Longlist für den Deutschen Buchpreis veröffentlicht - Autoren aus der Region hoffen auf ...
Ortswechsel für literarische Impulse

Akos Doma, in Amberg aufgewachsener Schriftsteller mit ungarischen Wurzeln, ist mit seinem Roman "Der Weg der Wünsche" auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis vertreten. Am 22. September stellt er seinen Roman "Der Weg der Wünsche" im Literaturhaus Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg vor. Bild: pg
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
24.08.2016
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"Es kommt auf den Blick fürs Besondere, auf das Gespür für das, was in der Luft liegt, an, das man als Autor oder auch als Autorin braucht." Zitat: Patricia Preuß, Programmleiterin Literaturhaus Oberpfalz

20 Titel stehen in der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Unter den Autoren ist auch ein Amberger - Akos Doma darf auf die mit 25 000 Euro datierte Auszeichnung hoffen. Doch damit ist er nicht der einzige in der Region bekannte Autor.

Die Longlist für den Deutschen Buchpreis wurde am Dienstag veröffentlicht. Unter den 20 ausgewählten Autoren sind mindestens drei vertreten, die mit der Region Ostbayern biographisch verbunden sind. Für Patricia Preuß, Programmleiterin beim Literaturhaus Oberpfalz, sind alle Anwärter gute Bekannte:

Denn Gerhard Falkner (mit dem im Berlin-Verlag erschienen Berlin-Roman "Apollokalypse") und Ernst-Wilhelm Händler ("München", ein im S. Fischer-Verlag erschienener Gesellschaftsroman) waren schon wiederholt bei ihr zu Gast. Und mit Akos Doma, in Kastl aufgewachsener Sohn einer aus Ungarn geflohenen Familie, darf sie einen der drei platzierten Autoren am 22. September im Herbstprogramm im Literaturhaus Oberpfalz begrüßen.

Olympia ist vorbei - aber wenn man die Longlist für den Deutschen Buchpreis als eine Art von Medaillenspiegel liest, dann kann Ostbayern stolz sein: Unsere Region ist mit drei Autoren vertreten.

Patricia Preuß: Ja, stimmt! Aber ich sehe noch einen Vierten in der Runde: Thomas von Steinaecker mit seinem Roman "Die Verteidigung des Paradieses", der einen Teil seiner Jugend in der Oberpfalz verbrachte und in Oberviechtach zur Schule gegangen ist. Er versteht sich gut mit Ernst-Wilhelm Händler.

Genau: Ernst-Wilhelm Händler hat ebenso wie Gerhard Falkner eine starke Bindung an die Region ...

Zumindest leben sie teilweise in unserer Gegend: Gerhard Falkner, geboren in Fürth, pendelt seit Jahren zwischen Weigendorf und Berlin. Weigendorf liegt ja nur zehn Kilometer westlich von Sulzbach-Rosenberg, ist also quasi ein Grenzort zwischen der Oberpfalz und Franken. Und Ernst-Wilhelm Händler lebt in Regensburg und war vor seiner Existenz als freier Schriftsteller Unternehmer mit einer Firma in der Nähe von Cham.

Und der letzte im Bunde, Akos Doma, ist zwar kein gebürtiger Oberpfälzer, aber er ist hier in Kastl und in Amberg tief verwurzelt.

Ja, Akos Doma kam in den 1970er Jahre mit seiner Familie aus Ungarn in die Oberpfalz. Er war ein Jahr am Ungarischen Gymnasium in Kastl, um schließlich sein Abitur am Erasmus-Gymnasium in Amberg zu erwerben. Er ist also in der Oberpfalz aufgewachsen.

Im Oktober 2012 war Akos Doma bei Ihnen im Literaturhaus zu Gast. Er hat seinen damals erst im Entstehen begriffenen Roman "Der Weg der Wünsche" vorgestellt, der noch unter dem Titel "Plattensee, einfach" firmierte.

Er las damals ein erstes, unveröffentlichtes Kapitel, das von der Situation der Familie vor der Flucht erzählt und in das Budapest der 1940er Jahre zurückblickt. Akos Doma war damals gerade Grenzgänger-Stipendiat der Robert Bosch Stiftung; das ist ein Reise- und Recherche-Stipendium und war wichtig für die Arbeit am Roman, denn er hat so einige Flucht-Orte noch einmal aufsuchen können -etwa in Italien, wo sich die erste Station der Familie im Westen befand, in dem Flüchtlingslager Padriciano, unweit von Triest.

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Wenn eine Handvoll Autoren aus Ostbayern auf der Longlist vertreten ist, dann heißt das, dass große Literatur auch hier ihre Themen findet?

Ich bin mir da nicht so sicher, ob man etwas so Lebendiges wie Literatur an etwas so Statischem wie einem Ort festmachen sollte. Mit Blick auf die oben Genannten ist es vielleicht gerade der Ortswechsel, der für die literarischen Impulse sorgt - wenn es denn auf einen Nenner gebracht werden soll.

Ansonsten kommt es wohl eher auf den Blick fürs Besondere, auf das Gespür für das, was in der Luft liegt, an, das man als Autor oder auch als Autorin braucht. Dann kann man seine Themen in der Oberpfalz ebenso gut finden wie in Berlin oder New York.

Es kommt auf den Blick fürs Besondere, auf das Gespür für das, was in der Luft liegt, an, das man als Autor oder auch als Autorin braucht.Patricia Preuß, Programmleiterin Literaturhaus Oberpfalz
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