Roland Scheerer und Stefan Rimek im Literaturhaus Oberpfalz
Multimediale Live-Hörspielfassung

Bild: aks
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
18.10.2015
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Mit Lyrik den Elfenbeinturm der Kunst zu verlassen, ist ein gewagtes Unterfangen. Roland Scheerer und Stefan Rimek nahmen diese Herausforderung an und präsentierten im Literaturhaus Oberpfalz Scheerers „Ilm Tagebücher“ als multimediale Live-Hörspielfassung.

Damit kehrte Roland Scheerer zugleich an einen bekannten Ort zurück, war er doch schon zu Jahresbeginn als Teilnehmer eines Lyrik-Seminars in Sulzbach-Rosenberg zu Gast, wie Hausherrin Patricia Preuß zu Beginn der Veranstaltung erinnerte.

Was aus diesem Besuch entstanden ist, bekam das Publikum sozusagen als Appetitthäppchen serviert: Das ausschweifende Poem „Sachbuch in Sulzbach“, das aus der Titelzeile heraus verbfreie, skurrile Kapriolen drehte bis zu „Hautausschlag im Allgäu, Maulwurf im Staubtuch, Angst vor Bankraub, Tenorhorn, Leberbandwurm und Tagung in Ansbach“, um am Ende doch wieder bei „Sachbuch in Sulzbach“ herauszukommen.

Vom musikalischen Begleiter und Präsidenten der veranstaltenden Regensburger Schriftstellergruppe International, Stefan Rimek, mit dem informativen Rahmen versorgt, begab man sich im Anschluss an Scheerers Kindheits- und Seelenfluss Ilm.

Anders als bei der ursprünglichen Hörspielfassung für den Bayerischen Rundfunk übernahm diesmal Rimek eine Instrumentierung mit Kontrabass, Gitarre und Ukulele, selbst gefilmte Flussimpressionen setzten genau getaktete optische Reize.

In der ersten Sequenz der Tagebücher begab sich Scheerer in die Welt seiner Kindheit und das Reich seiner Traumbilder. Alltgägliche Anblicke verwandelten sich dabei in surreale Bilder, aus dem mittlerweile als Unkraut verschrienen indischen Springkraut erwuchs ein zentrales Element auch unter dem englischen Namen „Himalayan Balsam“.

Im zweiten Teil wanderte der Autor am Flusslauf entlang Richtung Mündung der Ilm und machte auch an jener Kirchpforte Halt, die mit dem lapidaren Anschlag „Die bestellten Kommunionbilder können im Pfarrbüro abgeholt werden“ den Impuls zur Hexameter-Form der Ilm-Dichtung gab.

Komponierte Bildsprache ist auch hier Scheerers Ausdrucksmittel, was unter anderem in der „Wasserleiche eines Fisches“ oder „suchten Stechmücken meine Kindheit in den Kniekehlen“ mündete. Ein Römerkastell beendete textlich und filmisch diese spezielle Erkundung der Ilm, die meditative und rhythmisierte Züge aufwies, aber auch mit der akustischen Sperrigkeit kunstfertiger Sprachschöpfungen zu kämpfen hatte, was Musik und Bilder nicht immer auffangen konnten.
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