Schauspieler und Liedermacher Michael Fitz im Seidel-Saal
Beschleunigt in Einbahnstraße

Michael Fitz ist häufig zu Gast in Sulzbach-Rosenberg. Bei seinem dritten Auftritt im Historischen Seidel-Saal kündigte er bereits seinen vierten am 8. Dezember 2017 an. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
13.03.2016
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Einer wie er kommt als Schauspieler und Liedermacher gemeinhin aus der Welt des schönen Scheins. Dass sein Leben jenseits des Scheinwerferlichts aber auch mit Ängsten, Zweifeln und Problemen des Alltags zu tun hat, gibt er offen und ehrlich zu. In seinem Soloprogramm "Liedermaching" präsentierte Michael Fitz eine eigenwillige Kombination aus Liedern und Geschichten.

Der große Jubel des Publikums im Seidel-Saal kommt erst bei den Zugaben. Dabei zeigt sich Michael Fitz von seiner humorvollen Seite, während die Lieder und noch mehr die Texte in seinem Programm "Liedermaching" eher zum Nachdenken anregen.

Tiefer Einblick


Er gibt einen tiefen Einblick in die menschliche, vor allem seine eigene Seele. Seine Musik bewegt sich zwischen Blues, Rock und Folk, er kann Fehlverhalten aufzeigen, aber auch poetisch und lyrisch von den zwischenmenschlichen Beziehungen erzählen und mit seinem Gitarrenspiel untermalen. Fünf Gitarren, einen schon ziemlich ramponierten Hocker und ein kleines Sortiment an Technik, mehr braucht Fitz nicht für seinen Auftritt. Alles andere ist in ihm. Ob hoch emotional oder rebellisch, es geht in seinen Liedern um Dinge "wo es menschelt", sei es die problematische Zweierbeziehung - "mia hakeln und streiten und hadern bis ins Grab" - , das Jammern auf hohem Niveau, um den Hunger und das Sattsein mit der Angst, "dass vielleicht nix mehr für di übrig is". Hintergründig sind seine in der Sprache seiner Münchener Heimatstadt gesungenen Texte, schonungslos offen sprechen sie von Frust, Angst, Zweifeln und Melancholie. Mit dem Titel seines Solo-Programms nimmt er den Trend, von "Singer und Songwritern" zu sprechen, auf die Schippe. Bei ihm wird auch Liedermacher "verenglischt", wird zu "Liedermaching. Während Michael Fitz seine Gitarre stimmt, plaudert er Philosophisches, kommt vom tiefer gelegten Auto zum beschleunigten Leben, das aus der Spur läuft oder in die Einbahnstraße führt, im schlimmsten Fall mit Vollgas an die Wand geht.

Schwere und nachdenkliche Texte wie "Ich geh nicht aufs Eis", witzige wie der vom "kloana Deifl in mia drin" und auch positive wie "Heid is a Tog, wo alles is wias sei soll", in all seinen Liedern schildert Fitz seine eigenen Gefühle. Seine unterschiedlichen Gitarren, die er souverän beherrscht, liefern die richtige Stimmung dazu.

Vor dem Weltuntergang


Der melancholisch-nachdenkliche Grundton des Abends endet bei den Zugaben, die das Publikum im seit Wochen ausverkauften Seidel-Saal fordert. Fitz schildert den verflixten Tag vor dem angekündigten Weltuntergang im Jahr 2012 und animiert erfolgreich zum Mitsingen des Refrains.

Dass er ab und zu noch immer als Carlo Menzinger, seiner Rolle im Münchener TV-Tatort, angesprochen wird, stört ihn nicht weiter, wohl aber, wenn er dann erkannt wird als "Sohn vom Hardy Krüger". Mit einem "Pfüat eich, sche war's bei eich" verabschiedet sich ein erfolgreicher Künstler, der auf vielen Bühnen zu Hause, trotzdem bodenständig und liebenswert bayerisch geblieben ist.
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