Misha Quint und Jean-Bernard Pommier eröffnen das 11. Sulzbach-Rosenberger International Music ...
Horizont zur Avantgarde gestreift

Gelungener Auftakt des 11. Sulzbach-Rosenberger International Music Festival (SRIMF). Cellist Misha Quint und Pianist Jean-Bernard Pommier begeistern das Publikum mit französischen Klängen. Bild: Wolfgang Steinbacher
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
04.08.2016
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Cellist Misha Quint und Pianist Jean-Bernard Pommier eröffnen das 11. Sulzbach-Rosenberger International Music Festival (SRIMF) mit französischen Klängen. Eine glückliche Wahl, denn Pommier ist Franzose, Quint ist Liebhaber der Musik und das Publikum schon nach den ersten Tönen frankophil.

An den Beginn des Programms stellen die Musiker auf Augen- und Ohrenhöhe Gabriel Faurés "Élégie" und spüren im intensiven Zwiegespräch den romantisch geprägten und doch bereits erkennbar modernen Vorstellungen des Komponisten mit der Vorliebe für filigrane Klanggestaltung nach. Mit César Franck, einem eingebürgerten Franzosen, bleiben Quint und Pommier dem Dunstkreis der neueren französischen Kammermusik treu. Die viersätzige, dem berühmten belgischen Geiger Eugène Ysaÿe zur Hochzeit gewidmete Sonate besticht allerdings mit bereits deutlich ausgeprägter Moderne, was Quints zupackender und an diesem Abend auch schweißtreibender Arbeit am Instrument sehr zugute kommt.

Herausfordernder Kraftakt


Noch deutlicher den Horizont zur Avantgard streift Claude Debussys späte Sonate für Violoncello und Klavier. Auch dies für die beiden Ausführenden ein herausfordernder Kraftakt aus Prologue, Sérénade und Finale, der sich bei Pommier in Aufstampfen und bei Quint in hartem Strich entlädt.

Dagegen bleibt den beiden unter die Franzosen geschmuggelten deutschen Komponisten Max Bruch und Alfred Schnittke das Schwelgen des Abends vorbehalten. Letzterer zählt zwar zur zeitgenössischen Epoche, hat mit der "Suite im alten Stil" jedoch ein melodiöses Werk vorgelegt, dessen schwebende Leichtigkeit und tanzende Fröhlichkeit unter den Händen der beiden versierten musikalischen Virtuosen nie zur Leichtfertigkeit verkommt.

Eine eindringliche Interpretation findet auch das von Max Bruch bewegend vertonte Gebet "Kol Nidrei" zum jüdischen Versöhnungstag "Jom Kippur". Während Quint sein Cello mit dem zarten Unterton der Hoffnung auf Vergebung wehklagen lässt, setzt Pommier wie im gesamten Konzert fein und präzise akzentuiert die damit korrespondierten Schmerzpunkte - immer musikalisch auf dem Punkt gebracht.

Respektvolle Spannung


Bei der Zuhörerschaft im voll besetzten Rathaussaal mündet die auf diese Weise bis zum Schluss gesteigerte respektvolle Spannung in Beifallsstürmen, während die beiden Künstler ihre Leistung mit Handschlag besiegeln. Quint lässt sich dann auch nicht lange betteln und verkündet seinem Publikum auf deutsch die Fortsetzung mit Französischem. Es folgt Maurice Ravel mit seiner, allerdings hörbar spanisch beeinflussten "Pièce en forme de Habanera".

Kleines Bühnengeplänkel


Daran haben alle Freude, aber längst noch nicht genug. Nach einem kurzen Bühnengeplänkel über die Vorliebe für französische Musik befindet Misha Quint, dass das Konzert noch nicht beendet sei und überlässt Jean-Bernard Pommier die Ankündigung des Quintschen Bravour-Stückchens, dem "Schwan" aus Camille Saint-Saëns "Karneval der Tiere".

Perfekter hätten die Künstler den Kreis nicht schließen können, ist Saint-Saëns doch kammermusikalischer Mitstreiter von Gabriel Fauré, mit dem das begeistert aufgenommene Konzert begonnen hatte.
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