Literaturhaus Oberpfalz stellt bei seinem Sommerfest Ernst Jandl in den Mittelpunkt
Vokal- und Konsonantengewitter ziehen auf

"Das Literaturhaus hat einen Turm, aber das ist kein Elfenbeinturm", erläutern die ehrenamtliche Mitarbeiterin Christina Baumann, Programmleiterin Patricia Preuß und Schauspielerin Sophia Ritz (von links). Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
04.07.2016
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Das Literaturhaus Oberpfalz ist kein elitärer Club sondern ein Ort, wo Leseratten, Bücherwürmer und alle anderen Freunde der Literatur zu Hause sind. Das soll das zwanglose Literatursommerfest am Samstag, 9. Juli, zeigen.

"Vorstandsprosa" erwartet die Besucher in Hof und Garten des Literaturhauses: Vorstandsmitglieder werden fünf Minuten aus Büchern vorlesen, die ihnen am Herzen liegen.

Im Zentrum des Festes steht Ernst Jandl. Der österreichische Autor hatte gute Verbindungen zu Walter Höllerer, dem Vater des Literaturarchivs, und zum Literarischen Colloquium Berlin, das Höllerer gegründet hatte. Auch in dessen Literaturzeitschrift "Akzente" veröffentlichte Jandl, führt Patricia Preuß aus, die Programmleiterin des Literaturhauses.

Mehr als Ottos Mops


Jeder kennt "Ottos Mops kotzt", aber Jandl hat noch viel mehr geschrieben. Die Schauspielerin Sophia Ritz hat sich intensiv mit seinem Werk beschäftigt und daraus das Programm "Ernst Jandl. Ein unernster Nachmittag" zusammengestellt. Es wird ein "moderierter Mitmach- und Mitlachnachmittag", wie sie vielversprechend ankündigte. Um Jandls konkrete Poesie erfahrbar zu machen, hat Ritz den Schlagzeuger Philipp Senft engagiert. Er wird teilweise eigene Percussionsstücke spielen, teils macht er die Gedichte und Lautmalereien hörbar, denn bei den konkreten Gedichten sind die Leerstellen wichtig. "Die literarisch-optische Anregung durch diese Gedichte wird hörbar, weil Senft die Luft dazwischen vertont", erläuterte Ritz, "da knallen einem die Vokal- und Konsonantengewitter um die Ohren."

"Gewisse Brutalität"


Als Gast wird Michael Ritz in einigen Dialogen mitwirken, insbesondere in einem Ausschnitt aus "Der Fremde", dem einzigen Theaterstück Jandls. Auf der Bühne steht hier das Alter Ego von Jandl und seiner Frau Friederike Mayröcker. "Das ist trocken und hat eine gewisse Brutalität", findet Ritz.

Parallel zum Erwachsenenprogramm gibt es unter dem Motto "Kinderbuchschnuppern!" erstmals auch ein Angebot für Kinder und Eltern. Kinderbuchexpertinnen, die sich mit jungen Bücherfreunden beraten haben, werden vorlesen. Wie Christina Baumann, die als Deutschlehrerin und Mutter eines Kindergartenkindes bestens mit der Materie vertraut ist, erläuterte, werden Bücher für drei Altersgruppen vorgelesen. Für die Vorschul- und die Grundschulkinder sowie für die Schüler der Klassen 5 bis 7 haben die Fachfrauen je zwei Bücher ausgewählt, nämlich einen Klassiker und eine Neuerscheinung.

Außerdem sind viele weitere Bücher da, in denen die jungen Besucher schmökern können. "Wir wollen den Kinder- und Jugendbuchbereich wieder stärker im Literaturhaus etablieren", führte Preuß aus, "deshalb sind uns Familien mit Kindern besonders willkommen."

Außerdem können die Besucher ihr Wissen über Literatur auffrischen und ergänzen. Die Dauerausstellung und die aktuelle Sonderausstellung "Unabhängig bleiben! Zur Geschichte des Verlags Klaus Wagenbach" sind zu besichtigen. Dort findet man auch die Lösungen zum Literaturquiz. Es gibt schöne Buchpreise zu gewinnen. Das literarische Programm wird von einem Brotzeit- und Kuchenbüfett, Bier vom Fass und Cocktails ergänzt. "Wir freuen uns auf viele Besucher, die hereinschnuppern, denn unser Sommerfest ist zugleich ein Tag der offenen Tür", schloss Preuß.

Der Nachmittag beginnt mit der Mitgliederversammlung des Vereins Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg. Das Sommerfest des Literaturhauses startet am Samstag, 9. Juli, um 16.30 Uhr. Das Programm "Ernst Jandl. Ein unernster Nachmittag" fängt um 17.30 Uhr an.
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