Krimi-Autor Horst Eckert stellt Roman zur NSU vor
Mehr Fundament als offizielle Lesart

Mit seinem brisanten NSU-Thriller "Wolfsspinne" verbreitete Horst Eckert düsteren Mords-Schrecken in der "Landkutsche". Bild: aks
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
10.10.2016
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Horst Eckert ist ein meisterlicher Krimiautor, ein exzellenter Unterhalter - und der Lesungs-König der Buchhandlung Volkert. Seine jüngste Buchvorstellung "Wolfsspinne" in der Kult-Wirtschaft "Landkutsche" war bereits der siebte Auftritt in der Herzogstadt; häufiger kehrte noch kein Gast-Leser zurück an den "Tatort".

Dabei konnten die wohlige Wirtshaus-Wärme und die überaus freundliche Art des Autors nicht über die eisigen Schauer hinwegtäuschen, die sein neuester Thriller dem Publikum über den Rücken laufen ließ. Zu mysteriös und viel zu aktuell stecken die offiziellen und gemutmaßten Erkenntnisse rund um den Nationalsozialistischen Untergrund in den Knochen, um nicht von Eckerts literarischer Auseinandersetzung mit dem Thema angefasst zu sein. Lange hatte der gebürtige Oberpfälzer, der nach fast dreißig Jahren in Düsseldorf "schon Altbier trinken darf", selbst mit den finsteren Vorgängen gerungen, die nach dem November 2011 und dem brennenden Wohnmobil von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Eisenach ans Licht kommen sollten.

"Da will ich mal was drüber schreiben", sei sein erster Impuls gewesen, denn die vielen, im Laufe der Ermittlungen offen gebliebenen Fragen "sind immer wunderbar für einen Autor von Spannungsliteratur". Allein der richtige Zugang habe ihm lange gefehlt, so Eckert bei der Einführung. Nur das Nazi-Gedankengut, in das er sich ja beim Schreiben hätte hineinversetzen müssen, wäre ihm zu eklig gewesen.

Neben den eklatanten Pannen der zuständigen Behörden, die schon eher nach gezieltem Verbergen rochen, war es dann ein "Dügida"-Aufmarsch im August 2015 in Düsseldorf, der "Wolfsspinne" in Fahrt brachte. Wieder ermittelt Vincent Che Veih, der bei der Lesung allerdings häufig anderen zentralen Figuren wie dem V-Mann Ronny Vogt den Vortritt ließ. Dafür hatte Eckert bereits vorab Veihs Vorleben aus den beiden Vorgänger-Krimis zusammengefasst, um alle Neueinsteiger auf den Stand der Dinge zu bringen.

Kunstvoll dröselte der Schriftsteller viele Handlungsstränge seiner komplexen, aber durchwegs faszinierenden Geschichte genau so weit auf, um das Publikum heiß zu machen auf die gesamten 478 Seiten Hochspannung. Natürlich entspringe seine Version ausschließlich seiner Fantasie, die Argumentationskette, die Eckert auffädelte, wies jedoch mitunter mehr Fundament und Logik auf als die offizielle Lesart der unfassbaren Verbrechensserie. Alle Zusammenhänge erklären konnte aber auch der Krimispezialist nicht und verwies mit Buchhändler Volkert auf die Journalistenkollegen Dirk Laabs und Stefan Aust, die es ebenfalls bei gut 800 Seiten Fakten zum NSU belassen mussten.
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