Schriftsteller David Wagner präsentiert neuen Roman im Literaturhaus Oberpfalz
Literarische Momentaufnahme

Fünf Tage vor dem Erscheinungstermin präsentiert David Wagner (rechts) seinen neuesten Roman im Literaturhaus und plauderte mit Studienfreund und Moderator Heribert Tommek über Literatur und Hotels. Bild: aks
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
06.10.2016
44
0

Es liegt noch nicht in den Buchhandlungen, keine Rezensionen füllen die Seiten der Feuilletons: Mit der Lesung aus seinem neuesten Werk "Ein Zimmer im Hotel" schenkt David Wagner dem Literaturhaus Oberpfalz eine Buchpremiere vor der Premiere.

Fünf Tage vor dem offiziellen Erscheinungstermin schnuppert das Publikum in David Wagners buntem Kaleidoskop nationaler und internationaler Hotels. Anders als John Irving oder Vicki Baum interessiert den 2013 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse geehrten Schriftsteller nicht das menschliche Potenzial, sondern das gegenständliche Panoptikum der Herberge auf Zeit.

Nüchtern, jedoch keineswegs humorlos, zerlegt Wagner die Ausstattungsvarianten seiner bemerkenswert zahlreichen Quartiere zwischen Bonn, Bologna, Kairo und Peking, klassifiziert sie nicht nur nach Fernsehangebot und W-LAN, sondern auch nach bereitgelegten Schreibgeräten: "Hotels mit Bleistiften sind die besseren." Komplementiert wird die literarische Momentaufnahme vom Blick in die Frühstücksräume, der das Büfett streift und atmosphärische Details von der Temperatur bis zur Musik miteinbezieht. "Dinge können erzählen", konstatiert auch Dr. Heribert Tommek, der als Vorsitzender des Literaturarchiv e.V. den unterhaltsamen Abend mit seinem Studienkollegen David Wagner moderierte.

Persönliche Details


Allerlei Zitate motivieren dabei den Gast, die spezielle Beengtheit der Hotelzimmer zu verlassen und einiges mehr von sich und seinem Werk preiszugeben. Bei aller Fokussierung auf die Beschreibung des Alltäglichen und aller Faszination für die gewöhnlichsten Dinge behält sich Wagner jedoch auch Abweichungen vom Konzept vor: "Jedes Korsett muss ein Mal gesprengt werden" - daher widmet er der Ferienunterkunft im österreichischen Bad Aussee statt weniger komprimierter Zeilen gleich 16 Seiten. Mit ähnlich großem Interesse wie für die Gesprächs-Lesung an sich verfolge das Publikum die Dia-Show im Hintergrund, die sämtliche Zimmerbeschreibungen Gestalt annehmen lässt und anhand persönlicher Wagner-Details gar nicht erst den Eindruck hochglänzenden Werbematerials erweckt.

Am Ende stellt sich die Frage, ob so eine Tour durch über Hundert Hotels in drei Jahren nicht trostlos und einsam werde. Das sei der Unterschied zwischen einem Schriftsteller und einer Rock-Band, so Wagner. Das Schreiben habe sich als "Selbstschutzprogramm" in den hässlichen Herbergen erwiesen. Davon abgesehen speist sich Wagners ungebrochene Freude am Reisen aus einer besonderen Quelle: Jahrelang fesselte ihn eine lebensbedrohliche, im Roman "Leben" verarbeitete, Erkrankung an Bett und Krankenhaus. Die Möglichkeit, unterwegs zu sein, gewinnt so eine "andere Qualität".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.