Mundart im Seidel-Saal
Bauernsfünfer ziehen vom Leder

Die Formation "Original Bauernsfünfer" bilden (von links) "da Aaner" Uli Radl, der "Weberknecht" Bernd Pirner und "da Oine" Dominik Niklas (rechts). Bild: gf
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
11.01.2016
109
0

Zweimal ausverkauft war die Seidel-Druckerei, als am Wochenende die Original Bauernsfünfer gastierten. "Da Oine" ist Dominik Niklas aus Edelsfeld, "da Aaner" ist Uli Radl aus Weißenberg und für den Rhythmus sorgt Bernd Pirner aus Hackern, der "Weberknecht", weil er so lange Haxen hat.

"Da Oine" ist Diplom-Klarinettist, kann gefühlte 100 000 Blasinstrumente spielen, "da Aaner" schlägt sich im Zivilberuf als Sonderschulkonrektor durchs Leben und zu Hause sind sie auf den Bühnen der Welt, so im Bereich Gerhardsberg, Haunritz, Sitzambuch und Amberg bis fast nach Nordafrika, etwa am Nordufer des Chiemsees. "Habt's wohl heut' die Weihnachtsgeschenke eingelöst", meint der Uli Radl, weil sonst "waar" die Druckerei Seidel nicht so voll. Im Lied von der Sau findet die ihre Ruhe in des Bauerns Tiefkühltruhe und die Sau hat "da Aaner" gern, vor allem als Mettwurst oder Schnitzel.

Eine besondere Spezies von Menschen seien die Nachbarn, aber letztlich seien wir ja alle irgendwie Nachbarn. Auf wenige Worte beschränke sich in der Oberpfalz die Antwort auf die Frage, wie es gehe. Mehr als ein "ja" bringe der Gefragte nicht raus, eine Steigerung sei "ja genau" und das absolute Superlativ sei "ja genau ja he bombig he". Man riecht ihn fast im Seidel-Saal, den Goasbock vom Wirt, so "da Aaner", denn den Goasbock kann er schon riechen, selbst wenn der erst am nächsten Tag kommt.

Suppe und chillen


Leberknödelsuppe und chillen mit Freunden seien Radls Leibspeise und dann hat er einige Kinderreime drauf und erzählt von den Weiber-G'schichten, dem Kaffee, der nach "Zeiakas" schmeckt oder der Nacht, in der er durchbussiert habe. Erschrocken sei er beim Aufwachen, als er nur Kuhmäuler vor sich gesehen hat. Anders betont und mit der richtigen Melodie hinterlegt, klingt "he geh du assa oder i kumm eine" wie ein Song aus dem tiefsten Afrika. Im meditativen Hehner-Lied geht es um die Hühner-Zucht.

Leidenschaftlich schaut "da Aaner" den Hühnern beim "Gochern" zu. Wahnsinnige choreografische Fähigkeiten verlangt der Brotzeitplattler seinen Künstlern ab, aber die Bauernsfünfer bringen das perfekt hin, selbst bei gesteigertem Tempo. Als Holzfüchse und Holzrücker sind die Bauernsfünfer mit der Kettensäge im Wald unterwegs und jeder will den größten Holzstoß haben.

Die Kattl sei eine Hantige, so der Radl, außerdem ein Weib, das rieche, wie ein Keibl im Regen und Haare habe sie auch auf den Zähnen. Einen Mann wolle sie abbekommen und den kriegt sie dann auch, selbst wenn der kein Adonis ist. Mit "Buenos Dias Kuni Schmie" geht es nach Spanien. Die Kuni Schmie ist eine reiche Bauerstochter, die ihre ganze Habe zusammenrafft und nach Spanien reist. Ganz verzweifelt sind die Eltern, fragen sich, womit sie dieses Luder verdient hätten. Irgendwann als ihr das Geld ausgegangen war, kommt die Kuni zurück, hat einen Spanier dabei und eine Tochter.

Traktor auf Spanisch


Was heißt Traktor auf Spanisch, überlegt der Vater, ist dann glücklich, als der Galan seiner Tochter perfekt mit dem Mähdrescher umgehen kann. In der Bauern-Disco geht es hoch her. Die biergestählten Körper zucken zum Rap "Fendt, Deutz, Eicher, Steiger" oder "Kuh, Milch, Gülle". Die Bauernsfünfer nehmen sich selbst, aber auch ihre Zuhörer auf die Schippe, hintergründig und mit messerscharfer Zunge.

Das Landleben zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Repertoire, die Gummistiefel sollen auf den Bauernstand hinweisen, selbst wenn weder Mist noch Gülle daran haften.
Weitere Beiträge zu den Themen: Radl (2)Bauernsfünfer (2)Chillen (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.