Petros Markaris liest aus "Zurück auf Start" - Vierter Teil einer Krisen-Trilogie
Krimis als trojanische Pferde

Petros Markaris schreibt Krimis, die die griechische Krise messerscharf analysieren. Bild: Otto
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
12.05.2015
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Petros Markaris ist der Sohn eines armenischen Kaufmannes und einer griechischen Mutter. Er wurde in Istanbul geboren, ging auf eine österreichische Schule und lebte später lange Zeit in Wien. Ein Weltbürger, der seine Bücher auf Griechisch schreibt und auf Deutsch vorträgt - wie im Sulzbach-Rosenberger Literaturarchiv, vor ausverkauftem Haus.

Im Gepäck hat er "Zurück auf Start", "der vierte Teil meiner Krisentrilogie", wie er sagt. "Ich hatte schon die drei Bücher der Trilogie geschrieben, aber die Krise war noch nicht zu Ende", ätzt der Schriftsteller. Ja, Markaris hat den sprichwörtlichen Schalk im Nacken, entdeckt auch in tragischen Dingen das Komische - mit einem abgeklärten selbstironischen Esprit, wie er nur in einem langen, ereignisreichen Leben heranreifen kann.

Messerscharfe Analyse

Als er vor der eigentlichen Lesung über sein Leben zwischen den Kulturen spricht, sind bereits etliche Pointen gesetzt, mit Vorliebe über sich - oder die aktuelle Situation in Griechenland, die er messerscharf analysiert und spöttisch kommentiert. Und so wäre es zu kurz gegriffen Markaris einen griechischen Krimi-Autoren zu nennen. Seine Charitos-Romane hat er als Trilogie über die Krise konzipiert. "Es ist eher Zufall, dass eine Kriminalgeschichte daraus geworden ist." Er habe damals auf der Suche nach einem Protagonisten eine stereotype Familie gefunden, die genau in seine Geschichte gepasst habe. "Dass der Mann ein Polizist war, konnte ich nicht wissen. Aber so kam das." Markaris ist ein Chronist der griechischen Krise. Seine Stories sind trojanische Pferde. "Der Kriminalfall ist nur der Anlass und der Ausgangspunkt, um über Geschichte und die Politik zu reden." Zwar ist die Handlung reine Fiktion, die Bezüge zur gegenwärtigen Realität sind aber offenbar. Der Schriftsteller positioniert sich klar und prangert die neonazistische "Goldene Morgenröte" und den ausufernden Rassismus in Griechenland an. So lässt Markaris seinen Helden, den Polizisten Kostas Charitos bereits zum vierten Mal ermitteln. Er schickt ihn durch ein instabiles Athen, in dem der soziale Friede von radikalen Splittergruppen erschüttert wird. In diesem Chaos ist der Kommissar kein Superheld, sondern ein kleinbürgerlicher Familienvater, der ordentlich von der Krise gebeutelt wird - drei Monate ohne Lohn. Überhaupt findet man immer wieder Informationen und Analysen über die Politik - auch am Beispiel des privaten Schicksals von Kostas' Familie.

Drohbriefe und Morde

In "Zurück auf Start" sieht sich der Kommissar mit einer mysteriösen Gruppe konfrontiert, die scheinbar Gerechtigkeit im Lande fordert und der Korruption endlich den Kampf ansagen will. "Die Griechen der fünfziger Jahre" - so heißt die Gruppe - schreiben Drohbriefe und handeln schließlich auch. Morde, damit die Politik nicht nur "zurück auf Start" geht? Es dauert bis sich Charitos Team einen Weg durch einen Dschungel von Korruption und Konspiration gebahnt hat. Und am Ende lässt er seinen Kostas resignierend sagen: "Griechenland mag unsterblich sein, wie es in der Nationalhymne heißt, aber es verändert sich nicht, schon gar nicht zum Guten."
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