Konzert der Kantorei der Christuskirche
Ergriffen und bereichert

Gerd Hennecke und Dekanatskantor Volker Glossner (von links) aus Landshut an der Schmidt-Weigle-Orgel. Bilder: Hartl (2)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
04.11.2016
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Kein normales Konzert der Kantorei, das am Vorabend des Reformationstags in der Christuskirche zu hören war - aber auch keine gewöhnliche Andacht. Geistliches Wort, gesungener Text und Musik gingen eine Verbindung ein, die Mitwirkende wie Zuhörer gleichermaßen berührte.

"Reger - Bach" war das musikalische Motto des Abends, und Dekanatskantor Volker Glossner aus Landshut begann mit einer präzisen und klug registrierten Interpretation des Präludiums in Es (BWV 552,1), die Johann Sebastian Bach gewiss gefallen hätte.

Starke Dynamik


Die Kantorei der Christuskirche antwortete darauf mit der romantischen, aber niemals süßlichen Reger-Motette "Herr, führe mich auf dem Pfad deiner Gebote". Die starke Dynamik der doppelchörig aufgestellten Kantorei ließ die Orgelbegleitung immer wieder vor- und zurücktreten.

Das musikalische Hauptwerk des Abends war die Motette "Der Geist hilft unserer Schwachheit auf" für zwei vierstimmige Chöre von Johann Sebastian Bach (BWV 226). Diese Motette, im Jahr 1729 für die Beerdigung des Rektors der Thomasschule und Philosophieprofessors Johann Heinrich Ernesti geschrieben, gehört nicht nur musikalisch zu den anspruchsvollsten Werken Bachs. Auch der Text aus dem Römerbrief (Röm. 8, 26-27) ist heute teilweise unverständlich und sehr düster. Pfarrer Wolfgang Bruder brachte zwischen den drei Hauptteilen des Stücks Licht in dieses Dunkel. Der Tod lasse den Menschen verstummen, so dass er nicht mehr wisse, was er beten solle. Diese Schwäche könne der Geist Gottes beheben, aber er vollbringe dieses Werk auf eine Weise, die unbeschreibbar und unaussprechlich bleibe. Und schließlich sei es der Geist, der den Menschen befähige, im Leben und im Tod zu seiner Bestimmung zu gelangen. Die Kantorei sang a capella und interpretierte das Werk rhythmisch, fast tänzerisch. Dies war keine Trauermusik, sondern eher ein trotziges Aufbegehren gegen die Schicksalsschläge des Lebens.

Klangfarben gezeigt


Trotziges Aufbegehren ist auch das Thema von Martin Luthers "Ein feste Burg ist unser Gott", diesem lutherischsten aller evangelischen Kirchenlieder. Der katholische Komponist Max Reger komponierte die Choralphantasie über dieses Lied für eine große romantische Orgel, so dass die Schmidt-Weigle-Orgel der Christuskirche all ihre Klangfarben zeigen konnte. Unter Glossners Händen wurden die Wucht der christlichen Waffen und die Grausamkeit des teuflischen Feindes geradezu bildhaft hörbar.

Die Dynamik des Stückes war dank der vielfältigen Registrierung enorm. Danach sang die Gemeinde stehend "Ein feste Burg" und wurde schließlich mit dem Segen und der Fuge in Es (BWV 552,2) entlassen. Ergriffen und bereichert verließen die Besucher die Kirche.
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