Michael Altinger im Saal der Berufsfachschule für Musik
„Schee, dass i da bin“

Die Szene beweist es: Mit messerscharfem Verstand begeisterte Kabarettist Michael Altinger sein Publikum im ausverkauften Saal. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
18.01.2016
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Mit messerscharfem Verstand und feinem Humor unterhielt die bayerische Kabarettgröße Michael Altinger sein Publikum am Freitagabend auf das Köstlichste. Geistig blieb er allerdings, wie er sagte, immer zu Hause - im Heimatdorf Strunzenöd.

"Schee, dass i da bin", begrüßte Michael Altinger sein Publikum im seit Wochen restlos ausverkauften Saal der Berufsfachschule für Musik. Da könnte man meinen, dass dieser Mensch da auf der Bühne eine gehörige Portion Arroganz intus hat.

Doch weit gefehlt: Als sich nach zehn Minuten plötzlich die Tür öffnet und noch einmal vier zahlende Zuschauer in den Saal treten, beginnt er sein Programm von vorne, damit sie den Faden zum Restprogramm nicht verlieren.

Dies kann schnell passieren, denn ständig wechselt Altinger von seinem Heimatdorf Strunzenöd hinaus in die weite Welt nach Solingen oder Neuseeland. In erster Linie geht es Altinger darum, seinem Publikum ein Geschenk zu machen, ihm Freude zu bereiten. Dies funktioniert aber nur, wenn auch Vorfreude da ist. Wie wenn man am Weihnachtsabend schön langsam die Schleife vom Paket löst, statt sich drauf zu stürzen.

Altinger fragt dann gleich, ob auch jemand hier ist, der die Eintrittskarte nicht unterm Weihnachtsbaum gefunden hat - ehrlich melden sich zehn hartgesottene Fans. Nicht wenigen der im Schnitt über 50-Jährigen im Saal spricht er aus der Seele, wenn er sich nach der guten alten Zeit sehnt, als Telefon und Kommunikation noch nicht Volkspflicht Nummer 1 waren.

Muss man Kindern heutzutage schon ein 400-Euro-Smartphone schenken, "damit sie uns immer erreichen können, wenn mal was ist"? Wenn die Kinder dann gegen den Laternenpfahl rennen, weil sie gerade mit der Kinder-App spielen, bewirkt das nicht immer den gewünschten Effekt. Außerdem sollte man als 18-Jähriger heute mindestens schon einmal in Neuseeland gewesen sein, seinen Bachelor haben und mit 23 für den Rest seines Lebens auf seine Jugend zurückblicken.

In seiner eigenen Jugend war Altinger, wie er sagt, "ein ungeschliffener Diamant, ein Depp, der mit seiner Gitarre in der Hand am Lagerfeuer auf seinen großen Auftritt wartete". Der kam schließlich dann, als ihm ein Nebenbuhler die Gitarre aus der Hand riss und Altingers Angebetete begeisterte.

Der letzte Tempel in unserer modernen Welt ist unser Körper, heißt es. "Was hilft uns diese These, wenn man beim Starkbierfest kein Starkbier mehr bestellt, weil man leider keine Zeit zum Ausschlafen hat?" Denn am nächsten Morgen wartet ja schon der nächste Programmpunkt, und sei es auch nur ein teurer Buckelkratz-Workshop.

Musikalisch unterstützt wurde Altinger von der Martin-Julius-Faber-Band, die aus Martin Julius Faber an Keyboard und Gitarre besteht. In seinem zwei Stunden-Programm lief der Kabarettist zu Höchstform auf, obwohl er doch nur physikalisch anwesend war: Im Geiste ist er nämlich immer in seinem Heimatdorf Strunzenöd.
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