Musiktheater "Bertha und der Kuchenteig" der Sing- und Musikschule
Fest für Augen und Ohren

Zur Feier der Vermählung einer Tochter von Herzog Christian August tanzte eine Gruppe des Ballettstudios Magic Shoes zu den barocken Klängen der Jungen Sulzbacher Hofmusik. Bilder: Steinbacher (3)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
17.10.2016
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Das Perkussionsensemble unter Leitung von Johannes Mühldorfer (Mitte) begleitet den Auftritt der vier Akrobaten vom Zirkusverein Neumarkt.

Dreimal volles Haus, dreimal begeistertes Publikum: Das Musiktheater "Bertha und der Kuchenteig" war ein Riesenerfolg. Die musikalische und auch schauspielerische Reise durch die Geschichte der Herzogstadt zeigte mit Humor und Können, wie die Sing- und Musikschule hier verwurzelt ist.

So geht es los: Eine Band studiert "Take five" ein, das Streichorchester mit Flötensolisten probt ein Stück des Sulzbacher Komponisten Zacharias. "Bitte jetzt ein bisschen mehr Freude!", fordert der Dirigent, schließlich sei die Aufführung dieses Werks beim Jubiläum der Musikschule eine Weltpremiere. Alltag an der Sing- und Musikschule (SMS). Aber auf dem Dachboden lockt eine geheimnisvolle Truhe. Immer wieder schleichen sich die Schüler nach oben und entdecken besondere Musikinstrumente, die sie in die Vergangenheit versetzen. So entführt eine Traversflöte Akteure und Zuschauer ins Jahr 1790, ein Tamburin nach 1110, als Bertha von Sulzbach nach Byzanz verheiratet wurde. Musik aus den verschiedenen Epochen, immer in ganz unterschiedlicher Besetzung, lässt die früheren Zeiten lebendig werden. Ergänzt wird die Musik von humorvollen Schauspielszenen.

Zug in der Fantasie


Dabei sind die Musiker immer zugleich Akteure. Regisseurin Sophia Ritz nutzte den ganzen Raum, den die Aula der Krötenseeschule bietet, das ganze Potenzial der SMS, und setzte vielfältige dramaturgische Mittel ein. Um das besondere Flair einer Szene zu erzeugen, brauchte sie fast keine Requisiten, es reichten Fantasie und Musik.

So malen Querflöten die Lokomotive und den Zug, als 1859 der Sulzbacher Bahnhof eröffnet wird. Die Zuschauer sehen die schwere Maschine, sehen, wie die Waggons immer schneller aus dem Bahnhof rollen, obwohl nur Menschen auf der Bühne sind - und eben Querflöten - einfach hinreißend. Die Schauspieler präsentieren die teils sehr anspruchsvollen Texte von Michael Kämmle ausdrucksvoll. Es gibt aber nicht nur viel zu hören, sondern auch zu sehen. Die Kostüme, von Ritz geschneidert, sind ein Augenschmaus. Das Ballettstudio Magic Shoes bringt mit barocken Tänzen und fetzigem Rock'n'Roll Bewegung auf die Bühne.

Engagiertes Teamwork


Vier junge Artisten vom Zirkusverein Neumarkt verdeutlichen den Luxus am Hof in Konstantinopel mit atemberaubender Akrobatik. Dieses kunterbunte Feuerwerk wird mit Leichtigkeit und Mühelosigkeit dargeboten, die die harte Arbeit vergessen lassen, die dahintersteckt.

Alle Mitwirkenden, von der erst neun Jahre alten Flötistin über die vielen jugendlichen Instrumentalisten und Sängerinnen bis zu den erwachsenen Chorsängern und Musiklehrern, wirken engagiert zusammen. So klappt auch der Umbau zwischen den Szenen problemlos, die nüchterne Aula der Krötenseeschule wird verzaubert - in Kommerzienrat von Seidels großbürgerliches Haus, eine spießige 50er-Jahre-Tanzschule oder in die ideensprühende Musikschule.

Chor und Orchester


Unbemerkt hatten währenddessen das symphonisch besetzte Jugendorchester und ein großer Chor ihre Plätze eingenommen. Mit John Miles' Hymne "Music" zeigten sie noch einmal all ihr Können. Mit lauten Bravorufen und stürmischem Applaus feierten die Zuschauer Musiker, Schauspieler, Tänzerinnen, Akrobaten. SMS-Chef Steffen Weber dankte der Krötensee-Mittelschule und ihrem Leiter Peter Danninger für die so oft gewährte Gastfreundschaft. Barbara Wagner, Vorsitzende des Elternbeirats, gratulierte: "Wenn ihr weiter so tolle Projekte macht", versprach Elke Geck-Neidl vom Förderverein, "dann unterstützen wir euch gern auch in Zukunft!"

ErfolgsformelWas macht eine so großartige Leistung möglich? Das erklärte ein kurzer Film während der Aufführung. Professioneller Unterricht durch qualifizierte Lehrkräfte bei sehr guter räumlicher und sachlicher Ausstattung und vor allem Begeisterung - das zusammen sei seit nunmehr 60 Jahren die Erfolgsformel der SMS. (cog)
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