eine musikalische und gestalterische Einheit, die allen Präsentationen Glanz und variable Ausdrucksmöglichkeiten verleiht. Mozarts "Zauberflöte" mit ausgewählten Szenen in Bearbeitung für zwei Klarinetten und Bassetthorn steht auf dem Programm. Die Fülle des "Ouvertüren-Beginns" ist in dieser Besetzung nicht zu erwarten, aber die heiklen Passagen der Ouvertüre werden in erstaunlicher Nähe zum Original in virtuoser Brillanz und rhythmischer Souveränität hörbar. Bei der "Bildnis-Arie" kann ein noch so gutes Klarinettentrio die gesunde Sentimentalität einer (guten) Tenorstimme nicht erreichen, doch die "Rache-Arie" der Königin der Nacht ist absolut überzeugend. Dvoraks "Slawische Tänze", ursprünglich für Klavier komponiert, bieten Raum für variable Instrumentierungen. Hier versprüht das "Trio" Glanz und Feuer.

Besonders bei Nummer zwei mit seiner zunächst melancholischen Grundstimmung kommt die Geschmeidigkeit, die sensible Tongebung mit schier unendlichem Atem zu einfach schöner Geltung. Noch einmal Mozart: Aus "Figaro" und dem "Don Giovanni" die instrumentale Adaption zweier Arien, die richtig schön "singend" dargeboten werden. Der zweite Teil führt - nach dem bejubelten Stockhausen - über Debussy in die Regionen des Jazz.

Überzeugend interpretiert

Hier laufen die Künstler zu einer begeisternden Form auf, man hat den Eindruck, dass dies ihre "Kür" ist. Von Piazzolla aus "Histoire du Tango" den "Tango nuevo" "Nightclub 1960", ein interessantes, meldodiebezogenes Stück mit verblüffenden rhythmischen und harmonischen Wechseln - da ist das Trio in seinem Element, da kommt Beifall auf. Ein ausdrucksvoller "Little negro" von Debussy wird klasse präsentiert.

Nach "Take Five" von Paul Desmond, wo sie den fünfer Rhythmus so richtig ausleben können, folgt "After Yu've Gone" von Benny Godmann, das gleichfalls in seinem betonten Rhythmus und der eigenwilligen Melodieführung eine überzeugende Interpretation erfährt. Den Schlusspunkt setzt Irving Berlin's "Alexander's Ragtime Band". Wer erinnert sich noch an die "verballhornte" deutsche Version "Wir hätten gern 6 Cognac mit 3 Stern"? Genau das erklingt mit erkennbarer Freude und Leidenschaft am Spiel und einer spieltechnischen und gestalterischen Perfektion, die unmittelbar auf das Publikum überspringt und großen Beifall erwirkt.

Zwei Zugaben werden erklatscht. Zunächst ein tolles Klezmer-Stück und als Schluss eine in bewegender Ruhe gespielte Arie von Bach. Nach diesem Einstieg kann man sich auf das nächste Konzert der Reihe mit dem Bamberger Streichquartett am Sonntag, 25. November, freuen.
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