"Lebenslehren" bei den Knorr von Rosenroth-Festspielen: Premiere am Freitag
Vom Suchen nach Glück und Liebe

Die Knorr-von-Rosenroth-Festspiele entführen ab Freitag in die bunte Welt des Mittelalters. Dabei kommt "Die Vermählung Christi mit der Seele oder Glück und Liebe auf Mallorca" zur Aufführung. Bild: Kulturwerkstatt Sulzbach-Rosenberg
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
07.07.2015
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Die Veranstaltung von "Lustbarkeiten" oder "Divertissements" sorgte im Barockzeitalter für den Glanz höfischer Feste. Oft wechselten in bunter Folge Bankette, Feuerwerke und Illuminationen, Musik-, Theater- und Ballettaufführungen einander ab. Hofpoeten sorgten für eine geistvolle Umrahmung, bisweilen auch erteilte man zum Ruhm des eigenen Hauses Aufträge an auswärtige Dichter.

So verfasste Christian Knorr von Rosenroth, der gelehrte Kosmopolit aus Sulzbach, ein "Red- und Singe-Spiel", das zur Geburtstagsfeier von dessen Gemahlin Maria Elisabeth im Januar 1685 zur Aufführung kam. Überliefert ist das Stück mit dem Titel "Von der Vermählung Christi mit der Seelen". In allegorischer Verkleidung, mit Figuren, die sprechende Namen tragen, kam eine abenteuerliche Geschichte auf die Bühne, die nun auf dem Spielplan der Knorr von Rosenroth-Festspiele steht.

Schauplatz ist die Insel Mallorca ("Majorica"), wo sich ein dramatisches Verwirrspiel entfaltet. Thema ist die Suche nach (innerem) Glück und Glückseligkeit in dieser Welt, inmitten von Leidenschaft und Liebe, begleitet von einem komplexen Bündel von Emotionen: Eifersucht, Lust, Zorn und Hass. In Verbannung auf Mallorca lebt Fadil, der für die Tugend steht, vollkommene Gemütsruhe erstrebend. Verwehrt scheint ihm dies durch Adibe ("die Leidenschaft"), die ihm als Mann verkleidet auf die Insel gefolgt ist, mehr noch durch Nasima ("die Seele"), die verlassene und dem Freund Mamsuh ("der Gesalbte") abgetretene Geliebte, die ihn zu ermorden sucht.

Durch eine List scheitert der Anschlag, während Nasima meint, ihren Geliebten getötet zu haben. Als das vorgebliche Opfer ihr fortan als Geist folgt, verzweifelt sie und stürzt sich von den Klippen ins Meer, wird aber von Fadil gerettet und ist von ihrer Rachsucht geheilt. Dahar ("die Welt") wiederum stellt Adibe nach, die ihn ersticht. Fadil und Mamsuh aber bekennen sich ebenfalls schuldig, und der wahre Schuldige muss sich in einer Probe erweisen.

In fantasievoller Doppelung demonstriert die Bühnenhandlung den christlichen Weg zur Erlangung von Glückseligkeit, die nicht erst im Jenseits zu erlangen ist. Auf originelle Weise verleiht Christian Knorr von Rosenroth der allegorischen Spieltradition von der Vermählung Christi mit der Seele einen zusätzlichen Akzent. Über den religiösen Kontext hinaus vermittelt er eine Sittenlehre für das Leben in dieser Welt, die darauf abzielt, die Leidenschaften nicht auszurotten, sondern zu beherrschen. Lebenslehre auch für den modernen Zuschauer ...

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Premiere ist am Freitag, 10. Juli, um 20 Uhr im Schlosshof. Weitere Aufführungen sind am 11., 12., 17., 18. und 19. Juli jeweils um 20 Uhr. Bei schlechter Witterung steht die Sporthalle der Krötensee-Mittelschule zur Verfügung. Karten gibt es bei der Tourist-Info unter Telefon 09661/510-110.
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