Presse-Club zu Gast in Herzogstadt
Münchens Medienwelt staunt

Vor dem Rathaus erfuhren die Mitglieder des Münchener Presse-Clubs schon mal das Wichtigste über die Stadtgeschichte, bevor es in Synagoge und Seidel-Saal ging. Bild: Gebhardt
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
23.05.2016
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"Mensch, is des aber schön hier bei Euch!" Keine fünf Minuten waren gut dreißig Münchener Medienleute am Sulzbacher Marktplatz ihrem Bus entstiegen, da sprang er auch schon über, der Funke der Herzogstadt mit Flair.

Der renommierte Internationale Presse-Club München machte hier Station. Mit 850 Mitgliedern ist er die größte Vereinigung deutscher Journalisten überhaupt. Obendrein stellt der Verein eine nicht zu unterschätzende Multiplikatoren-Brücke in Bayerns Politik und Wirtschaft, Sport und Kultur hinein dar. Einmal im Jahr brechen die Medienmacher aus der Metropole auf und gehen auf Reisen.

Höhepunkt der Oberpfalz


Nach Donau und Salzburg bot heuer das Jubiläum "500 Jahre Reinheitsgebot" Anlass zu einer Bierfahrt - nach Aldersbach (mit aktueller Landesausstellung) sowie Weiden und Waldsassen (als Oberpfälzer Zoigl-Zentrum). Sulzbach-Rosenberg war gleichsam das spezielle Highlight auf der Heimfahrt. Dieses Ziel war zunächst nicht geplant.

Das Interesse des Presseclubs weckte Anfang Januar jedoch ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über die Herzogstadt und ihren Heimatpfleger. "Die kleine Stadt in der Oberpfalz wird in München allmählich immer bekannter - da wollten wir einfach mal hin", hörte man.

Bürgermeister Michael Göth ließ es sich daher nicht nehmen, die hochkarätige Gästeschar vor dem Rathaus offiziell zu begrüßen. Wenige Tage nach dem 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. führte er sie im Herzen der Altstadt auf profunde Weise in die "Faszination Lokalgeschichte" ein.

Dabei zeigte er die eindrucksvollen Brücken in die bayerische, aber auch internationale Geschichte auf - etwa durch Sulzbachs "neuböhmische Zeit", das Simultaneum, die Maxhütten-Ära oder Kaiserin Berta-Irene von Byzanz.

Internationale Bedeutung


Dann übernahm Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer, er entführte die Besuchergruppe in die Synagoge. Dort erlebten sie hautnah die Früchte der mutigen Toleranzpolitik Pfalzgraf Christian Augusts. Auf der Frauen-Empore beeindruckten Original-Exponate aus der Produktion lokaler Druckereien, die deren internationale Bedeutung dokumentieren.

Zusammen mit Druckerei-Inhaber Siegfried Dorner und "Schweizer Degen" Helmut Spies öffnete der Theologe und Historiker anschließend im Seidel-Saal den Vorhang zu einer multimedialen Präsentation: Dabei erfuhren die Gäste aus der Landeshauptstadt nicht zuletzt, dass in Sulzbach-Rosenberg die Wurzeln des Oberpfälzer Pressewesens liegen.

Hilfe beim Seidel-Saal


Auch Wilhelm Busch und sein "Kuchenteig" durften da nicht unerwähnt bleiben. Thema war auch das aktuelle Bemühen, die national bedeutenden Seidel-Schätze aus Archiv und Bibliothek, Werkstatt, Wohnung und Buchhandlung vor Ort zu sichern und für die Region gewinnbringend nutzbar zu machen.

Die Münchener sicherten hierbei ihre volle Unterstützung zu. Das Team des Café Minerva hatte eine köstliche Brotzeit aufs Büfett gezaubert. Dabei ließ es sich trefflich plaudern, um nützliche Kontakte zu knüpfen.

Die Reaktionen auf die "Station Sulzbach-Rosenberg" waren am Ende durch die Bank begeistert. Die schriftlichen Hinterlassenschaften im Gästebuch, aber auch mündliche Äußerungen zeugen davon, dass die Oberpfälzer Kleinstadt durchaus auch mal "Metropolisten" vom Hocker reißen kann!

Der Münchener Presse-ClubEin Ort, eine Institution, wo sich alle treffen: der "Internationale PresseClub München e.V." Egal ob FJS, Genscher oder Kohl, Mario Adorf, Olof Palme oder die Knef: hier gaben (und geben!) sich die Größen aus Politik und Sport, Wissenschaft und Wirtschaft, Kunst und Kultur die Klinke in die Hand.

Gegründet im Frühjahr 1950, besuchten ungezählte Prominente aus allen gesellschaftlichen Bereichen den Club - erst am Lenbachplatz, dann im Regina-Palast-Hotel, zuletzt im Peterhof am Marienplatz. Wegen Totalsanierung zog man kürzlich für knapp zwei Jahre ins Interimsquartier "Tal 12" um.

Seit Mitte Februar ist Peter Schmalz (Chefredakteur des Magazins "Der Peutinger") neuer Vorsitzender der "führenden Informationsbörse aller Medienschaffenden in der Landeshauptstadt". Pro Jahr bietet diese rund 250 Veranstaltungen an - so zum Beispiel exklusive Pressegespräche mit Landesbischof Bedford-Strohm, Kardinal Marx oder Ministerpräsident Seehofer. Dabei kommen alle aktuellen Themen auf's Tablett - von der Ukrainekrise bis zur Flüchtlingswelle.
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