Konzert von Christoph Weiherer im Seidel-Saal
Provokant und doch liebenswert

Christoph Weiherer erhält im Sommer 2016 den Nachwuchs-Förderpreis der Hanns-Seidel-Stiftung. Er wird verliehen bei den "Songs an einem Sommerabend" im Bayerischen Fernsehen. Der Preisträger freut sich, wäre aber nicht der "Kämpfer mit der Klampfe", wenn er dabei nicht sein Dobrinth-Lied zum Besten geben dürfte. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
07.05.2016
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Er arbeitet nichts, sagt er, und dabei kommen ihm die Ideen. Aus denen macht er Lieder und vor allem die Liedtexte, in denen er kritisiert, protestiert, lästert und spottet. Mit Gitarre und urbayerischem Mundwerk präsentierte der "langhaarige Bombenleger" sein jüngstes Album auf der Kleinkunstbühne Seidel-Saal.

Die "Leit vo woanders her" sieht Christoph Weiherer in der Überzahl, als er die Sulzbach-Rosenberger im Seidel-Saal zum Handheben auffordert. Dass neben Poppenricht, Hohenkemnath und sogar Litauen zahlreiche Gäste auch aus Amberg da sind, ist ihm erfreulicher Anlass, für ein weiteres Weiherer-Konzert am 9. August in Amberg zu werben, dann zusammen mit seiner Band "Weiherer und die Dobrindts". Dobrinth, der Name ist ihm alles andere als heilig. "Wie weit bringst as heit, wennst a Depp bist?", fragt er und provoziert den Verkehrsminister, wo er kann. Der aber reagiert nicht, zu Weiherers Bedauern, denn ein Bericht darüber in der Süddeutschen wäre eine tolle Werbung für ihn.

Sechs CDs


Christoph Weiherer (36) tritt seit 2002 allein als Liedermacher auf, hat bisher sechs CDs veröffentlicht, heimste beachtliche Kritiken ein, und erhielt etliche Preise. Er wird verglichen mit großen Namen wie Hans Söllner, Bob Dylan, Fredl Fesl und Gerhard Polt.

In Zeilarn bei Marktl geboren - "grod nu Niederbayern" - gilt er neben dem "Bullen von Tölz" und Papst Benedikt XVI. als wichtiger bayerischer Exportartikel. Im Seidel-Saal war er schon einmal im Oktober 2013, hat sich damals wie heute kein Blatt vor den Mund genommen. Lediglich mit seiner Gitarre steht der langhaarige und leger gekleidete Weiherer mehr als zwei Stunden auf der Bühne, singt Lieder, erzählt Geschichten, in denen sich alles um das Leben dreht, um eine Welt in Bayern, die längst nicht mehr heil, aber dennoch liebenswert ist.

"Des wor doch fröiha ganz anders", sinniert er, "da wor a Tankstell no koa Supermarkt", da gab es keine "Smoothies", die "z'dick zum Saffn und z'dünn zum Fressn san", da gab es keine Kinder- oder Senioren-Teller und "politisch unkorrekt" ein Zigeuner-Schnitzel. Liebe, Freud und Leid, neben den verrückten Geschichten kommen auch diese Themen nicht zu kurz bei Weiherer, oft mit nachdenklichen Texten, und ruhigem Gitarrenspiel.

Schnellere Rhythmen und die Mundharmonika setzt er ein, wenn es um die Auswüchse in unserer Gesellschaft geht, um Handys und Apps, um Erfahrungen im Bio-Laden, um Kinder-Vornamen, um Facebook und Payback. Er nimmt Promis aufs Korn und fragt: "Wenn die Deutschen bald aussterben, warum werden die Nazis dann noch mehr?" Dinge, "die Familien kaputt machen", zeigt er auf, fordert "statt posten einfach liebe Dinge sagen", gibt aber zu, dass auch er nicht umhin kommt, diese neuen Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen. Dann wieder "verplaudert" oder "versingt sich", liebenswert, sympathisch, natürlich.

Ganz ohne Technik


"Oans hau ma no naus, dann habt'ses überstandn"; sagt er zum Schluss, setzt sich zur letzten Zugabe - ganz ohne Technik - ins Publikum und bedankt sich artig bei seinen Zuhörern, bei Fred Tischler fürs wiederholte Engagement, bei Junior Max für Licht und Ton. Sein Koffer mit CDs, besonders der aktuellen "A Liad, a Freiheit und a Watschn", mit Brunsbüttel-T-Shirts und "Brunsbeuteln" ist wesentlich leichter geworden, denn die Fans im Seidel-Saal langten in der Pause ordentlich zu.
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