Regisseur Marcus H. Rosenmüller im Capitol
Wohlfühlen und Verlust

Schon im Vorfeld der Lesung hat Marcus H. Rosenmüller der Oberpfalz Komplimente gemacht. An einigen Orten hat er für seine Filme gedreht, als Dichter trat er erstmals im "Capitol" auf.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
30.10.2016
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Von "La Paloma" bis zum Hackebeil-Mörder Fritz Haarmann - Musik und Gesang der Gruppe "Tri Hudebnici" passten perfekt zu Rosenmüllers "Versen aus Olgas Bar". Bilder: hka (2)

Da kommt einer aus der Landeshauptstadt, ist erfolgreich, hat einen Namen. Und dann beschreibt er seinen Auftritt auf einer Provinzbühne als "die schönste Lesung, bei der ich jemals dabei war". Damit hatte Marcus H. Rosenmüller das Publikum im Capitol schon gewonnen.

Die Einladung von Literaturhaus Oberpfalz und "Kultopf" ehre ihn, sagt Marcus H. Rosenmüller, der erfolgreiche Regisseur, der an diesem Abend ausschließlich Dichter ist. Die Hoffnung, dass einer seiner Verse möglicherweise reif für das Literaturarchiv sei, will ihm dessen Programmleiterin Patricia Preuß nicht nehmen, dankt ihm aber für sein Kommen und ebenfalls der Gruppe Tri hudebnici, die den musikalischen Part bei der Lesung übernimmt.

Seine erfolgreichen Filme kennen viele, seine Gedichte eher wenige. Das kann sich ändern, denn 2015 hat Marcus H. Rosenmüller den Band "Samuel Knotterbeck" veröffentlicht mit "alten und neuen Versen aus Olgas Bar". Bereits als Elfjähriger - und das ist immerhin 32 Jahre her - hat der in Hausham am Tegernsee geborene Rosenmüller angefangen zu dichten, orientierte sich an Heinz Erhardt und las Ringelnatz. "Vor dem Film war das Gedicht", sagt seine Biografie, aber dann überholte der Regisseur den Dichter. Sein erster Kinofilm "Wer früher stirbt ist länger tot" war ein großer Erfolg, es folgten mehr als ein Dutzend weitere und eine Vielzahl von Auszeichnungen. Seit 2013 führt Rosenmüller auch Regie beim jährlichen Singspiel auf dem Münchner Nockherberg.

Alter Halunke


Und nun also der Dichter. Sein Alter Ego Samuel Knotterbeck, den "alten Halunken" und Titelfigur des Gedichtbandes, lässt er nur zweimal sprechen beim Abend im Capitol. Dafür aber, mit einem Weißbier an seinem Lesetisch auf der Bühne, kommen ihm Gedanken und Erinnerungen, die, wie könnte es anders sein, spielend vom Skurrilen ins Philosophische gleiten, die von Liebe, Leben und Sterben erzählen, melancholisch oder frivol, für "Verrückte und solche, die es werden wollen".

Rosenmüller, dessen H. für Hausham steht, zur besseren Unterscheidung von dem unter gleichem Namen als Regisseur tätigen Marcus O. Rosenmüller, ist ein Wortjongleur, liebt Gedankenakrobatik, kann sich und sein Publikum auf den Arm nehmen und herzlich lachen. Er beherrscht das schwere Spiel mit der Leichtigkeit wie kaum ein anderer. Die "Begegnung" mit dem Tod, ein Alptraum mit gutem Ende, die Hommage an seine Mutter : "Mama, sollte es die Wiedergeburt geben, dann bringe ich dich auf die Welt", die "Alltagsbewältigung" mit pausenlosem Suchen und Finden oder die Vierzeiler à la "Der Stuhlgang ist das einzige große Geschäft, bei dem man Verlust macht und sich wohl dabei fühlt" - Rosenmüller zündet ein Feuerwerk an Worten, Gefühlen, Nachdenklichem, Skurrilem. "Ich bin nur ein Rädchen im Getriebe, obwohl ich es lieber mit einem Mädchen triebe", bekennt er, agiert als lesender Schauspieler und ist bei aller Lässigkeit ganz erfahrener und gewitzter Profi. Auch als er abschließend Samuel Knotterbeck die Geschichte vom "Kakerlakenkind" erzählen lässt: "Da wussten sie alle in Olgas Bar, was Samuel meinte, und es war keiner unter ihnen, der nicht weinte". Geweint hat keiner der zahlreichen Gäste im Capitol an diesem Abend, gelacht viel, geklatscht sehr viel. Auch Rosenmüllers mehrmals witzig verpackter Hinweis auf die Angebote am Büchertisch scheinen angekommen zu sein.

Perfekt ergänzt


Bleibt noch das Lob der Musik. Tri Hudebnici nennen sie sich, was in Tschechien "Drei Musiker" heißt. Gespielt haben sie zu fünft: Sophie Meier-Rastl mit der Geige, Wastl Meier mit der Tuba, Georg Leugner mit der Klarinette, Uli Lommer mit der Gitarre und Jackl Kraft am Schlagzeug. Und der Lesung angepasst war es diesmal weniger bayrisch-steirische Weltmusik, sondern Unterhaltungs- und Tanzmusik, mit der sie Rosenmüllers Vortrag perfekt ergänzten.
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