Leichtes Spiel mit schwerem Stahl

Im Museumsgarten in Sulzbach-Rosenberg zeigt der in Montreal lebende Künstler Erwin Regler eine kleine Auswahl seiner Skulpturen aus den 1990er Jahren. Bild: Voit
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
01.07.2015
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Erwin Regler kauft sich sein Material nicht, sondern nimmt das, was er findet: Schrott, Stahlabfall, Eisenreste. Damit spielt er und formt aus schwerem Metall grazile Skulpturen.

Wo könnte Erwin Regler seine Arbeiten besser zeigen als in Sulzbach-Rosenberg, wo er 1957 in der Blütezeit des Eisenerz-Bergbaus geboren wurde. Aufgewachsen ist er allerdings in Edelsfeld, aber vielleicht lieferte die Maxhütte erste Impulse im späteren Umgang mit Eisen und Stahl. Seit 20 Jahren lehrt er - neben seiner Arbeit als frei schaffender Künstler - als Dozent an der Concordia Universität in Montreal/Kanada, momentan zu den Themen experimentelles Design und Bildhauerei. Jetzt ist er (wieder einmal) in seine alte Heimat zurückgekehrt, um Arbeiten aus 1990er Jahren im Museum und dem dazugehörigen Innenhofgarten zu zeigen.

Kein festes Konzept

"Ich arbeite mit Schrott und kaufe mir mein Material nicht. Ich verwende, was ich finde", erzählt er über seine Arbeitsweise. "Es ist sehr leicht mit Stahl umzugehen, sehr spielerisch. Ich habe bei der Gestaltung kein festes Konzept, die Skulpturen entwickeln sich und wachsen langsam. Daraus entsteht ein Dialog zwischen mir und dem Ding, das vor mir steht. Am Ende wird die Oberfläche noch zum Teil mit Farbe bearbeitet", berichtet Regler.

Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden nennt Erwin Regler in seiner Einführung einen "Zauberer, der Alternativwelten errichtet". Er sieht in ihm einen der Protagonisten der gegenwärtigen Oberpfälzer Kunstwerk und als Verarbeiter von Zeugnissen großer Industriekultur. "Trotz der Rohheit und vermeintlichen Schwere des Materials unternimmt Erwin Regler mit einer gewissen Leichtigkeit Ausgrabungen auf dem Spenglerei-Friedhof", betont Regler. In der Tat sind die Skulpturen, die alle aus Montreal stammen und hier eingelagert waren, besonders sehenswerten, überzeugen sie doch in einem freien Spiel der Kontraste. Dieses unerwartete Wachsen der Eisenteile wie Stäbe, Röhren oder Zahnräder lässt so etwas wie ein Stahlballett entstehen, gekrönt mit einer verhalten farbigen Bearbeitung.

Filigrane Eleganz

Die strenge Geometrie wird dabei aufgelöst und heraus kommt eine filigrane Eleganz, die Wirrungen und Irrungen der einzelnen Stahlelemente mit einer Leichtigkeit entknotet und ständig neue Ebenen und neue Blickräume öffnet. Ein Gang um die Objekte herum präsentiert ständig neue Interpretationsmöglichkeiten, öffnet und schließt Räume, kombiniert mit einem permanent sich ändernden Wechsel von Licht und Schatten.

Erwin Regler ist auch Teilnehmer des "Internationalen Künstlersymposiums", das vom 6. bis 19.Juli auf der Burg Dagestein in Vilseck stattfindet. In Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Pilsen zeigen, neben ihm, Jiri Beranek (Tschechien), Albert Braun (Vilseck/Finnland), Tim de Christopher (USA), Jakub Hanzl (Tschechien), Stefan Link (Kallmünz) ihre aktuellen Arbeiten zum Thema "Die Goldene Straße - Künstler interpretieren historische Wege".

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Die Ausstellung "Stahlskulpturen" von Erwin Regler ist bis 18. Oktober im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg (Neustadt 14-16) zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 9-12 und 13.30-16.30 Uhr, Samstag/Sonntag 13.30-16.30 Uhr. Informationen unter Telefon 09661/8776800.
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