Sanierung der Burgkapelle am Breitenstein abgeschlossen
Einst Grafensitz der Sulzbacher

Nach dreijährigen Renovierungsarbeiten zeigt sich die Burgkapelle am Breitenstein wieder von ihrer schönsten Seite. Bild: Royer
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
07.08.2016
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Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn (Fünfte von links) und Stefan Luger (hinten, rechts) von der Glücksspirale überreichten das Bronzeschild an Pfarrer Hans Zeltsperger (vorne, rechts) im Beisein von Mitgliedern der Kirchenverwaltung Eschenfelden-Breitenstein. Bild: hfz

Für die Restaurierung der ehemaligen Burgkapelle am Breitenstein stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) vor drei Jahren 30 000 Euro zur Verfügung. Petra Schöllhorn vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD übergab zur Erinnerung an die gelungene Restaurierung an Pfarrer Hans Zeltsperger jetzt eine Bronzetafel.

Amberg-Sulzbach. "Gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit Hilfe der Glücksspirale" ist auf der Tafel zu lesen. "Dadurch bleibt das Engagement der privaten Förderer der Stiftung und der Rentenlotterie auch nach den Maßnahmen an vorbildlichen Projekten sichtbar und kann zu weiterer Unterstützung motivieren", informierte Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn im Pressegespräch.

Nach ihren Angaben verfiel die mittelalterliche Burg der Grafen von Sulzbach in Breitenstein Ende des 17. Jahrhunderts und diente als Steinbruch. Schließlich wurde das Burgplateau für die Errichtung einer Bahnstrecke im 19. Jahrhundert teilweise gesprengt. Von der romanischen Burganlage blieb nur die Torkapelle aus dem 12. Jahrhundert erhalten, lokalisieren lassen sich noch der Burgbrunnen und die ehemalige Ringmauer. Die Steine für die Instandsetzung der Burgkapelle im 18. und 19. Jahrhundert stammten von der Ruine, so die Expertin.

Bei der romanischen Burgkapelle handelt es sich ursprünglich um eine Toranlage mit einer Kapelle im Obergeschoss. Das Untergeschoss diente als nördliche Tordurchfahrt, von der aus ein Steg zur Burg Altbreitenstein führte. Die Form der nicht eingezogenen Apsis wie auch das sorgfältige Großquader-Mauerwerk deuten auf eine Bauzeit um 1200 hin, die Portale stammen ebenfalls aus dieser Zeit.

Für die Verteidigung


Um 1500 wandelte man vermutlich bei einer umfangreichen Instandsetzung das Tor im Untergeschoss in ein Kapellchen um. Die Einweihung durch den Eichstätter Bischof 1503 ist dokumentiert. Ein später aufgestocktes drittes Stockwerk diente als Wehrgeschoss und hatte Verteidigungscharakter. Mitte des 18. Jahrhunderts entfernte man die Zwischendecke zum obersten Geschoss, verbreiterte die Fenster und mauerte die kleinen romanischen Öffnungen zu, ergänzte Petra Schöllhorn.

Dabei nutzte man möglicherweise das Untergeschoss bereits als Ausweichkapelle. Jedenfalls war die später als Wallfahrtsstätte aufgesuchte "Doppelkapelle" mit dem unteren Raum durch einen Schacht verbunden, der den dort versammelten Gläubigen die Teilnahme am Gottesdienst in der oberen Barockkapelle mit dem Altarbild der Hl. Dreifaltigkeit ermöglichte. Später wurde wieder eine Zwischendecke eingefügt, so dass im 18. Jahrhundert für die untere und obere Kapelle die getrennten Patrozinien des heiligen Johannes Nepomuk und der Heiligen Dreifaltigkeit belegt sind, führte Schöllhorn aus. Durch ungehindertes Eindringen von Feuchtigkeit in die hohen Mauern des Gebäudes wurden die Außenwände der Kapelle stark durchfeuchtet. Die hohe Luftfeuchtigkeit zog die Ausstattungsgegenstände in Mitleidenschaft, insbesondere die Fassung des Rokokoaltars.

Die Burgkapelle gehört zu den über 350 Projekten, die die private Denkmalschutzstiftung dank Spenden und Mittel der Glücksspirale allein im Freistaat Bayern fördern konnte. (Zum Thema)

Hintergrund1985 rief Professor Kiesow die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit einer Gruppe von Vertretern deutscher Unternehmen ins Leben. Der damalige Bundespräsident, Richard von Weizsäcker, übernahm die Schirmherrschaft. Seither ist enorm viel passiert, etliche Projekte wurden angestoßen, Hunderte alter Gemäuer sind erhalten worden, so eine Presseinformation.

Die Entwicklung der Stiftung in den vergangenen fast vier Jahrzehnten ist eine Erfolgsgeschichte. Zwei Hauptziele hat die DSD: Bedrohte Kulturdenkmäler zu bewahren und das Bewusstsein für den Denkmalschutz in der Öffentlichkeit zu stärken und möglichst viele Menschen zur Mithilfe zu bewegen. Projektmittel der DSD 2013: 20,16 Millionen Euro. Es gibt zwei Haupteinnahmequellen: Die Lotterie Glücksspirale (2013: 14,7 Millionen) und Spenden (2013: 16,1 Millionen Euro). Seit ihrer Gründung wirbt die Stiftung um Spenden.

Sie fördert Sanierungen und Restaurierungen an denkmalgeschützten Objekten. Dabei kann es sich um Baudenkmäler, technische Denkmäler, archäologische Grabungen, historische Gärten und Parks und auch um Kleindenkmäler und Forschungsarbeiten handeln. Die DSD stellte bis 2013 über 520 Millionen Euro für rund 4500 Projekte zur Verfügung. (oy)
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