Lesung im Literaturarchiv
Karl-Heinz Ott liest aus seinem Roman "Die Auferstehung"

Karl-Heinz Ott hat mit "Die Auferstehung" einen Roman geschrieben, der auf der Unterhaltungsebene genauso funktioniert wie auf der intellektuellen. Bild: Otto
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
16.12.2015
32
0

Karl-Heinz Ott ist nicht nur mehrfach ausgezeichneter Romancier, Dramaturg, Essayist und Übersetzer. Er ist auch ein sensationeller Vorleser, der seinen Protagonisten und Dialogen so viel Leben einhaucht, dass unweigerlich ein Film im Kopf abläuft. Das Auditorium im Sulzbach-Rosenberger Literaturarchiv machte am Montag Abend die Bekanntschaft mit den Geschwistern Linda, Uli, Jobschi und Jakob aus Otts Roman "Die Auferstehung".

Angst um das Erbe


Die vier sitzen im Haus des gerade verstorbenen Vaters und warten auf den Rechtsanwalt, der das Testament des Familienoberhauptes verwahrt. Die Angelegenheit ist durchaus heikel: Der Vater, seit Jahren Witwer, hatte sich mit seinen Kindern überworfen, sie des Hauses verwiesen und das Schloss auswechseln lassen. Gleichzeitig gab es eine neue Frau, "die ungarische Hure" im Leben des Verstorbenen. Man bangt um das Erbe - ärgerlich für Uli und Linda, eine Katastrophe für Joschi und Jakob.

Ein Versuch, den vermeintlich Sexbesessenen zu Lebzeiten entmündigen zu lassen, misslang nicht nur. Der Chefarzt außer Dienst bekam Wind von der Sache, was den Graben noch tiefer werden ließ. Die Dialoge, die innerhalb der Stunden des Wartens als Notgemeinschaft entstehen, geben einen tiefen Einblick in die Familiengeschichte, reißen alte Wunden auf und den Charakteren die Maske vom Gesicht.

Da geht es um Joschi, der seinerzeit als linker Student Geld veruntreute und sich dem Gefängnis durch Flucht entzog. Oder um Jakob, der gerne Adorno, Baudelaire oder Pascal zitiert, dessen Karriere als freier Fernsehjournalist aber wohl schon lange den Zenit überschritten hat. Diesen Gesprächen im Spannungsfeld von familiärer Vertrautheit und geschwisterlicher Missgunst könnte man stundenlang zuhören. Ein Gespräch über die Bestattungsart entwickelt sich zu einem urkomischen kultur- und religionskritischen Diskurs. Witzig und schonungslos wird die Habgier der hehren Kulturbeflissenen durch den Kakao gezogen.

Autobiografische Elemente


Unerbittlich wird abgerechnet: Mit den verloren gegangenen Idealen der 68er-Revolutionäre, deren Scheitern oder ihrem Wechsel ins bürgerliche Milieu. Die Figuren, die Ott da durch seine Geschichte laufen lässt, sind so ungemein detailverliebt und stringent, dass sie eigentlich keine reinen Produkte der Imagination des Autors sein können.

Und tatsächlich haben die Archetypen durchaus Bezug zu real existierenden Menschen. Sogar Ott selber findet sich in Teilen im Roman nach eigenen Aussagen wieder - am ehesten wohl in der Figur des Jakob.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.