"Revolutionäre Ideen" in Vollendung

Das "Bamberger Streichquartett" inszeniert beim 2. Konzert der VHS-Kammermusikreihe Sulzbach-Rosenberg Haydn, Mozart und Beethoven - und erntet dafür Ovationen. Bild: Sebald
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.11.2015
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Wenn das "Bamberger Streichquartett" Haydn, Mozart und Beethoven präsentiert, ist ein volles Haus garantiert. Für seine Inszenierung der Kronjuwelen der Wiener Klassik beim 2. Konzert der VHS-Kammermusikreihe Sulzbach-Rosenberg erntet es Ovationen.

Das Bamberger Streichquartett in der Besetzung Rau'l Teo Arias (1. Violine), Andreas Lucke (2. Violine) Branko Kabadaic (Bratsche) und Karlheinz Busch (Cello) bringt einen ganz besonderen Gast mit. Der Solo-Oboisten der Bamberger Symphoniker, Ivan Podyomov, bringt das reizvolle Oboenquartett von Mozart zum Glänzen.

Ein "Aktivposten" ist auch die Moderation der Werke durch den Cellisten Karlheinz Busch. In anschaulicher, humorvoller Weise stellt er die Werke vor. Am Anfang steht Josef Haydn mit dem "Komplimentenquartett", eines seiner beiden letzten Streichquartette. Hier zeigt sich bereits die Faszination, die die "Bamberger" an diesem Abend vermitteln. Spieltechnisch erwartet souverän, lassen die Musiker die Musik leben. Eindrucksvoll ist die dynamische Gestaltung des markanten Eingangssatzes - ausgesprochen melodiös mit großem Spannungsbogen das ruhige Adagio.

Bamberger erobern Publikum

Im Menuetto kommt Haydn dem Typus der Beethovenschen Scherzi sehr nahe mit dem heftigen, von rhythmischen Akzenten bestimmten Charakter. Der von abgeklärter Leichtigkeit inspirierte Schlusssatz wird im Tempo mit an die Grenze gebrachter Virtuoisität gespielt. Großer Beifall zeigt: die "Bamberger" haben ihr Publikum erobert.

Und dann Mozarts Quartett für Oboe, Geige, Bratsche und Cello. Es ist eines jener Quartette, die Mozart für befreundete Musiker komponiert hat. Ivan Podyomov kann die volle Schönheit des Oboenklanges ausspielen. Dieses bezaubernde Werk, in dem das solistische Blasinstrument konzertant hervortritt, lebt von seinen eingängigen melodischen Einfällen. Der Solist präsentiert das Werk in einer einfach überwältigenden Interpretation. Geschmeidig sein Spiel, rund und elegant die Tonfärbung in allen Lagen, fast unerschöpflicher Atem, der jeden Ton übergangslos vom piano zum großen Klang entwickeln kann und eine fast traumwandlerische virtuose Sicherheit - Podyomov verzaubert das Publikum mit seinem Spiel, klug unterstützt von den Streichern. "Bravo"-Rufe, Beifalls-Ovationen - sie sind gerechtfertigt.

Als Vollender der Wiener Klassik steht Beethoven mit seinem 1. Streichquartett F-Dur op. 18 auf dem Programm. Durch die Moderation von Karlheinz Busch wird deutlich, wie Beethoven mit dieser für ihn neuen Gattung gerungen hat. Noch an den großen Vorbildern Haydn und Mozart orientiert, projizierte Beethoven schon dort "damals revolutionäre" Ideen. In der Interpretation der "Bamberger" spürt man, wie sich das Ensemble mit diesem Werk "identifiziert". Bei aller technischen Souveränität - es ist die zwingende Umsetzung der emotionalen Tiefe dieses Werkes, die vermittelt wird. Beklemmend, berührend, in fast unerträglicher Spannung die Schilderung der Grabszene aus Shakespeares "Romeo und Julia". Wie der verzweifelte Schmerz, die erschütternde Klage, auch Resignation und tödliches Aufbegehren musikalisch nachgezeichnet wird - das ist die Verwirklichung der Beethovenschen Komposition in Vollendung.

Euphorischer Beifall

Ein bewegtes Scherzo mit starker rhythmischer Betonung führt zum rondoähnlichem Schlussstz, in dem Beethoven wohl die Dramatik der "Grabszene" durch die Spiellaune eines Rondos zu neutralisieren trachtete. Einfach großartig die Gestaltung dieses Quartettes durch die vier Musiker. Euphorischer Beifall zwingt zu einer Zugabe. Ein wunderschönes Adagio von Albinoni für Oboe und Streicher beendet das Konzert. Nun dürfen sich die Besucher auf das nächste Konzert mit dem "Weimarer Bläserquintett" am 27. Januar freuen.
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