Konzert zum Thema Kaiser Karl IV.
Musik an der Goldenen Straße

"Sed vivam" bot mittelalterliche Klänge im Rahmen der Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung im Rathaussaal. Bild: Hartl
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
25.10.2016
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Kaiser Karl IV. wäre heuer 700 Jahre alt geworden. Grund genug, um seine Bedeutung und seine Rolle gerade für die Herzogstadt im Jubiläumsjahr zu würdigen und in Erinnerung zu bringen. Ein denkwürdiges Konzert half da mit.

Die Kulturwerkstatt hat zu diesem Jubiläumsjahr ein interessantes, aufschlussreiches Programm aufgelegt. Und etwas ganz Besonderes war dabei die Veranstaltung im Gotischen Rathaus. "Musik entlang der Goldenen Straße" lautete der Titel dieses Konzertes, bei dem nicht nur das bekannte Ensemble "Sed vivam" mit Musik aus Mittelalter und Renaissance zu hören war, sondern in dem sich auch Sophie von Bayern, dargestellt von der Regensburger Schauspielerin Eva Sixt, die Ehre gab.

Schwiegertochter Sophie


Sophie von Bayern als 2. Ehefrau des böhmischen Königs Wenzel IV. war somit die Schwiegertochter Kaiser Karl IV.. Und so war Eva Sixt (prächtig gekleidet in historischem Gewand in den "Sulzbacher Farben" rot und weiß) prädestiniert, gemeinsam mit der Leiterin des Ensembles "Sed vivam", Brigitte Weber, Stationen des Lebens Karl IV. mit Schwerpunkt auf seine Beziehung zu Sulzbach lebendig werden zu lassen. Und auch die Musik, die "entlang der Goldenen Straße" entstand, vorzustellen, zu erläutern und natürlich von "sed vivam" in all ihrem Facettenreichtum zu präsentieren.

Viele Instrumente


Es war ein interessantes Wechselspiel Musik-Text, was die Ausführenden den zahlreichen Zuhörern darboten. In "Sed Vivam" haben sich zehn Musiker vereint, deren Liebe zur Musik des Mittelalters und der Renaissance deutlich wird. Es sind Spezialisten für Aufführungspraxis, von denen jeder mehrere Instrumente beherrscht. Sie haben mit Bettina Haubold und Hans-Zieter Zanke Sänger, die teils seit Jahrzehnten mit kultivierten, geschmeidigen Stimmen diese alte Musik zum Glänzen bringen.

Blockflöten, Krummhörner, Videl, Viola, Posaune, Zink, Zupf- und Schlaginstrumente, die ganze Vielfalt der historischen Musikinstrumente war aufgeboten. Und in der ausgewählten Zeitspanne von ca. 1300 (Mülich von Prag) bis ins 16. Jahrhundert mit Hans Sachs und Hans Leo Hassler erklangen Liebeslieder, Gassenhauser, Rufe des Nachtwächters, fesselnd, abwechslungsreich.

Ob zum Beispiel "Unde gaudent angeli" in tollem Sound mit Bläsern oder "Poche partir" (14. Jahrhundert), in dem Hans Dieter Zanke mit seiner klug geführten Tenorstimme höhensicher mit Strahlkraft beeindruckte, oder "Per divina belleza" im Duett mit der engagierten Sopranistin Bettina Haubold - allesamt historische Schmankerl.

In den gut rezitierten Zwischentexten erfuhr man, dass Kaiser Karl IV. die Anweisung gab, dass keiner der Reisenden auf "seiner goldenen Straße" von Prag nach Nürnberg fremdes Gebiet nutzen sollte. Vor allem das der Leuchtenberger Burggrafen war tabu. Man erfuhr, dass Jan Hus 1614 in Sulzbach übernachtete, bevor er nach Konstanz zum Konzil weiterzog, man hörte von Sophie von Bayern, dass sie bereits im Alter von 12 Jahren mit dem deutlich älteren Wenzel IV. verheiratet wurde und ihre Ehe unglücklich war, weil der König, mit dem Beinamen "der Faule", nicht nur im Regieren, sondern auch in der Liebe schwächelte.

Hans Sachs als Anhänger der Reformationsbewegung schuf die protestantische Umwandlung des "Salve regina". Sein "Wach auf" verwendete Wagner als Motiv in den "Meistersingern". Klasse "Der Wächter an der Ecken", wo Zanke brillierte und ein echtes Nachtwächter-Horn tönte.

Faszinierend gespielt


Hasslers schönes Liebeslied "Jungfaru, dein schön Gestalt" wurde von Haubold und Zanke mit der sensiblen Innigkeit gesungen und gegen Schluss erklang ein einfach faszinierend gespieltes "Vitrum nostrum gloriosum". Als Hommage an den in Hahnbach geborenen Andreas Raselius erklang dessen "Deo gratias" als Schluss. Großer Beifall, Dankesworte von Dr. Markus Lommer, Geschenkübergabe und als Zugabe das "schönste Abschiedslied des Mittelalters", "Innsbruck, ich muss dich lassen" in andächtiger Interpretation: Es war nicht nur ein gelungenes Konzert, sondern eine spannungsreiche Info-Reise entlang der "Goldenen Straße" Kaiser Karls IV.

Rathaus-JubiläumStadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer wusste ebenfalls so manches über die Verbundenheit Karls IV. mit der "Hauptstadt Nordböhmens" Sulzbach zu berichten. Und ein weiteres "städtisches" Jubiläum konnte er bei seiner Begrüßung erwähnen. Exakt vor 560 Jahren, im Jahr 1456, wurde das gotische Rathaus Sulzbach erbaut. (fhe)
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