Martin Kälberer spielt solo
Klingende Entdeckungsreise

Seine Begeisterung für Gongs und Klangschalen fand ihren Höhepunkt in der Entdeckung des Hang, der Martin Kälberer neue Formen des musikalischen Ausdrucks erlaubt. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
14.11.2016
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Als Kind trommelte er auf Töpfen oder Tonnen, heute ist seine Musik eine"Klang gewordene Welt aus Metall". Seine Zuhörer sind beides zugleich: gespannt und entspannt, atemlos still und begeistert applaudierend. Martin Kälberer solo stellte im Seidel-Saal seine neuen Projekte vor. Ein Erfolg.

Zwölf Jahre lang tourte Martin Kälberer mit Werner Schmidbauer, seit Sommer vergangenen Jahres steht er nur noch solo auf der Bühne. Im Seidel-Saal übrigens schon zum dritten Mal. Der Unterschied zu früher: Es gibt kein einengendes Konzept mehr, sagt er, sondern immer mehr die freie improvisierte Musik. "Ich möchte einfach nur spielen, einen offenen musikalischen Weg gehen, vielleicht mich selber überraschen".

Seine Musik bezeichnet Martin Kälberer als eine Art Zustandsbeschreibung und den Versuch, ein Klang-Bild der Welt zu zeichnen, so wie er sie wahrnimmt. In unruhigen Zeiten schafft er sich mit seinen Melodien "Inseln, auf die ich mich zurück ziehen kann".

Solche Orte zeigt Kälberer in seinem Album "Suono" wie auch in der neuen Platte "Morgenland" auf, die er frisch gepresst im Seidel-Saal anbietet. Der 49-Jährige begibt sich dabei auf eine klingende Entdeckungsreise durch sein musikalisches Ich. Mal melancholisch anklagend, mal elegisch, pulsierend bis hin zu leicht und beschwingt eröffnet er spielerisch neue Facetten der - auch synthetischen - Klaviermusik. Mit teils exotisch anmutenden Instrumenten wie zum Beispiel der kleinen Korbrassel - übrigens gekauft im Eine-Welt-Laden Sulzbach-Rosenberg - und vor allem des Hang baut er auf der Bühne seine Klangwelten auf. Ihr archaischer, manchmal mystischer Ton ist ein zentraler Bestandteil der künstlerischen Sprache Martin Kälberers, der in vielen musikalischen Welten Zuhause ist.

Sein bevorzugtes Instrument, das Hang, hat Kälberer in gleich vier Exemplaren mitgebracht. Dieses Gerät aus zwei miteinander verklebten Halbschalen aus Stahlblech spielt er mit der ganzen Hand. Finger, Daumen, Handfläche, Knöchel. Er berührt, tippt, streicht und zupft, erzeugt Schwingungen und unterschiedliche Klangfarben. Zur Unterstützung setzt der Künstler die Loop-Station ein und immer wieder die eigene Stimme.

Mit geschlossenen Augen, versunken in sein Spiel, so erleben die Zuhörer im Seidel-Saal Martin Kälberer. Er braucht keine Noten, keinen Komponisten, und manchmal hat man den Eindruck, er braucht auch nicht das Publikum für seine Musik und seine Welt.

Dass dabei absolute Stille herrscht im voll besetzten Saal, erstaunt und freut ihn. Gern ist er auch bereit, nach einem Wunsch aus dem Publikum seine Instrumente zu benennen und kurz zu beschreiben. Natürlich lehnt er auch die Bitte nach Zugaben nicht ab. Die letzte davon ist ein Farewell für den verstorbenen Leonard Cohen - der bewegende Abschluss eines ganz besonderen Abends.

Neuer TerminEin Dank an Fred Tischler von der Kulturwerkstatt für die Einladung, an Max Tischler für das Licht und Sebastian Garreis für den Ton waren wichtig für Martin Kälberer.

Das Publikum bat er um einen Eintrag in seinem Gästebuch - ganz altmodisch mit Papier und Stift -, und gleichzeitig lud er zum Wiedersehen und -hören ein am 10. November 2017 im Seidel-Saal mit neuem Programm. (hka)
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