Kultopf serviert Kultur-Menü
Selbst gemachter Klangrausch

Witzig und hintersinnig, frech und melancholisch sind die Lieder von "Kofelgschroa" über die Dinge des täglichen Lebens. Sie singen im Dialekt und spielen gern endlos lange Stücke.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
18.07.2016
98
0
 
Seit 17 Jahren musizieren die Individualisten von "G.Rag y los Hermanos Patchekos" zusammen, haben sechs Alben veröffentlicht und in 200 Shows mit ihrem Mediterranean Trash Folk begeistert. Bilder: Helga Kamm

Das Capitol als Ausweichquartier blieb zu am Samstagabend. Denn wenn auch nicht tropisch, so reichten die Temperaturen doch aus für ein Open-Air-Konzert. Der Mix im Innenhof der Buchhandlung Volkert war ungewöhnlich: exotische Cocktails serviert zu bayerischer Volksmusik, Steeldrums und auch Mariachi-Musik bei sauren Bratwürsten.

Der Verein Kultopf hatte sich viel vorgenommen. Sein Drei-Tage-Menü im Rahmen des 1. Kulturfestivals musste zwar auf die Vorspeise verzichten, das Hauptgericht aber, einen "Klangrausch aus selbst gemachter Musik, guter Laune, Brass-Musik und karibischem Sound" konnten jede Menge Gäste im Volkert-Hinterhof genießen. Zwei Bands standen an diesem Abend auf der Bühne: "Kofelgschroa", typische Bayern aus Oberammergau, und "G.Rag y los Hermanos Patchekos", nicht aus der Karibik, sondern aus München.

Die Atmosphäre hätte nicht schöner sein können. Viele Besucher jeden Alters an Tischen und Bänken im ehemaligen Waldmann-Hof, rundherum die hohen Dächer und spitzen Giebel der Sulzbacher Alt- und Neustadt, milder Sonnenschein am frühen Abend, geschäftiges Hin und Her der vielen Service-Leute, die Essen und Getränke verkauften, und auf der Bühne bereits die erste Band des Abends: "Kofelgschroa".

Gerne lange Stücke


Benannt haben sich die vier Musiker aus Oberammergau nach ihrem Hausberg Kofel, und mit Gschroa meinen sie Geschrei. Davon allerdings ist ihre Musik weit entfernt. Mit der gewaltigen Tuba, mit Tenorhorn, Flügelhorn, Gitarre und Akkordeon bringen die "vier Freunde, die gern miteinander musizieren", Melodien, die irgendwie bayrisch sind und auch wieder nicht.

Sie spielen gern Wechseltakte, Mollakkorde und lange Stücke. Sie singen in bairischer Mundart mehrstimmig, ihre Texte sind verschroben, skurril, poetisch und oft ein wenig daseinsmüde. "Mei Freindin is aus Venedig, mia segn uns recht wenig", singen sie und erzählen das "verrückte Märchen vom Käfer", mit der entsprechenden Musik akustisch untermalt. "Heit kummt da Franz zu mia, freit sich die Liesl" zählt zu ihrer "Kategorie Heimatlieder" , sie singen von den "Augn so schwar wia a Sackerl Zement" und werden melancholisch, wenn es um die Liebe geht: "Unsere Liebe kennt koa End, hätt ma denkt".

Ganz anders dann G.Rag y los Hermanos Patchekos. Während der Himmel allmählich dunkel wird, der fast runde Mond aufgeht und die Kerzen auf den Tischen angezündet sind, formiert sich ein Dutzend Bandmitglieder, darunter zwei Frauen, auf der Bühne, um mit Caribbean Trash Folk und Musik anderer Stilrichtungen Exotik in den Hinterhof zu bringen.

Spaß haben


"Wir wollen Spaß haben und wollen, dass möglichst viele mit uns Spaß haben", werden sie zitiert. Das zeigt sich auch an diesem Abend, bei ihren Bläsern, ihren Steel- und Percussion-Einlagen, ihrem Chef G.Rag, dem Sänger mit Mundharmonika und Megaphon, bei ihrer ungewöhnlichen musikalischen Mischung. Ihre Vorliebe für Musik aus der Karibik ist offensichtlich, gleichzeitig aber können sie auch Tango oder bayerischen Landler. Bemerkenswert ist ihre Coolness, gelingt es einigen Bandmitgliedern doch, gleichzeitig ihr Instrument zu bedienen und zu rauchen.

Die Veranstalter des Wawihü sind zufrieden. Ihr alternatives Hauptgericht ist beim Publikum gut angekommen. Das selbe erhofften sie sich von der Nachspeise am Sonntag, als im entspannten Dorfambiente von Steinling gekocht wurd, natürlich wieder begleitet von Musik und Gesang. Und auch das erfüllte sich.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.