Projekt-Seminar des Herzog-Christian-August Gymnasiums
Kindermodell geräuscharm, sauber und reizend

Typen-Modelle auf dem Laufsteg - hergestellt in einer Fabrik. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
10.01.2016
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Menschen aus der Fabrik? Eine bedrückende Vorstellung. Einen überaus anschaulichen Eindruck davon gab am Freitag- und Samstagabend, im Saal des voll besetzten Capitols, das Projekt-Seminar des HCA-Gymnasiums.

Als Vorlage dieser höchst kurzweilig inszenierten Eigenproduktion diente Oskar Panizzas Erzählung "Die Menschenfabrik". Darin gelangen zwei Wanderer des Nachts auf der Suche nach einem Quartier in eine unbekannte Gegend und kommen schließlich zu einem Fabrikgebäude, wo ihnen von zwei reizenden Damen Einlass gewährt wird. Die beiden Besucher erfahren, dass hier nichts Geringeres als künstliche Menschen produziert werden. Sozusagen "wie man Brot macht".

Der Direktor sowie der eindringlich dargestellte Professor erläutern den konsternierten Besuchern, wem diese Fabrikate dienen sollen und das diese doch nahezu perfekt an die Bedürfnisse des Marktes angepasst seien. Bei einer Führung durch die Produktionshalle wird den Gästen die Herstellung des künstlichen Menschen vorgeführt - mit allen seinen Vorzügen: er riecht nicht, schmutzt nicht und vor allem - er denkt nicht! Er besitzt keinerlei Emotionen (sogar die Schamesröte ist ihm abhanden gekommen) lästiges Schwanken, Wünsche und Bestrebungen werden vermieden. Die Besucher sehen schließlich auf dem Laufsteg die verschiedensten Erzeugnisse, die bei den unterschiedlichsten Aufgaben ihren Einsatz finden: im Haushalt oder das kräftige Modell in der Landwirtschaft. Sogar ein zuckersüßes Kindermodell, toll dargestellt von Schülerinnen der 5. und 6. Klasse, war auf dem Markt: geräuscharm, reizend, sauber.

Als jedoch ein Fehler im System auftaucht und ein Produkt anfängt zu denken, zudem noch Goethe und Hegel zitiert, gerät die Firmenleitung in Alarmbereitschaft. Doch nach einem Update des Modells ist der Fehler schnell behoben. Die unbequemen Besucher, die schon während des gesamten Stückes ihren Protest zu Gehör brachten, wurden kurzerhand hinausbefördert in die leere öde Gegend, die durch Bildinstallationen eindrucksvoll dargestellt war. Regisseurin Christina Baumann erarbeitete in drei Semestern mit dem P-Seminar - zusammengesetzt aus Schülern der Oberstufe sowie Schülerinnen der 5./6. Klassen - gekonnt diese tolle Stück, wobei die richtige Theater- und Bühnenarbeit erst in den vergangenen Wochen begann.

Auf zwei Ebenen


Mit mehr oder weniger Bühnenerfahrung machten sich die Schüler daran, ein Stück auszuarbeiten, zusätzliche Texte einzuflechten, Proben- und Aufführungsräume zu organisieren, Plakate zu entwerfen und ein Bühnenbild zu bauen. Letzteres stellte sich auf zwei Ebenen dar, die die Akteure auch geschickt nutzten.

Tja, Kunst macht verdammt viel Arbeit, wie schon Karl Valentin sagte. Das wissen alle, die bei einem solchen Unternehmen mit Herzblut dabei sind. Und das haben die jungen Akteure voll und ganz bewiesen.
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