Konzert für den Seidel-Saal
Glühendes Lob für so viel Kunst

Mit eleganter Virtuosität musizierten Verena Schmidt (links) und Katharina Scharnagl (rechts) zu Ehren des Seidel-Saal-Jubiläums. Mit am Flügel Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer. Bild: aks
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
01.12.2016
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In den vergangenen fünf Jahren hat der historische Seidel-Saal viel kleine und größere Kunst, gerne auch der etwas lauteren Art, erlebt. Zum ersten halbrunden Geburtstag gönnte sich der Förderkreis Historische Druckerei Seidel nun aber leisere Töne und die obendrein noch außer Haus.

Zum Benefiz-Konzert mit Katharina Scharnagl und Verena Schmidt bat man in den - ebenfalls historischen - Rathaussaal.

Der Umblätterer


Dr. Markus Lommer, der rührige Spiritus Rector des Seidel-Projekts, beeindruckte an diesem Abend einmal mehr mit vielseitigen Talenten. Schwungvoll und gespickt mit seinen berühmten geschichtlichen Exkursen begrüßte er das Publikum, erfüllte gewissenhaft die Aufgabe des Umblätterers für Pianistin Verena Schmidt, verköstigte in der Pause die Gäste und übernahm nach dem Schlussapplaus auch gleich noch das vor Begeisterung glühende Lob für die beiden Künstlerinnen.

Stimmiges Programm


Letzteres hatten sich Flötistin Katharina Scharnagl und Pianistin Verena Schmidt mit ihrem stimmigen Programm und dessen gekonnter Umsetzung durchaus verdient. Obwohl beide nach dem Studium als Musiklehrerinnen in den Schuldienst getreten sind, haben sie ihre Leidenschaft für Kammermusik und Konzertauftritte offenkundig nicht an der Pforte abgegeben.

Für den ersten Teil des Konzerts hatten sie sich nach eigenen Angaben Anleihen beim großen Geiger Yehudi Menuhin genommen, der es mit drei Solokonzerten dreier Komponisten mit gleichem Anfangsbuchstaben an einem Abend zu Weltruhm gebracht hatte. Bühne frei also für die Sulzbacher Variante mit Carl Philipp Emanuel Bach, Ludwig van Beethoven und François Borne.

Nach dem Sturm- und Drang-Auftakt mit risikofreudigen Ausritten des Bach-Sohnes, auf die die auch moderierenden Künstlerinnen eigens verwiesen, folgte die elegante Beethoven-Serenaden-Transkription. Das dritte "B" wie Borne verfrachtete die Zuhörerschaft schließlich in den Hexenkessel der spanischen Gefühlsglut - die größten Ohrwürmer der Bizet-Oper "Carmen" in einer mitreißenden Version für Flöte und Klavier.

"Schönster Flötensatz"


Nach der Pause entfalteten Scharnagl und Schmidt den Farbenreichtum einer Suite von Charles-Marie Widor, der neben seiner Tätigkeit als Komponist zugleich den Posten eines Titularorganisten in Paris bekleidete, wie zu erfahren war. Vater Bach durfte an so einem wohltönenden Abend natürlich auch nicht fehlen. Die Musikerinnen hatten das Andante aus der e-moll-Sonate gewählt - laut Expertin Katharina Scharnagl "der schönste Flötensatz".

Weibliche Unterstützung zum Abschluss leistete Cécile Chaminade, eine der wenigen Komponistinnen der Romantik. Die meisten ihrer Werke mögen in der Vergessenheit versunken sein, das einfühlsam vorgetragene "Concertino pour flûte et piano" perlte jedoch in vertrauter Melodik durch den Rathaussaal.

Die energisch eingeforderte Zugabe steuerte Benjamin Godard mit seinem Allegretto aus der "Suite de trois morceaux" bei.
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