Kristine Bilkau stellt im Literaturarchiv ihr Romandebüt "Die Glücklichen" vor
Roman für die Krisen-Erlebnisgeneration

Obwohl Kristine Bilkaus (links) Romandebüt erst kurz auf dem Markt ist, hagelt es reichlich Vorschusslorbeeren. Lektorin Susanne Krones, war als Moderatorin mit ins Literaturarchiv gekommen war. Bild: Geiger
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
31.03.2015
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Obwohl dieser Roman in großstädtischem Milieu spielt, enthält er in Spurenelementen auch Partikel aus der Oberpfalz. Wie das kommt? Die Schriftstellerin Kristine Bilkau beschreibt in ihrem Romandebüt "Die Glücklichen" ein höchst urbanes, in Hamburg angesiedeltes junges Ehe-Pärchen. Isabella ist Cellistin mit Hang zu Brahms und ihr Gatte Georg porträtiert als Zeitungsjournalist Selbstversorger und andere Aussteiger.

Gemeinsam mit dem neugeborenen Sohn (der natürlich nicht Modenamen der Vorsaison trägt wie "Paul" oder "Otto", sondern den nächsten Trend mit "Mattis" quasi vorwegnimmt) leben sie in einer Altbauwohnung. Diese wiederum liegt in einer gentrifizierten Gegend und ist deshalb von Blumenläden, in denen es garantiert nur heimische Wald- und Wiesenware zu kaufen gibt und Bäckereien, die selbstredend teigrohlingsfrei produzieren, umzingelt.

Karrieren bedroht

Was zunächst wie die etwas überaffirmiert parfümierte, ironische Schilderung eines Idylls anmutet, ist in Wirklichkeit der Roman zur Erlebnisgeneration jener Krise, die sich seit der Pleite der Lehman-Brothers-Bank im September 2008 global ausbreitete. Und die in Tateinheit mit den üblichen Verdächtigen wie Digitalisierung und Globalisierung alle alten Gewissheiten verdampfen ließ - und so auch Individuen und deren berufliche Karrieren nicht nur im Süden Europas, sondern auch hierzulande bedroht. Keiner dieser allen Selbstoptimierungs-Verheißungen Verfallenen darf sich einen Fehler leisten: Wenn Isabella also plötzlich unter einem Zittern der Hand leidet, dann hat das existenzielle Konsequenzen.

Und wenn Georgs Zeitung nicht nur über Krisen schreibt, sondern selbst Teil eines solchen Szenarios wird und unter die schützenden Fittiche eines Investors flüchtet, ebenfalls. Das schlimmste aber, was die beiden ausmacht, ist ihre Sprachlosigkeit, ihre Unfähigkeit, einander das zu sagen, was wirklich Sache ist.

Lektorin als Betreuerin

So, und jetzt kommt die Oberpfalz ins Spiel: Susanne Krones ist promovierte Germanistin. Nach ihrem Studium hat die gebürtige Ambergerin mit Elternhaus in Freihung viele Jahre hier im Literaturarchiv in Sulzbach-Rosenberg zugebracht, hat den Nachlass von Walter Höllerer gesichtet und über die von ihm gegründete Zeitschrift "Akzente" ihre Promotionsarbeit verfasst. Für sie, die als Lektorin beim Luchterhand-Verlag Kristine Bilkau betreut, ist dieser Roman ein singuläres Ereignis: Weil er nach ihrer Meinung genau jene Befindlichkeiten und Ängste benennt, die die Generation der heute Dreißig- bis Fünfundvierzigjährigen umtreibt. Ja, sie geht sogar noch einen Schritt weiter: "Wer sich in fünfzig oder hundert Jahren darüber informieren möchte, wie die Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts getickt haben, der wird um die Lektüre dieses Romans nicht herumkommen."

"Spiegel" und "Zeit" haben "Die Glücklichen" schon mit reichlich Vorschusslorbeeren bedacht. Krones darf sich darüber doppelt freuen. Zum einen, weil sie als 1979 Geborene natürlich selbst auch Vertreterin dieser porträtierten Generation ist. Und zum anderen, weil sie diesen Stoff entdeckt hat und nun als Buch präsentieren darf.
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