Literaturhaus Oberpfalz
David Pfeifer liest aus seinem Roman "Die rote Wand"

David Pfeifer erkundete alle Schauplätze seines Buches auf eigene Faust. Zum Buch gibt es auch eine kostenlose App mit Wanderkarte. Bild: Schäfer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.01.2016
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Da haben sich Frost und Schnee doch tatsächlich eine Woche zu früh vom Acker gemacht: Ein paar unwirtliche Wintereindrücke direkt vor David Pfeifers Lesung im Literaturhaus Oberpfalz hätten gut korrespondiert mit dem Elend und Leid des Ersten Weltkrieges in den Dolomiten, das der Roman "Die rote Wand" aus der Umklammerung des Vergessens befreit hat. Andererseits hat Autor David Pfeifer eine derartige Hilfestellung wahrlich nicht nötig.

Kein Kriegsroman


Gerade die strikt sachliche, distanzierte Sprachkraft transportiert das Grauen eindringlicher als detailverliebte Ausschmückungen. Und auch der naheliegenden Versuchung säbelrasselnder Kriegsliteratur widersteht Pfeifer klug. "Die rote Wand" ist daher kein Kriegsroman, sondern vielmehr ein "Abenteuerroman im Krieg", wie es der Sulzbach-Rosenberger Buchhändler Ralf Volkert auf den Punkt bringt. Für den besonderen Kick sorgt darüber hinaus die durchkomponierte Mischung aus Fakten und Fantasie - "Faction" nenne man das heute, merkt der Autor an. Die Heldin des Romans, die man an diesem Abend von ihren ersten Schritten in den Krieg bis zur "Operation Sextenstein" begleitet, lehnt er an Viktoria Savs an. Diese hatte sich wirklich bis an die Dolomiten-Front geschmuggelt, ursprünglich nur um ihren Vater zu finden. Für ein Sachbuch hätten aber weder die Dokumente zu ihr, noch zum sinnlosen Stellungskrieg in lebensfeindlicher Umgebung ausgereicht, berichtet Pfeifer. Mittels seiner literarischen Freiheiten verdichtet er stattdessen die Geschichte zu einem intensiven Geschehen, das auch das Publikum im Literaturhaus ins Grübeln bringt.

Allein die Vorstellung, einem Gebirgswinter mit Wolle und Leinen statt Goretex und Daunen trotzen zu müssen, macht beklommen. Dieses ungute Gefühl steigert sich noch angesichts Pfeifers ungeschönter Bilanz: "Das Frieren und Sterben war komplett umsonst". Das Schicksal der Region ist damals nicht im Kampf, sondern anschließend am grünen Tisch besiegelt worden.

Schauplätze erkundet


Ein Konfliktpotential, das bis heute nachwirkt: "Manchem Südtiroler ist der Roman zu ausgewogen." Einige Einheimische nutzen aber auch die Möglichkeiten, die das Buch und die kostenlose App mit 3-D-Wanderkarten, Tourenvorschlägen und Hintergrundinformationen für den Tourismus bieten, erzählt der Autor, der dem Pustertal eng verbunden ist.

Um sich auf diese beklemmenden historischen Spuren zu begeben, bedarf es keines großen Aufwands: Die Routen, die heute Wanderern und Alpinisten zur Freude an und in unglaublich schöner Natur verhelfen, wurden allesamt nicht zur Erbauung, sondern zu Kriegszwecken angelegt. Man benötigt daher auch kein geschultes Auge, um wie Pfeifer unmittelbar neben den Wegen auf Relikte zu stoßen. Ihn selbst begleitet seit der Recherche immer auch die Erinnerung auf seinen Wanderungen. Und dass er alle Schauplätze selbst erklommen hat, ist ihm dann doch wichtig.
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