Knapp 37000 Besucher seit der Eröffnung in der Historischen Seidel-Druckerei
Sicher in die Zukunft führen

Alois Auer, Peter Geiger, Gabriele Wagemann, Dr. Markus Lommer und Bürgermeister Michael Göth (von links) freuen sich über die gute Annahme und Auslastung des Seidel-Saals. Bild: Royer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
12.07.2016
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Urplötzlich bekannt machte im Jahr 2008 die Historische Seidel-Druckerei die Entdeckung der unbekannten Bildergeschichte "Der Kuchenteig" von Wilhelm Busch. Mittlerweile ist die Geschichte auch in Suhrkamps Insel-Bücherei erschienen. Bild: Huber

Es handelt sich um ein kulturelles Kleinod von überregionaler Bedeutung. Sulzbach-Rosenberg erlebte durch die Eröffnung des Seidel-Saals eine spürbare Aufwertung. Jetzt soll das gesamte Ensemble in eine sichere Zukunft geführt werden.

Die Verdienste um die Bewahrung der Schätze im Seidel-Anwesen, die sich über Jahrhunderte angesammelt haben, liegen beim früheren Besitzer Ingomar Wotschack. Die Erben haben zusammen mit Stadtverwaltung, Bürgerschaft und Fachbehörden diesen überregional bedeutenden Bestand nicht zerstreut, sondern seit 2006 konserviert und einer ersten Sichtung und Erforschung zugeführt.

Seit 2011 wird auch der alte Druckerei-Saal durch Konzerte, Kabarett, Vorträge, Führungen, Workshops und pädagogische Angebote belebt. Der Trägerverein unter Vorsitz von Bürgermeister Michael Göth arbeitet dafür eng mit dem Förderkreis, der von Peter Geiger geführt wird, und der Kulturwerkstatt zusammen. Entstanden ist so die neue Kulturstätte "Historische Druckerei Seidel". Durch sie werden alljährlich Tausende Besucher in die Herzogstadt gelockt.

Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer bat nun zu einer ersten Bilanz nach fünfjährigem Betrieb in das historische Ensemble. Seit 2011 verfolgten knapp 37 000 Besucher das Angebot am Luitpoldplatz 4. "Besser hätt's eigentlich nicht laufen können", resümierte Fred Tischler. Vor allem das vielfältige Engagement von privater Seite bilde ein gutes Grundgerüst für diese Erfolgsgeschichte, gab sich Lommer überzeugt.

Es sei nun das Gebot der Stunde für alle politisch Verantwortlichen, die Zukunftssicherung und Erschließung dieses Ausnahmedenkmals bayerischer Wirtschafts- und Geistesgeschichte sehr zeitnah umzusetzen. Die hohe Bedeutung des Anwesens unterstrich der Stadtheimatpfleger mit dem Verweis auf die Entdeckung von Wilhelm Buschs Entwurf "Der Kuchenteig", die 2008 europaweit für Schlagzeilen sorgte, und den Fund des Tangentenflügels von 1790 - eines von nur 20 weltweit erhaltenen Exemplaren dieses seltenen Instruments.

Wie Bürgermeister Michael Göth beim Pressegespräch sagte, seien sich Kommune und Stadtrat bewusst, dieses kulturelle Vorzeige-Objekt sicher in die Zukunft führen zu müssen. Um für einen möglichen Ankauf und im Hinblick auf die dann durchaus bereitstehenden Fördergeldgeber alles auszuloten, sei zunächst ein Immobilien-Wertgutachten in Auftrag gegeben worden, das mittlerweile der Verwaltung vorliege. Räumliches Aufmaß, Konzepte für Brandschutz, Statik, Nutzung und die Erfassung des Inventars bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung.

Aber es gebe ja auch noch den laufenden Betrieb, der unter anderem durch den Förderverein aufrechterhalten werde. Vorsitzender Peter Geiger führte dazu aus, dass hier vor allem durch in Eigenregie veranstaltete Konzerte - auch für Talente aus Stadt und Region - Geld für den Seidel-Saal verdient werde. Das soll natürlich so bleiben, um die Vielfalt der kulturellen Angebote in Sulzbach-Rosenberg auf diesem hohen Niveau zu halten.

Johann E. SeidelAls Schulbub war Johann Esaias Seidel 1766 nach Sulzbach gekommen. Dort erlernte er bei seinem Onkel Georg Lichtenthaler die Druckkunst. 1790/97 vereinigte er die drei christlichen Pressen der Stadt und führte sie zu frischer Blüte. Ab 1800 gründete Seidel Filialen in Amberg, Nürnberg und München. Ihre größte Flächenwirkung erzielte die Verlagsdruckerei ab 1838 durch die Sulzbacher Kalender. (oy)
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