Roberto Legnani in der alten Synagoge
Sehnsucht und Freude

Roberto Legnani fesselte vom ersten Ton an mit seinem Spiel. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
17.11.2016
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"Entrada al Generalife y Romanza Española": Allein der Name des Programms war Medizin gegen den November-Trübsinn. Der Gitarrist Roberto Legnani hatte unter diesem Titel ein Programm zusammengestellt, das durch alle Zeiten und die halbe Welt führte, das Sehnsucht weckte und reine Freude schenkte.

Roberto Legnani saß versunken da, die Gitarre innig umarmt. Er drückte sie an sein Herz und schien in das Instrument hineinzuhorchen, streichelte es, peitschte es. Mit brillanter Technik entlockte er seiner Hopf-Gitarre "La Portentosa" nicht nur wunderbar reine, klare Gitarrentöne. Er ließ das Instrument singen und klagen, manchmal klang es fast wie ein zartes Blasinstrument. Jedes der Stücke gab dem Musiker Gelegenheit, seine ganze Virtuosität in den Dienst der Musik zu stellen.

Interpret und Komponist


Mit sicherem Gespür für musikalische Wirkungen spielte er "Asturias" von Isaac Albéniz. Die starke Dynamik und flamencoartige Leidenschaft fesselten seine Zuhörer in der fast ausverkauften Synagoge vom ersten Ton an. Großartig waren auch Francisco Tárregas "Recuerdos de la Alhambra". Mit seinen sensiblen Fingern zauberte Legnani auf den sechs Saiten, ließ in raschem Tremolo mit Ring-, Mittel- und Zeigefinger die Melodie erklingen. Mit dem Daumen setzte er eine dunklere Arpeggiobegleitung dagegen. Legnani zeigte nicht nur sein Können als Interpret, sondern auch als Komponist. Packend waren seine "3 Neginot", Melodien zu König Davids Psalmen. Leidenschaft, Angst, Zorn und Hoffnung hat der Gitarrist in Töne gegossen.

Die "Suite Latina" nahm die Zuhörer mit nach Südamerika. Ausgehend von teils heiteren, teils melancholischen Volksweisen porträtiert Legnani Land und Leute. Zauberhaft der Satz "Las abejas" über Paraguay. Die Bienen aus dem Titel summen und brummen emsig um den Stock, gönnen sich keine Pause - man hört in der Musik, wie sie Nektar und Pollen heimtragen und am Flugloch tanzen. Rossinis Opernthemen haben andere Komponisten auch zu Instrumentalwerken inspiriert. Bei Mauro Giulianis "Le Rossiniane", virtuosen Variationen zu "Othello", "Die Italienerin in Algier" und "Armida" zeigte Legnani seine Freude an der dramatischen Gestaltung.

Gerade in den leisen Passagen baute er eine enorme Spannung auf und fing die Essenz der großen Bühnenwerke im kleinen Rahmen ein. Mit stürmischem Applaus feierte das Publikum den Meister, der mit zwei Zugaben dankte.
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