Martin Walker im Capitol
Sprachen im Duett

Normalerweise liest Martin Walker (rechts) anderen aus seinen Büchern vor. Den Part übernimmt diesmal Richard Reisinger für den Autor und zitiert deutsche Passagen aus der englischen Originalfassung "Eskapaden". Bild: Schäfer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.05.2016
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Bei Martin Walker macht ein gutes Tröpfchen den entscheidenden Unterschied: Vor einer Lesung habe er immer Lampenfieber, verrät der schottische Bestseller-Autor im rappelvollen Capitol. "Aber nach einem Glas Wein bin ich eine Rampensau."

Und daran lässt der brillante Unterhalter gemeinsam mit seinem nicht minder talentierten Partner des Abends, Landrat Richard Reisinger, in den folgenden zwei Stunden keine Zweifel.

Den launigen Grundton der Lesung gibt Buchhändler und Veranstalter Ralf Volkert schon bei der Vorstellung der beiden Hauptakteure mit Bekenntnissen zum eigenen Sprachtalent vor. Walker hakt an diesem Punkt ein und beklagt, dass seine deutschen Altersgenossen die Beatles, die Stones und natürlich Bob Dylan zur Reifung ihrer Englisch-Kenntnisse nutzen konnten.

Einwandfreies Deutsch


Er hingegen fand damals erst einmal nichts, um sein Schul-Deutsch aufzupolieren. Dann ebneten Kurt Weill und Lotte Lenya mit der Seeräuber-Jenny und Mackie Messer den Weg, bis schließlich "Die Toten Hosen" und "An Tagen wie diesen" die Vollendung einläuteten. Vom offenkundig tiefgestapelten "primitiven" Deutsch kann bei dem gelernten Historiker und politischen Journalisten, der heute zwischen den USA und der Wahlheimat Périgord pendelt, jedenfalls keine Rede sein.

Angesichts der polyglotten und kosmopolitischen Ausrichtung des Schriftstellers schraubt Reisinger hintersinnig die Erwartungen an seine Person herunter: "Von mir haben Sie nichts Größeres zu befürchten, ich pendle zwischen Sulzbach-Rosenberg und Amberg." Und überhaupt bedürfe es für die Vorstellung des druckfrischen, achten Bruno-Krimis vielleicht eher eines Anglisten statt eines Romanisten.

Ganz sicher nicht, denn Reisinger kann den anglistischen Bereich nicht nur abdecken, er erweist sich vielmehr als begabter, angenehm zurückhaltender Vorleser der deutschen Passagen aus "Eskapaden". Auch Walker lauscht offensichtlich angetan und entspannt der deutschen Fassung seines Textes und übernimmt dann nahtlos mit seiner englischen Originalfassung.

Länder verknüpft


Dabei verströmt er vor allem die unvergleichliche Authentizität des geistigen Schöpfers, französischen Flair und präzise Charakterstudien seiner Figuren, die mindestens genauso wichtig sind wie der alles verbindende Mord, den Bruno, Chef de Police, auch diesmal wieder aufklären muss.

Wert legt Walker im Übrigen auch auf historische Elemente, für die er unter anderem aus seinem reichhaltigen Fundus als "Guardian"-Korrespondent schöpfen kann. In "Eskapaden" verarbeitet er Begegnungen aus seiner Moskauer Zeit in der Ära Gorbatschows. So entdeckt der deutsche Bruno-Fan beispielsweise interessante Verstrickungen zwischen Frankreich und der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg und danach.

Leidenschaftlicher Koch


Gemäß seiner Selbstdeklaration als "Rampensau" ist der Autor mit dem Zuklappen des Buchdeckels lange noch nicht an Ende. Im Gegenteil, jetzt dreht der Auflagen-König noch einmal richtig auf - mit seinem mehrfach preisgekrönten Bruno-Kochbuch. "Sie sind schuld", schleudert er ins euphorisierte Publikum, denn die Rezeptanfragen der Leser lassen keine Wahl.

Weil Fotografen aber teuer seien, habe sich das koch-begeisterte Ehepaar Walker in fünf Tagen durch 90 Rezepte gekämpft. Es gibt vermutlich schlimmere Szenarien, und ein Schlückchen von der mit einem Freund gekelterten "Cuvée Bruno" wird auch da helfen.
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