Mathias Kellner testet sein neues Album im Seidel-Saal auf Bühnentauglichkeit
Kettnkarussell im Probebetrieb

Auf der Kleinkunstbühne der Historischen Druckerei Seidel führte Mathias Kellner (links) durch die Songs seines neuen Albums, das am 7. Oktober erscheint. Roadie Otto Schellinger unterstützte ihn musikalisch. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
20.09.2016
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Gut, dass es Mathias Kellner nie lange ohne Auftritte aushält. Noch vor dem eigentlichen Tourstart testete er im Seidel-Saal die Lieder des kommenden Albums "Kettnkarussell" auf ihre Live-Qualitäten. Eine echte Premiere sozusagen.

Ab Ende September geht der gebürtige Straubinger auf eine mehrmonatige Tournee. So livehaftig wie in Sulzbach-Rosenberg wird er aber wahrscheinlich nicht mehr zu erleben sein. Gänzlich ungeschminkt präsentierte er fast alle Lieder seiner neuen CD und testete somit ihre "Bühnentauglichkeit" bei Livekonzerten.

Runder Bühnenklang


Manche seiner eingeschworenen Fans wussten das natürlich und scheuten keine weite Anreise. Dafür kamen sie in den Genuss von raren Liveversionen seiner Songs, die bei späteren Auftritten im Laufe der Tournee eventuell wieder wegfallen. Allerdings hatte man nicht den Eindruck, das manche Lieder auf der Bühne noch "unrund" klingen, befand der Meister selbst.

Bei seinen Liedansagen merkt man, das es dem Niederbayern keine großen Schwierigkeiten bereitet, neue Lieder zu schreiben. Er verarbeitet einfach seine Erlebnisse im Alltag und verpackt sie mit geschickten Gitarrenarrangements. Manche Lieder hat er schon länger auf dem Schirm. Sie handeln von seinem Großvater und seinen Kumpels, als die bei Schnaps, Zigarren und Kartenspiel in der Dorfwirtschaft saßen.

Andere entstanden durch einen kaputten Cassettenrecorder, der wochenlang immer nur das gleiche englischsprachige Lied zuließ. Man muss die Lieder nur oft genug anhören, dann fällt einen ganz automatisch die dazugehörige bayerische Übersetzung ein.

Im Titelsong Kettnkarussell behandelt Kellner die Bereitschaft der Menschen, sich auf das Leben einzulassen. Manche steigen zaghaft aufs Karussell auf, anderen kann es dagegen gar nicht schnell und heftig genug gehen. Wieder andere lassen es ganz bleiben - es könnt' ja was passieren.

Gegensätze liebt Kellner, eine süße Melodie und dazu einen bitterbösen, krassen Text. Zum Beispiel der ehemalige Mitschüler, die "bleede Sau". Er findet das man im Leben sowieso besser zurechtkommt, wenn man einsieht, das man ein bisschen gestört ist. Durch diese Einsicht kann man dem Leben mehr positive Dinge abgewinnen, denn "das Leben ist gar net so schlecht". Als Kellner kürzlich nicht auf Tournee war, sei ihm so langweilig gewesen, dass er sogar den Fernseher eingeschaltet habe. Das Ergebnis war das Lied "Zipfelgsicht", das er einem unbekannten MTV- Star widmete.

Drei Gitarren reichen


Die Songs aus seinem mittlerweile dritten Album bestechen nicht durch musikalische Virtuosität. Drei unterschiedlich gestimmte Gitarren genügen, sie vorzutragen. Der Reiz seiner Lieder besteht eindeutig in der Glaubwürdigkeit der Geschichten; alle in Mundart. Seine Songs schreibt das Leben mit all den Auf und Abs.

Musikalische Unterstützung erfuhr Kellner übrigens spontan von seinen Roadie Otto Schellinger, der auch drei Lieder als kleines Vorprogramm zum Besten gab. Nachdem das beim Publikum gut ankam, erlaubte ihm Kellner, auf der Bühne zu bleiben. Die meisten Lieder sind ganz einfach zum Spielen, in D-Dur. Im Laufe des Konzerts wurde sein Mitstreiter gar als Ein-Mann-Orchester vom Meister gelobt.

Glückliches Publikum


Nach einer Pause griff Kellner auf seine alten Lieder zurück. Damals, 2014, als die Welt noch in Ordnung war: "Uli Hoeness saß noch im Gefängnis und Kaiser Franz Beckenbauers Ruf war noch unbeschadet." Nach fast drei Stunden hinterließ Kellner ein glückliches Publikum im vollen Seidel-Saal.
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