Pfarrer Harald Hofmann spricht in der Synagoge über Flucht und Vertreibung voin biblischen ...
Ohne den Islam gäbe es das Europa von heute nicht

Stadtarchivar Johannes Hartmann (rechts) dankte Pfarrer Harald Hofmann (links) für seinen Vortrag über Flucht und Vertreibung. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
07.10.2016
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"Wir können in unseren Paradiesen nicht bleiben, wir werden aus ihnen vertrieben", sagt Pfarrer Harald Hofmann, "das zieht sich seit alters her durch die Geschichte." In der Interkulturellen Woche referierte er in der Synagoge über Flucht und Vertreibung. Und stellte dabei eine provokante These auf.

Schon in der Bibel, führte er aus, gibt es zahlreiche Berichte dieser Art: Adam und Eva mussten das Paradies verlassen, das Volk Israel floh aus Ägypten, Israeliten wurden nach Babylonien verschleppt, die Heilige Familie brachte sich durch Flucht vor Herodes in Sicherheit. Immer wieder berichtet die Bibel von Umwelt- und Kriegsflüchtlingen.

Die Bayern ein Mischvolk


Auch in geschichtlicher Zeit gab es große Wanderungsbewegungen, die Millionen von Menschen - freiwillig oder erzwungen - in ferne Länder brachten. Dadurch kamen alteingesessene Völker mit Neuankömmlingen in Berührung, und manchmal entstand ein neues Volk. Zum Beispiel das Volk der Bajuwaren, der Bayern, das sich aus Slawen und Kelten gemischt hat.

Sicher und besser leben


Im 17. Jahrhundert flohen Hugenotten nach Deutschland, 1945 kamen die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, ab 1990 die Russlanddeutschen. Auch heute sei Deutschland wieder Ziel vieler Menschen, die Sicherheit, Frieden und ein besseres Leben suchten. Die meisten von ihnen seien Muslime, das mache vielen Deutschen Sorge.

"Ich habe keine Angst vor dem Islam", erklärte Hofmann, "ich habe Angst vor dem neuen Heidentum." Deutschland habe 82 Millionen Einwohner. Davon seien nur rund fünf Millionen Muslime. Dann stellte der Referent eine provozierende These auf: "Ohne den Islam gäbe es das Europa von heute nicht."

In der Völkerwanderung sei nämlich die griechisch-römische Antike, eine der Säulen der heutigen europäischen Kultur, weitgehend zerstört worden. Nur die Wissenschaftler des noch jungen Islam hätten damals die Geistesschätze bewahrt und zurück nach Europa gebracht, insbesondere in den Bereichen Medizin, Astronomie, Mathematik und Handel. "Bis zum 18. Jahrhundert wurde die Bedeutung der arabischen Wissenschaft in Europa anerkannt." Erst danach begann sich ein Überlegenheitsgefühl zu entwickeln, wie man es heute bei Pegida antreffe.

Ich habe keine Angst vor dem Islam, ich habe Angst vor dem neuen Heidentum.Pfarrer Harald Hofmann
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