Mundartlesung mit Dieter Radl im Seidel-Saal
„Doktere mim Jackerl aas Fuchs“

Aus einem riesigen Repertoire an Erinnerungen schöpft Dieter Radl bei den Lesungen - nicht zuletzt von der "Bindergass als Kindergass". Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
26.04.2016
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Er spricht von Sulzbacher Originalen und ist doch selbst eines. Schier unerschöpflich ist Dieter Radls Erfahrungsschatz, lebendig schildert er seine Kindheit und manche Begebenheit "aaf da Gass". Die detailreiche Beschreibung ist seine Stärke, aber auch der hintersinnige Humor. Der Dialekt ist immer dabei, was natürlich auch das Publikum im Seidel-Saal mit viel Beifall honoriert.

Sicher, er muss nicht mehr besonders vorgestellt werden. Bei der Benefizveranstaltung des Fördervereins "Historische Druckerei Seidel" vermittelt der pensionierte Lehrer, Humorist und Dialekt-Verehrer Dieter Radl in seiner unnachahmlichen Art gleich zu Beginn, dass es ihm eine Freude ist, von seinen Erlebnissen und Schelmenstücken vor so vielen bekannten Gesichtern zu erzählen.

Fördervereinsvorsitzender Peter Geiger hielt sich dann auch nicht lange mit großen Vorreden auf und ließ - nach Hinweisen auf die Vorzüge unseres Dialekts - die Hauptperson des Abends gewähren. Unterstützung kam von Bernhard Luber, der zwischen den Gsetzl-Blöcken mit seiner Diatonischen aufspielte.

In die Wiege gelegt


Radl, Jahrgang 1942, gibt sich nicht als Star, er gehört zum ganz normalen Volk und besticht durch seine ureigene Art, die ihm anscheinend in die Wiege gelegt wurde. Liebe zur Heimat, Freude am Dialekt und am Erzählen überhaupt ziehen sich wie der berühmte rote Faden durch sein zweistündiges Programm, bei dem es immer dann ganz besonders zünftig wird, wenn sich einige unter den Gästen an die in den Versen vorkommenden Personen gut erinnern können. Verschmitzt und voller Elan sorgt Dieter Radl für beste Unterhaltung in seiner Heimat, die man nach seinen Angaben "auf der Zunge tragen" sollte. Deshalb hält er stets in seinem Werk den Oberpfälzer Dialekt hoch, er beherrscht ihn perfekt, gibt der Lautmalerei breiten Raum, sorgt für enorme Bildhaftigkeit in seinen Beiträgen. Genauso fordert er aber auch das Publikum auf, für den Dialekt ein offenes Ohr zu haben.

Unterm Strich betrachtet, singt Dieter Radl bei seinem Auftritt eine große Lobeshymne auf seine Heimatstadt und die unmittelbare Umgebung. Wir erleben den Lausbuben in der Bindergasse, der "redt wöi nan da Schnowl g'wachsn is". Beim Blasiussegen fordert eine Frau, dass der Nothelfer die Gurgel des Mannes enger macht, die "Heimkehr des Maharadschers" endet direkt im Elternhaus, und beim Frühlingsfest kann man sich unheimlich Geld sparen, wenn man aus den fremden Maßkrügen trinkt, während alle anderen das Feuerwerk anschauen.

Die schelmische Art des Vortragenden steckt alle an, was soweit führt, dass das Publikum oft die letzten Reimsilben laut mitspricht, bevor alles in heftiges Lachen mündet. Eine einzigartige Bildkulisse lässt Radl bei "An an Summerdooch" und "Bauerngattn" entstehen. Der Zuhörer kann sich schnell hineinversetzen - so eindringlich beschreibt der Dichter seine Eindrücke.

Orgeldreehn und Liebe


Lebendig werden die 50er Jahre in der Herzogstadt, wie es halt "fröihas wor". Da ist die Rede vom Orgeldreehn und der ersten Liebschaft, vom Borferds laffn im Summer, von der Boochkirwa mit Originalen wie Schläger-Willi, Kerler-Schmie, Al Capone, der Reinholz-Doktere mitm Jackerl aas Fuchs oder da Schmie-Ratz. Jeden Namen begleiteten die Besucher mit einem Raunen - man kannte sie alle.

Radl lässt den Seidel-Saal auch teilhaben an der Schoufkopfphilosophie, erklärt, was es mit dem Zabferl vom Kaiser auf sich hat, informiert über ein italienisches Radio, das daheim bestimmt nicht funktioniert, berichtet humorvoll von der Schleierfahndung nach einem Einbruch ins alte Landratsamt in der Bindergasse. Und so klar und deutlich Radl angefangen hat, so endet er auch: "Öitz is umme!"

Drei BeispieleBindergass - Kindergass: Wos bin i blaous als junger Bou, aaf da Gass drunt ummerdollt! A Blaadl, Schusser, Schdoi worn gnou! Jen Dooch mid Z'frinsaa zold! Jaouer haan vabläihd! Souch möid alloi di Gass mid Sunner, Lachn, Leit! Wida z'lerner, wäi oin Schusser, Schdoi, wäi oin s'Blaadl wida gfreit!

Gewichtiger Vorsatz: Leichd zwor Zenddn aaf da Waouch, as Aaffeschdeing schou a Drum Blaouch! Wene d'Wambn zammerdrugg,mi naou zum Zeicher owebugg, mir dengg, kaand leichd vül mäijer saa, drum schau aaf's Gwichd und hallde dra, när so zou, so langsder schmeggd, läiwer digg bladsd, als wäi dir gfreggd!

Hoimad (Auszug): Mudder, Vadder, meine Bräider, Braoudwirschd, Bäijer, Wirtshausläider! Wos Hoimad waar, des is so vül, a goldne Ken, a Nesdwirm-Gfühl! Oins ower is's, mäin Lädder, gwis: Ren - wäi da Schnowl gwaggsn is! (oy)
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